Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 37 (13.9.1895)
- Date
- 1895-09-13
- Page
- Seite 597 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. T. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 597. $>tev mt6 6ovt. Personalicn. Den Rechtsanwälten und Notaren Tr. jm" Sobernhcim, Felix Kaufmann und Tr. jnr. Goldfehmidt ist der Charakter als Instizrat verliehen worden. - Von den im Inni t>. Igeprüften wn rttcin berqiictien Nadbinatskandidatei! 'wurde Tr. Mroucr, Sohn des Kirchenrates Tr. Kroner, znm Nabbinatsverweser in Göppingen, I. Berlinger znm Gehilfen seines Vaters, Rabb. Dt. Berlinger in Brannsbach, ernannt. - Tie deutsch-soziale Neforniparlei veröffentlicht il,r neues Programm. Tasselbe enthält u. a. folgende Forderung: Aufstellung und dauernde Führung einer Statistik über die in Teutschland lebenden Juden unter Anwendung des Klassenstandpunktes, Verbot der Einwanderung fremder Inden- Aufhebung der Gleichberechtigung und Stellung der in Teutschland lebenden Inden unter ein besonderes Fremdenrecht, Schächtverbot. wissenschaftliche Prüfung der jüdischen Religionsvorschriften bezüglich ihres Inhaltes und ihrer Verbindlichkeit." - Billiger machen sie es nicht. - Ahlwardt geht es herzlich schlecht. Seine Einnahmequellen sangen an zu versiegen. Er veröffentlicht eine Erklärung, in welcher der ganze Jammer über die schlechten Finanzen znm Ausdruck kommt. Tas Parteiorgan, das „Volksrecht", erfordere pro Woche einen Zuschuß von 250 Mk. Bereits 5000 Mkseien an Zuschüssen für das Blatt geleistet worden, und doch fehle es noch immer an Abonnenten. Des Weiteren beklagt sich der Gründer der antisemitischen Volkspartei, daß cs den gegnerischen Blättern fast gelungen sei, seine Einnahmeguelle gemeint sind jedenfalls die 10, 20 und 30 Pfennig-Vorträge durch fortgesetzte Verunglimpfungen zu verstopfen. - Allmählich haben selbst die verbohrtesten Anhänger Ahlwardts erkannt, weß Geistes Kind dieser „Volkserretter" eigentlich ist. — Auf dem jüdischen Friedhofe in Grabow (Regier-Bez. Posen) sind in dieser Woche von ruchloser Hand 10 Leichenstcine von den Grabhügeln gerissen, umgeworfen und dabei 2 Stück zerschmettert worden. Die dortige jüdische Gemeinde hat ans die Ermittelung der Missethüter eine Belohnung von lOO Mk. ausgesetzt. Man bringt dort diesen Akt antisemitischer Roheit mit einer vom evangelischen Seelsorger daselbst vor etwa 14 Tagen gehaltenen, antisemisisch durchzogenen Sonntagspredigt in Verbindung. - Rentier Wolffsohn in Breslau hat der jüdischen Gemeinde seiner Vaterstadt In owrazlaw ein Legat von 500000 M. zugewendet mit der Bestimmung, dafür ein jüdisches Waiscnha ns' in gen. Stadt zu erbaue». In dem Waisenhanse sollen 20 .minder aus der Stadt und der Provinz Ausnahme finden. Tas Kuratorium, bestehend ans dem ersten Bürgermeister Hesse, dem Rabbiner Tr. Kohn und einem Schwiegersohn des Erblassers in Breslau, hat nunmehr einen Bauplatz für den Preis von 8<>o0 M. angetanst. Sobald die Genehmigung vom Kultusminister eingeht, soll mit dem Bau begonnen werden. — Die für das Rabbinat in Krotofchin zur engeren Wahl zugelasseneu Bewerber sind: Tr. Berger aus Hohenems und Tr. Levy aus Birkenfeld. Ans Vorschlag des Vorstandes und der Gemeinderepräsentanten ist am 1. September er. seitens der Gemeindemitglieder, deren Steuerzahler sich auf 172 belaufen, die Wahl erfolgt, damit der gewählte Kandidat möglichst schon zu den bevorstehenden hohen Festtagen sein Amt antreten könne. Herr Dr. Levy hatte vor seinem Mitbewerber insofern einen Vorzug, als er Deutscher ist und nicht wie jener eventuell erff naturalisiert werden müßte, doch soll Tr. Berger gewählt worden sein. Zu wüsten Szenen kam es am Abend des 3. d. Min Gelsenkirchen, vor dem Hause des israelitischen Bürgers I. Block dessen Tochter ihren Hochzeitstag feierte. Hunderte von Menschen hatten sich vor dem Hanse eingefunden und bombardierten es mit allen möglichen Gegenständen, so daß bald keine einzige Scheibe der der Straße zugekchrten Fenster mehr ganz war. Sogar die Rolljalousien der Schaufenster wurden zerschlagen und die wertvollen Spiegelscheiben zertrümmert. Dabei wurde die Menge durch antisemitische Hetzrufe angefeuert. Ta die Polizei viel zu schwach war, um gegen den Pöbel etwas ausrichtcn zu können, dauerte der Tumult bis gegen 2 Uhr Nachts. Am folgenden Tage wurden einige Verhaftungen vorgcuomnien. — 4wse Nachricht wird allen Antisemiten eine Herzensfreude bereiten. -- Tie vom