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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-08-30 · 35 (30.8.1895) · p. Seite 563

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
35 (30.8.1895)
Date
1895-08-30
Page
Seite 563 (sequence 11)
Language
German
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i t Nr. 35. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 563. „Gott, mein Gott!" rief Josef, „Du bist es!" „Ich bin es, Pater! Ich kehre reuevoll auf immer zu Dir und zu unserem unverschuldet geschmähten Stamme zurück. Verzeihe mir, Vater!" — Josef drehte sie gegen das Licht, dann drückte er sie au seine Brust. „Du also kehrst zu mir zurück; richte nur Deinen Kops empor, daß ich Dich anschaue. Du bist also mein Kind." Den Kopf an die Brust des Vaters schmiegend, antwortete Klara nur mit Schluchzen auf diese Kundgebungen der väterlichen Gefühle. „Verzeihe mir, Vater, die Leiden, welche ich Dir verursacht habe," stotterte sie schließlich unter Thränen hervor. „Ich habe viel gelitten," sagte er, „schau mich an, ich ivar sehr elend, sehr unglücklich, aber jetzt kehrst Du wieder zu mir zurück, während ich dachte, ins Grab hinabzusteigcn, ohne Dich, mein Kind, nur gesehen zu haben . ." „Vater!" Ir: diesem Momente erschien zwischen Vater und Tochter eine neue Gestalt. Klara erkannte unter Erstaunen — Jakob. „Du hast uns so plötzlich verlassen," sagte er, die Szene erratend. „Ich ward unruhig, reiste Deiner Fährte nach, und aus Neugierde geriet ich in den Gerichtssaal hinein. Herr Zwiebel," begann er herzlich, und warb formell um Klara's Hand. Josef, betäubt und glücklich, versprach und widersprach nicht. „Ich habe sie noch gar nicht recht betrachtet," sagte er, „und Sie wollen sie mir schon wegnehmen?" „Ja, so ist es," und Jakob drückte warm Klaras Hand. „Du verachtest mich also nicht?" flüsterte sie leise. „Klara, Helene! Thue mir mit solch einer Frage kein llnrecht! Achtung und herzliche Zuneigung werden die Grundlagen unseres Glückes sein. Wir sind kein Paar Roman- Liebhaber, sondern ein Paar Arbeiter, die Hand in Hand dnrch's Leben zu gehen wünschen, seine heiligen Ausgaben gemeinschaftlich erfüllend. Zusammen also: aus zur Arbeit, zum Leben! Wochen-(Lhronik. Berlin, 27. August. * Berliner Nachrichten. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüd. Schulmänner in Berlin" hielt am Dienstag Abend ihre Monatsversamnllung ab, die gut besucht war. Es wurden namentlich die vom Gemeindebund zum Zwecke der Gründung eines Lehrerbundes ausgestellten Leitsätze — der vorgerückten Zeit wegen nur bis $6 — beraten. .Die in § 4 enthaltene, viel besprochene Bestimmung, nach welcher zwei Mitglieder des Vorstandes ihren Wohnsitz in Berlin haben sollen, wurde auch von dem Berliner Lehrerverein einmütig abgelehnt. Dieser Beschluß wird sicherlich die israel. Lehrer Deutschlands aus naheliegenden Gründen interessieren. Ebenso ein anderer. Es wurde nämlich ferner beschlossen, daß die Vereinsmitglieder sich den am 7. und 8. Oktober hier anwesenden Delegierten des zu begründenden D. I. L. B. in jeder Weise, namentlich mit ihrer Lokaltenntnis zur Verfügung stellen sollen. Die Anwesenden erklärten sich ausnalnnsloS hierzu bereit. Sodann ist mitgeteilt worden, daß der Wirt des Vereinslokals, des Hotels „Münchener Hof" (Spandauersir. 