Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 38 (20.9.1895)
- Date
- 1895-09-20
- Page
- Seite 605 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 3«. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 605. - Schaden gelitten, nnr bei einer Minorität mit sich selbst in Widersprach geraten ist. Wir, die Minderheit, befinden ans i eben in einer exzeptionellen Lage, wenn inan will, in einer i nnverschnldeten Notlage. Wir verletzen den Sabbat, weil; die Kultur-, oder richtiger die kommerziellen Verhältnisse ans in einem gewissen Sinne dazu zwingen. Sie Tausende und Zetmtanseiwe von Inden, die einst in Spanien die ZwangS- - laufe der Auswanderung vorzogen, waren sich ihres Treu- . braches im Herzen bewußt, ohne wegen dieses Zwiespalts in . ibrem Innern das Judentum gefährdet zu glauben, weil sie ja wußten, daß die große Mehrheit ihrer Glanbensbrüder den Tod eher als den Abfall, das Elend der Verbannung als die ewige Heuchelei wählte. Ganz so offenherzig wollen . wir es nnr wiederholt eingestehen, obgleich es den geläusigen, ' hochtönenden Phrasen von nuferer religiösen Herrlichkeit widerspricht, daß wir nnr einen Bruchteil der religiösen (Gesamtheit bilden, daß wir zwar den weltlich gebildetsten, aber keineswegs den religiös treuesten und in allen Beziehungen repräsentativen - Teil ausmachen. Haben wir einmal dies erkannt, so werden ■ wir uns zwar unserer Schwäche, unserer Unfähigkeit, dem Neiz des (Gewinnes atn Sabbattage zu widerstehen, in innerster Seele schämen, wir werden aber dieses unser Vergehen blos als die Uebertrctung einzelner, höchstens als einen sittlichen Treubruch von Familien und Eiruppen anfehen, und nicht länger den unversöhnlichen (Gegensatz in uns zwischen Lehre und Leben > als den beginnenden Zersetzungsprozeß des Gesamtbewußtseins Israels betrachten. Wir befinden uns ausnahmsweise in ■ einem religiösen Notstand, wir müssen durch tüchtige Arbeit, durch rechtzeitiges Ausstreuen der besten Saaten bessere Zei-; ten für uns vorbereiten; indessen ist es heilsam zu wissen, daß viele Millionen Israeliten sich einer reicheil Fülle des religiösen Lebens erfreuen. Shne um beu Fortbestand des Judentums, seiner geschichtlichen Ideenkreise besorgt zu sein, weil wir sie in an- - dern Ländern und bei andern Menschen geborgen wissen, müssen wir nichtsdestoweniger unermüdlich darnach ringen, ' unsererseits so viel voin Sabbat zu retten und zu erhalten, als nur immer möglich. , Vor allem gilt es, den Sabbat, den die Al ü n >l e r, die Häupter der Familien, aus Geschäftsrücksichten verletzen zu müssen glauben, wenigstens in den Häusern, wo ja kein * wlcher Zwang vorliegt, hoch und heilig zu halten. Die i Frauen und minder, die ja nichts, absolut nichts verhindert, lich aller Arbeit zu enthalten und den Tag durch (Gottesdienst - und sonstige schölle Gebräuche zu weihen, sollten während! dieser unserer Zwangslage das sittliche Ideal, die Integrität unseres religiösen Bewußtseins darstellen. Es wird dann den Mann, wenn er am Sabbat aus dem Geschäfte nach Hause kommt, der Sabbat weihevoll aus dem Verhalten feiner Frau und feiner Binder wie in den Tagen feiner Jugend ansprechen mib begrüßen. Er würde sich alsdann wie ein Soldat Vorkommen, der zwar auf dem Schlachtfelde gezwungen ist, zu morden, aber, zur friedlichen Heimat auf kurzen