Oberlandesrabb. Tr. I. Hamburger in Strelitz lMecklcnb ) herausgegebenc „Real-Encyclop aedi'e für Bibel und Talmud Abteilung l a : Abteilung 11 a~z mit den d re i Supplementen a z, wird nunmehr nochmals gedruckt und ist in .verteil zu io Bogen, Lexikon-Formet (ä Mark) zu haben. Man abonniert in jeder Bnchhandlniig, sowie direkt beim Verfasser. Eine Zahlreiche Beteiligung, lvie es dieses von den bedeutendsten gelehrten Fachmännern so sehr günstig beurteilte und empfohlene Werk wohl verdient, wäre zu wünschen, damit das nach einander Folgen der Hefte gefördert und gesichert werde. - Herr L. Alexander in Memel hat dem dortigen Komits zur Begründung eines neuen israelitischen Krankenhanses einen wertvollen Bauplatz geschenkt. Nachdem durch umfangreiche Sammlungen ein Kapital zusammcngebracht worden ist, durch das ein Neubau, der allen Anforderungen der modernen Hygiene entsprechen soll nnd der auch der Stadt in Notfällen ein vollkommen zeitgemäß ausgestattetes Privatkrankenhaus zur Verfügung stelleil wird, ■ errichtet werden kann, ist die Errichtung eines neuen Krankenhauses endgiltig gesichert. - Je mehr sich der Wahltermin für den Wiener Gemeinderat nähert, desto frecher und gewaltthätiger werden die Antisemiten. Das Sprengen von liberalen Wahlversammlungen und Veranstaltungen von Raufereien gehören zu den alltäglichen Kampfmitteln der Banden, die in Lueger ihren Führer verehren. — Zn der im Jahre 1806 zu Budapest stattfiudcnden Milleniums-Ausstellung werden viele jüdischen Gemeinden alte Synagogengeräte, Thorarollen, McnoraS w. ausstellen. Am Ausstellungsplatze wird eine Synagoge nach alten: Ritus eingerichtet werden. Die Regierung unterstützt das patriotische Bestreben der ungarischen Judenheit- -- In Frankreich ist durch die Initiative des Großrabbiners Zadoc Kahn eine Hilfskasse für das französische Rabbinat begründet worden, die bereits die behördliche Genehmigung erhalten hat, als Witwen- und Waisenkasse für die Hinterbliebenen der französischen Rabbiner, die von den Beiträgen der letzteren selbst erhalten werden soll. Es soll jeder staatlich angestellte Rabbiner zwei Prozent seines Gehaltes als Beitrag für diesen Fonds leisten, wogegen seine Hinterbliebenen im gegebenen Falle ein Recht auf Unterstützung erhalten. — In der Monatsschrift „Twentieth Century“ veröffentlichte der englische Oberst und General-Vicequartiermeister Albert Goldsmid einen Artikel, „Ter Jude als Kolonist". Goldsmid bespricht zuerst die jüdischen Ackerbau-Kolonien in Rußland und kommt dann ausführlich auf die jüdischen Kolonisations-Bestrebungen in Argentinien und Palästina zurück. Er weist nach, daß während für die Emigranten in Argentinien nur wirtschaftliche Momente in Betracht koinmen, in Palästina außerdem noch die Pietät zu diesem Lande und die nationale Idee einen Einfluß auf die Kolonisten ausüben. Das Verhältnis der türkischen Regierung zur Kolonisationsbewegung wird dann eingehend gewürdigt, nnd Goldsmid weist besonders den Nutzen nach, den die Türkei in politischer und ökonomischer Beziehung von den neuen Ansiedlern haben kann. . Eine Anzahl Inden, die sich in Odessa nach E g y p t e n eingeschifft hatten, sind in Eypern angelangt, wo sie sich niederznlassen gedenke». Sie haben Land erworben, welches sie bebauen wollen. , „ — K nrzgesaß tes Lehrbu ch der jüdischen Religion für Schule und Haus von Dr. F. Feilcheufeld, Landesrabbiuer in Schwerin. Verlag von Spaeth, Berlin. Daz Lehrbuch von Feilchenfeld, das nunmehr in 2. Auflage erschienen ist, besitzt viele Vorzüge, die andere von gleichem Umfang nicht aufzuweisen vermögen. Der Verfasser hatte insofern einen schwierigen Stand, als er sich's zur Aufgabe machte, nicht bloö den Bedürfnissen der Schule, sondern auch denen häuslicher Belehrung gerecht zu werden. Sind die Ziele auch dieselben, so erheischen die verschiedenen Lehrobjekte doch eine verschiedene Behandlungsweise des dargebotenen Stoffes. Das Bach kann als Lehrmittel nur in höheren Anstalten eingcsührt werden. Für diesen Zweck pflegt meistens ein gelehrter Apparat in Bewegung gesetzt zu werden, der die Benutzug für das Hans ausschließt oder doch zum mindesten sehr einschränkt. Das Haus läßt sich die wissenschaftliche Methode nicht ausbrängen, es kann erst, namentlich wenn es sich um religiöse Dinge handelt, durch lockende Vorzüge leichter utib aufs tKeiiiiit wirkender Darstellung znm Lesen bewogen werden. Wohl ans dieser Erkenntnis heraus vermeidet es gelehrte