11--13), sich “bereit erklärt hat, den Delegierten Wohnung und Verpflegung zu einem sehr müßigen Preise 511 gewähren. Ta es sich hierum eines der besten Holender Stadt^handelt, dessen Zuverlässigkeit inbezug aus Kaschruth über jeden Zweifel erhaben ist, so wird diese Bereitwilligkeit den Delegierten sicherlich willkommen sein. — Den Schluß des Abends bildete ein Fidelitas zu Ehren eines Mitgliedes, das den ersten Schritt gethan auf dem Wege, der unter die Haube führt, und eines scheidenden Mitgliedes, des Herrn Abraham, der sein Amt an dem Reichenheimschen Waisenhause aufgiebt, um die Prediger¬ und Religionslehrerstelle in Leobschütz zu übernehmen. Dieser gemütliche Teil des Abends wurde besonders durch den schönen Gesang des als Gast anwesenden ersten Kantors der Gemeinde Fürth, Herrn I. Lübeck gehoben — Der Gemeinde-Vorstand macht folgendes bekannt: „Aus Anlaß des 25. Jahrestages des Sieges bei Sedan findet am Sonntag, den 1. September d. Js., Vormittags 10 Uhr in der Synagoge Oranienburgerstraße 30 ein Festgottesdienst statt. Die Kriegsveteranen unserer Gemeinde aus den Jahren 1870/71 werden zur Teilnahme an diesem Gottesdienst hierdurch eingeladen und können Einlaßkarten zu den für sie reservierten Plätzen bis Freitag den 30. d. Mts. Nachm. 2 Uhr in der Registratur der Gemeinde, Oranienburgerstraße 29 II. in Empfang nehmen. Zu den nicht reservierten Plätzen steht, soweit der Raum reicht, jedem Mitgliede unserer Gemeinde der Zutritt frei. Die Jahres- und Eigentumskarten haben für diesen Festgottesdienst keine Giltigkeit." — Das gräßliche Elend, welches, wie Sie berichteten, verheerende Feuersbrünste über mehr als Dreißigtausend unserer russischen Brüder gebracht haben, muß jedem Menschenfreund ans Herz greifen und ihn zu thütiger Mitwirkung au der Linderung des grausigen Notstandes anspornen. Leider hat es den Anschein, als ob in diesem Falle der bewährte jüdische Opfersinn sich nicht in gewohntem Maße bethätige, was seinen Grund darin haben dürfte, daß die Kalamität in ihrem ganzen Umfange nur Wenigen bekannt geworden und daß heimische Bedürfnisse die Leistungsfähigkeit gerade jetzt überstark in Anspruch nehmen. Die traurige Thatsache, daß immer neue erschütternde Hiobsposten aus Rußland eintreffeu, muß aus Mittel sinuen lassen, wie Hilfsquellen geschafien werden können, ohne daß der Einzelne zu neuen Leistungen verpflichtet wird. Ich gestatte mir nur einen Vorschlag, dessen Ausführung sich bei früheren Gelegenheiten auf das Erfreulichste bewährt hat und, wie ich überzeugt bin, auch in diesem Falle schönen Erfolg haben wird. Dieser Vorschlag geht dahin, daß an einem bestimmten Sabbat in sämtlichen jüdischen Gemeinden die beim Ausruf zur Thora votierten Spenden für die Abgebrannten bestimmt werden. Es bedeutet das für die Gemeinden und ihre Wohlthätigkeitsvereine einen kaum nennenswerten Ausfall, der ja eventuell auch sreudigst getragen werden würde; es bedeutet ferner für den einzelnen ein leicht zu tragendes Opfer, während das Ergebnis sich sicherlich zu einein namhaften Betrage summieren würde, zumal wenn in Anbetracht des ganz außerordentlichen Zweckes entsprechend größere Spenden bewilligt oder vom Vorstande festgesetzt würden, und wenn noch dazu in allen denjenigen Gemeinden, in welchen die Alijoth verkauft lajiuiij; ich gestatte mir deshalb den ferneren Vorschlag, daß ^abbat der 31. d. Ri. zur Ausführung gewählt wird. Soll dies geschehen, so ist Vorbedingung, daß sämtliche jüdischen Blätter dieser meiner Anregung Ausnahme gewähren und \

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