Urlaub znrückkehrend, sich der Menschenliebe hingeben kann. Es herrscht aber allgemein die verhängnisvolle Ansicht, daß wenn man nicht den ganzen Sabbat halten und haben kann, man ihn lieber gar nicht beobachte und durch einzelne Kundgebungen heilige. Man hört oft die Behauptung, es fei Heuchelei, am Sabbat den Gottesdienst zu besuchen und sich nachher mit Hintansetzung des Sabbatgebotes in's Geschäft zu begeben. Welch ein Irrtum! Durch Teilnahme ain (Gottesdienst legt man ja wenigstens Zeugnis davon ab, daß der Sabbat seine bindende .Kraft noch nicht ganz verloren, daß er noch einen Einfluß auf's Gemüt habe, daß inan das Gebot seiner Heilighaltung wenigstens auf diese unvollkommene Weife anerkenne. Abgesehen von der Belehrung und Erhebung, die aus Predigt und Gebet zu schöpfen sind, übt ja das bloße Huldigen der Sabbat-Idee einen veredelnden Einfluß auf Gemüt und Seele aus. Der Zwiespalt zwischen Lehre und Praxis bleibt zwar noch bestehen, aber er reduziert sich auf die Unfähigkeit des Individuums, dem Sittengesetz in allen Punkten, dem Sabbatgebote in allen Richtungen zu gehorchen. Ein Stück Sabbat ist wahrlich besser als gar keiner! Bann man einen Armen nicht so reichlich unterstützen, daß man allen seinen Bedürfnissen abhilft, so darf man doch deswegen die Hand nicht ganz verschließen und jede Gabe versagen. Im Gegenteil, das kärglichste Almosen ist eine Verwirklichung der Idee der Wohlthätigkeit. Es ist thöricht, zu behaupten, daß, weil man den Tag des Sabbats nicht nach den alten strengen Sitten feiern könne, man deswegen auch den Freitagabend entweihen dürfe. Wahrlich, es würde unendlich viel gewonnen fein, könnte man wenigstens dem Freitagabend feine uralte Weibe, den lieblichen Zauber feiner verklärenden Stimmung wiedergeben. Das religiöse Gefühl, der Wunsch, den Sabbat zu heiligen, würde sich auf diesen Abend konzentrieren. Dieser würde ein neuer Mittelpunkt für die Sabbatheiligung werden; der Bruch, der Widerspruch im Bewußtsein würde zu heilen' ansangen und die moderne Jndenheit würde das verlorene, das verloren geglaubte Paradies wiedergewonnen. i C du Bctjabbo*, du l,eiliger Tug,; In Befreier von Bornen, von Silan und Plag, . Zieh ein zum Glück mit F-rendeu uud Frieden - Fn die ,Häuser vou deinen frommen Füde». Ei„ alter auf ZXncbt. Aus dem Füdisch - leutscheu leuu wie mau feist auf den Bchabboshnt, Man bekommt schon gar einen andere» Mut, Es fallen herab alle finsteren Borgen, Mau kümmert sich nicht um das Uebcrmorgen. Dir m lieb werden die Tische gedeckt, lie blanken Leuchter mit Licht besteckt. Dazu noch schöne Kleider augethau, Feder bemüht sich, so viel er kann. Alan bekommt sogar neue göttliche St rüste, Alan redet schon nicht mehr von Wochengeschäfte, Alle Hände an dir ruhen und raffen**), Es wird schon ruhig in allen Waffen. C selbst bei dem besten und teuersten Wein, Bei keinem Ball kann man so lustig sein, Wie bei der Mahlzeit von Freitag Macht, Die man zu lieb dem Bchabbos Kandesch gemacht. Daher ziehe ein Freitag bei Zeiten Samt beiden Engeln von beiden Beiten Zu Iisroelr frommen heiligen Gezeiten, Tie da leuchten wie die Beelen von besseren Welten. ir‘öi’-d,c "'tteratiir seit Abschluß des Kanon" Lief. 2H. (Füdisch-dentschc Litteratnrl B. Mayer. Trier ) ^ndnch-dentsch sur: rasten. Ans Acimnot lassen wir das Wort stehen.