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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-09-06 · 36 (6.9.1895) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
36 (6.9.1895)
Date
1895-09-06
Page
Seite 578 (sequence 10)
Language
German
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Seite 578. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 36. Wochen - Chronik. Berlin, den 4. September. * Berliner Nachrichten, lieber die Sebanfcier in der Neuen Synagoge wird uns geschrieben: In dem Kranze der festlichen Veranstaltungen, welche die letztverflossenen Tage der Gegenwart gedanklich mit der glorreichen Vergangenheit unseres Vaterlandes zu verbinden bestimmt waren, verdient diejenige in diesen Blättern als einzelne Blume hervorgehoben zu werden, die am Sonntag in der Neuen Synagoge ihren programmgemäßen Verlauf nahm, Lange vor Beginn der Feier füllte sich die Synagoge, deren Mittelschiff den Veteranen aus der Gemeinde eingeräumt war, mit Andächtigen, so daß katim ein Platz sreigeblieben sein dürste Ein stimmungsvolles Präludium leitete die Feier ein, die in Form einer Kedufchah gehalten, zu einer weihevollen Heiligung des Herrn der Heerscharen sich ausgestaltete. Unterstützt wurde der Festakt durch ein Trompeterchor, dessen Gaben sich mit den Tönen der Orgel und den Stimmen der Sänger zu einem in sich abgerundeten Ganzen vereinigten. Die Festrede hielt Rabb. Dr. Maybaum. Ihr lag der Text ans dem Siegesliede 2 B. K. 15. V. 6 zu Grunde, an dessen Hand der Nedner den Gedanken erläuterte, daß der Tag von Sedan auch vom religiösen Standpunkte aus ein Gottesgericht bedeute, da er der ganzen Welt wiederum vor die Seele geführt habe, daß ein sittliches Gesetz walte und ein Gott aus Erden herrsche, der den Frevler straft, sitze er noch so hoch. Der Sieg aber verpflichte uns, vor allen Dingen nicht in den Fehler des Siegers zu verfallen, sondern dem Herrn die Ehre zu geben, wie dies der entschlafene Gründer des deutschen Reiches gethan habe. Insbesondere aber bat der Prediger, zu geloben mit allen Kräften zu Kaiser und Reich zu halten, für dessen höchste Güter nach Kräften zu kämpfen, damit auch im Innern die schönsten Ziele des Reiches: Eintracht, Duldung und Frieden, zum Siege gelangen. Gebet für die verstorbenen und ein Segen für die noch lebenden ehemaligen Krieger schloß diesen Teil, dem ein Gebet für das Kaiserhaus sich auschloß. Mit dem effektvollen Lewandowski'schen Psalm 150 fand die Feier ihren Abschluß. Bemerkt sei noch, daß eine stattliche Anzahl von Inhabern beider eisernen Kreuze unter den Veteranen hervorstach, ein Umstand, der den Antisemiten vielleicht Gelegenheit giebt, in den nächsten Tagen, die Verjudung der Heerführer der 70er Jahre ins rechte Licht zu rücken, was bis jetzt unbegreiflicher Weise noch nicht geschehen ist. Wir bemerken noch, daß das stimmungsvolle Predigtlied Herrn Gnstav Iacobso hu, Lehrer an der Mädchenschule der jüd. Gemeinde, zum Verfasser bat. — D i e j ü d i s ch e R efor m g e m e i n ö c hat eine lieber; sicht des Gemeindehaushalts vom Jahre 1804 veröffentlicht, die manches Interessante enthält. Die Einnahmen beliefen sich aus 50,070 Mark, die Ausgaben aus 40,012 Mark. Die Tempelspenden - Kasse hatte Einnahmen 2470 Mark, Ausgaben an Unter stützu n gen an Arme 647 Mark, (phänomenal!) Die Stiftung für Witwen und Waisen von Beamten der jüdischen Resormgemeinde k. nebst Gedüchtuisfonds, hatte Einnahmen 4040 Mark, Ausgaben nur für das Pensioneu-Kouto 250 Mark. — Zugleich mit dieser lieber; sicht versendet der Vorstand der Resormgemeinde ein Zirkulair an die