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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-09-13 · 37 (13.9.1895) · p. Seite 589

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
37 (13.9.1895)
Date
1895-09-13
Page
Seite 589 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 58'.) labiale, mw Die Macht int ureigensten Wirkungskreise eine problematische Mt? Als die zweite, um nichts geringere Ursache dürste wohl Die ungünstige materielle Lage angesehen werden, in der lieh ein beträchtlicher Teil der österreichischen Rabbiner notorisch befindet und die den alten Satz bewahrheitet: Im en Kem;u*li en thora. („Wo kein Nie hl, da ist auch kein Studium.") Es ist eine lies traurige, durch nichts weg,zuleugnende Thatsache, bah, mit einigen rühmlichen Ausnahmen, die meisten, oft sehr wohlhabenden (Gemeinden bei der Totiernng der Rabbinatsposten dem (Grundsätze huldigen: nt vivore videatur, nnb ihren Seelsorger mit der Ehre, ihnen quasi n orste hen zu dürfen, int wörtlichen Sinne ab speisen wollen, so daß z. B. ein nicht geringer Teil der Rabbiner, namentlich derjenigen in Mähren, zu einem unfreiwilligen, vieljährigen Eölibat verdammt ist. Wer den mühsarnen Studiengang deö heutigen Rabbiners nur einigermaßen kennt, wie dieser die freien Stunden seiner Jugend statt sie, wie die anderen Gymnasialkollegen, dem Spiel und der Unterhaltung, nur dem Talmud und der Bibel widmen muh; wer von den mannigfachen Opfern weih, die sich der Rabbinatskandidat während feiner akademischen Studienzeit freiwillig anferlegt, vermag die Undankbarkeit zu ermessen, deren sich die Gemeinden ihren Seelsorgern gegenüber zu Schulden kommen lassen. Wer endlich scharf beobachten wollte, welch' hohe Ansprüche das nichtjüdische Publikum an das Exterieur und die Noblesse des Rabbiners, zumal in den Provinzstädten stellt und wie ein durch materielle Unzuläuglichkeit eiutretender Defekt nachteilig auf die Beurteilung des vom Rabbiner repräfentierten Gemeinwesens rückwirkt, würde erkennen, wie unangebracht, ja wie verderblich diese hausbackene Sparsamkeit ist. Was uns gerade jetzt die Feder in die Hand gedrückt? Einige Konkurse behufs Bestellung von Rabbinern, Lehrern und Kantoren sind es, die in jüngster Zeit erschienen sind und die ein zu grelles Licht auf die Zustäude in unserem Gemeindeleben werfen, als daß sie nicht einer näheren Betrachtung sofort unterzogen werden sollten. Da wird in irgend einer kroatischen Gemeinde ein Rabbiner gesucht, der außer den Fachstudien zum mindesten die Kenntnis eines slavischen Idioms aufweisen muß. Das Gehalt beträgt — s()() — achthundert! Gulden. Zu gleicher Zeit wird in einer kleinen mährischen Gemeinde ein jüdischer Lehrer verlangt, dem 650 Gulden und außerdem weitere Einkünfte durch Privatstunden zugesichert werden. Wollten wir das in eine irtathematische Formel nmsetzen, so würde sie lauten: Rabbiner — 800; Lehrer 050 plus x. Zu einer nicht unbedeutenden mährischen Gemeinde bezieht der Seelsorger ein Oiehalt von 1000 Gulden, in die schon die vom Staate ausgeworfenen 300 Gulden für Religionsunterricht am Oiymnastum inbegriffen find. In ebenderselben Gemeinde wird nun ein .(kanter gewünscht, der allenfalls an der Bolksschnle Religionsunterricht zu erteilen hätte. Das ihm zugesicherte Gehalt beträgt 1200 Gulden. Also mathematisch ausgedrückt - Kanlor---Rabbiner plus 200. Ei» weitergehendes, vergleichendes Studium der Konkurse würde vielleicht noch interessantere Resultate zu Tage fördern, vermöchte aber kaum den Hohn zu steigern, der in dem hier (gebotenen bereits enthalten ist. .