Mitglieder, in dem er sie auffordert, der Religionsl'chule der Gemeinde ihr besonderes Interesse zuzuwenden und ihre Kinder rechtzeitig für den z w e i j ü h r i g e n R eligions - unter riebt anzumelden, da nur nach Absolvierung der vorgeschriebenen Pensen die Kinder zur Koufirmationsfeier zu gelassen werden. Das Pensum in den beiden unteren (Mädchen- und Knaben-) Klassen ist folgendes: Biblische Oieschichte von ihrem Beginn bis zum Salomonischen Tempelbau. Tie 10 Biludesworte. Die Feste. Ausgemählte Psalmen zunl Memorieren; das Pensum in ben beiden oberen Klassen: Biblisch-jüdische Geschichte: von der Teilung des Reiches bis zur zweiten Tempelzerstörung. Charakterbilder aus der jüdischen Geschichte. Systematische Religionslehre. Hebräische Lese Übungen (horiibile dictu!) werden in den Klassen vorgenommen, — alles in z w e i Jahren. Geschwindigkeit ist eben keine Hexerei. — (Sine d e r lebhafte st e n Forderuuge n der Antisemiten bildet bekanntlich das Verbot des Schächteils, und in Sachsen wurde thatsächlich ein solches Verbot durchgesetzt. Jetzt wird aus militärischen Kreisen zuverlässig bekannt, daß die deutsche 'Militärverwaltung bei der lieber tragung von Lieferungen gewünscht hat, die Tiere mögen durch den Halsschnitt nach Art des Schächtens getötet werden. Auf Grund von sorgfältigen Versnchen nnd nach Einholung zahlreicher fachmännischer Gutachten ist die Militärverwaltung zur Ueberzeuguug gelangt, daß die in den meisten Schlacht hänsern angewendeten Methoden die Haltbarkeit des geschlachteten Viehes beeinträchtigen und deshalb namentlich für die Herstellung von Konserven nicht zweckmäßig seien. Eine der Schächtmethode ähnliche Handhabung dagegen märe wesentlich vorteilhafter, ohne daß die Interessen der Humanität in irgend einer Weise geschädigt würden. Da nun die Haltbarkeit die Vorbedingung für eine gute Fleischversorgung der Truppen ist, so wünscht die Militärverwaltung, daß in diesem Sitme eine zweckmäßige Methode angewendet werde, die auch in den großen Konsenvensabriken der Armee demnächst zur Anwendung kommen soll. — Die „Deutsche Wacht" in Dresden hat die Stirn die erhebende Nachricht aus Gailin gen, wo jüngst 34 im Feldzuge 1870'71 gefallenen Kriegern — 17 Katholiken und 17 Juden — ein gemeinsames Denkmal gesetzt wurde, zu bespötteln und die Wahrheit der Nachricht zu bezweifeln. Wir lassen darum die 'Namen der 17 jüdischen Krieger — die der katholischen dürseir in diesem Blatte sortbleiben — folgen. Sie lanten: Hermann Brandenburger, Isidor Erlanger. Jacob Guggenheim, Simon Guggenheim, Heinrich Harburger, Leopold Jung, Josef Kurz, Maximilian Kurz, Max Moos, Ludw. Rothschild, (Präsid.), Mar Ullmaitu, 86n., Gersou Wolf, Leopold Weil, Wilhelm Hasgall, Simon Joses Kurz, Elias Sax, Simon Max K urz. — In Frei bürg in Br. hat sich eine orthodore S e p a r a t g e nt ei n b e gebildet. Daß orthodoxe Mitglieder bester thuit, in der Gemeinde zu bleiben, um den jüdischen Geist wieder ansachen zuhelsen und zwecklosen Reformen zu wehren, — zu dieser Einsicht scheint man sich in beteiligten Kreisen noch immer nicht durchgerungen zu haben. Doch geht uns die Sache im Grunde nichts an. 'Wir wollten blos gegen den Jubel protestieren, der in einem orthodoxen Blatte ob dieses „Sieges" ertönt ist. Zersplitterung Ut Schwächung und führt nimmer zum Siege. — Eine von privater Seite aus Grund amtlicher Duellen vor einigen Tagen angestellte statistische Untersuchung über die Einkommenverhältnisse der jüdischen Einwohner der Stadt Köln ergab folgendes, für den Sachkenner freilich

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