(klingt das nicht beinahe wie eine Verlockung an stimmbegabte Rabbiner, Malnritäts-, Doktorats- und Rabbiuatszeugniffe in den Ofen zu werfen, um sich als wohlbestallte Kantoren, eventuell Lehrer engagieren zu lasten? Jedenfalls ivürden ne den Friktionen, die die Rabbinatsffellnng mit sich bringt, entgehen und die vielen .(kämpfe mit Windmühlen sich ersparen. Und die Moral von der Oieschicht? Zrtnächst eine Mahnung an alle im Gemeiudeleben maßgebenden Faktoren, denen der Sinn für die jüdischen Interessen noch nicht abhanden gekommen, dein Rabbiner durch Wegschaffung der kleinlichen Hindernisse freie Bahn zu schaffen! Dann eine Aufforderung an die jüdischen Seelsorger, durch eiumütiges Borgehen sowie durch öffentliche Festnagelung der Uebergriffe und Hintansetzungen, sei es auf religiösem, sei es auf materiellem Oiebiete, die Ehre des Standes und hiedurch auch die Ehre der von ihnen vertretenen heiligen Lehre zu wahren und zu heben!" — Dieses Klagelied läßt sich leicht aus dem Oesterreichischen ins Deutsche unb aus dem Rabbinischen ins Pädagogische übersetzen; es wird unsren Lehrern einen gewissen Trost gewähren nach, der oben zitierten Sentenz Spinozas, und den in Frage kommenden dekadenten deutschen Oiemeinden einen — freilich imaginairen - „S'chus" nachsagen, ähnlich dem in der oben mitgeteilten Anekdote. Zchkkilikbritf an die „Dkdxrch" in Cincinnati. Liebe Deborah! Was hast Du da wieder einmal gemacht! Wenn das einer unserer braven deutschen, in der Kultur so zurückgebliebenen Zeitschriften passiert wäre, Du hättest ja nicht genug Lauge auftreiben können für Deinen Spott, nicht genug schwarze Tinte gehabt, um diese Eiufaltspinselei ordentlich zu zeichnen! Und nun ist Dir das selbst passiert! Arme, arme Deborah! Du willst aber nun endlich wissen, worum eü sich eigentlich handelt? Run, wenn es Dir nicht inzwischen ein anderer Freund mitgeteilt haben sollte, will ich DirS verraten. In Deiner Nr. 4 (vom 25. Juli) berichtest Du von „einem Rabbinereramen," das in Wien, „nicht in Wilna, Grodno, New-Pork oder einem anderen orthodoxen Rabbinerseminar stattgefunden hat," dessen Verlauf, besonders die in den Fragen zum Ausdruck kommende eingehende Beschäftigung, mit dem Talmud Dich mächtig in Harnisch bringt. „Man sollte glauben, daß Wien etwas besseres zu thun hat, als sich mit sülchen Lapalien zu beschäftigen. So borniert ist man weder in Breslau noch in Budapest." Weiter! In der folgenden Rr. 5 (vom 1. Aug.) bringst Du einen weiteren Artikel von „einem Leser," der seinen Augen nicht zu trauen glaubt und in die höchste Exstase der Entrüstung gerät, nicht nur darüber, daß man sich in Wien mit solchen Lappalien (aber mit zwei p, denn es kommt vom „Lappen") beschäftigt, sondern noch mehr darüber, daß es dieselben Fragen sind, die vor 38 Jahren in hebräischer Sprache den Hörern des Breslauer Seminars als Gegenstand für das schriftliche Examen vorgelegt wurden. „Der Leser" findet es nun „in der Thal höchst befremdend, daß man im Jahre 1895 in Wien bei der ersten Rabbinatsprüfung ganz wörtlich dieselben Fragen auftischt, die vor 33 Jahren in Breslau den Kandidaten vorgelegt und von Geiger so scharf kritisiert worden sind." Schauerlich, in der That, ganz schauerlich!! Doch damit hast Du noch nicht genug! Du liebst es ja häufig, dasselbe Thema in derselben Nummer zu variieren, um ihm verschiedene Leiten abzugewinnen (cf. 1894 Nr. 12 über die Schechita, Nr. 20 über den Tod des Zaren u. f. w.) und so bringst Tu nächst diesem Aussatz Deines Lesers noch

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