Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 35 (30.8.1895)
- Date
- 1895-08-30
- Page
- Seite 556 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 556. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 35. Mann auch zu zählen haben werden. Es erübrigt nur noch, daß Herr Mann für. alle Fälle den Befähigungsnachweis erbringt, daß seine Vorfahren thatsächlich mit Bärenhäuten, Met und Pferdefleisch sich begnügt haben, denn wie ihn das Berliner Adreßbuch belehren wird, ist fein Name nicht über jeden Zweifel erhaben. Dr. M. Arrkti-ir. Nr. m er wir K es (teil Mich erfaßt mit Allgewalt, Tiefes Schlusses graufer Jammer — Bei dem Herrn von Hammcrstein Kain nun alles unter'» Hammer! Seine ganze Herrlichkeit Ach! — sie fiel in Staub und Asche, Alles, alles ging dahin, Selbst did. schöne Reisetasche. Jener eingestickte Gruß, Ter den Braven einst erfreute. War ein „billig" Lachobjekt Für verrohte Trödelleutc. Konfessionslos ganz und gar War es — jeder durste bieten! Friedlich konkurrierten da Antiteils, und teils Semiten. Auch Krawalle gab cs nicht. Alles schien sich zn vertragen — Mit dem „Hammer" ganz allein Wurde fleißig -- „zugcschlagen". Und es traf ein jeder Schlag Tröhncnd auf den Schild des Recken, Aus den Schild, mit dem er einst Es verstand, sich gut zn decken. Bon Julius Freund*). Mancher kurze Hammerschlag Schlug manch' langen Wahn in Splitter! Gar zerbrechlich war Tein Ruhm, Tn, mein hochgemuter Ritter! Rückwärts, rückwärts, edler Eid, Ging's in traurigen Etappen, — Dieser „Hammer der Auktion", Er gehört nicht in Tein Wappen- So verschwand denn Stück auf Stück, Langsam war das Heim zur Wildnis, Alles, alles ging dahin — Auch der „schönen Jüdin" Bildnis! Und man sprach: „Sein Motto war Immer „ora et labora“, Jetzt — als Schwärmer der Statur — Widmet er sich ganz der - Flora". Wcchselvoll und amüsant War die Reihe der Objekte, Die des Auktionators Tisch Reich als Trödelkram bedeckte. Mancher Kelch, d'rin einst der Sekt Animiert zn neuen Thaten, Wenn man der Agrarier Rot Wacker zechend dnrckberaten. Manch' Traktätchen, das im Volk Kam zu weitester Verbreitung, Mancher schön geheftete Band der kreuzgeschmückten Zeitung. Und aus schmntz'ger Ecke kam — Niemand wollte daran rühren — Ein enormes Konvolut Braver Jndenhetz-Broschüren. Horch! Der Leiter der Auktion Ruft zum Kauf, und fragend sieht er Alle seine Kunden an — Doch es meldet sich kein Bieter. Nur der Trödler Silberstein Blättert in dem Bücherhaufen, Juckt die Achseln und bemerkt: „Wer soll solche Ware kaufen? Aus die Stöße alt Papier Kann man zahlen nicht, noch pumpen, — (Wer auch die Verfasser sind) - Es sind Lumpen, nichts als Lumpen!" Ans ist's! Was so stolz begann, Ward mit Stumpf und Stiel zu nichte. Und ein klagendes: „Woßu?" Seufzt der Geist der Weltgeschichte. ) In der letzten Sonntagsnnmmer der Volkszeitnng. Nach rimnnl: Die fioiiptrienmij brr Mohlthiitigkkit in Lettin. Von geschätzter Seite erhalten wir folgende Zeilen: „Zentralstelle für jüdische Armenpflege!" Dies ist der Name des Jüngstgeborenen der Verwaltung der hiesigeit jüdischen Gemeinde, von dessen „Geburt" die Leser Ihres geschützten Blattes durch eine kurze Notiz vor einigen Wochen in Kenntnis gefetzt worden sind. Der Unkundige verrnutet sicher, daß das neue Institut den Zweck habe, von einer Stelle aus die Armut der Juden aus der Welt zu schaffen. Wie wird er daher enttäuscht sein, wenn er erfährt, daß die neue Einrichtung nichts weniger als „jüdisch" ist, daß sie gewissermaßen ein „Steckbriefamt" vorstellt, von dem aus alle begüterten Glaubensgenossen vor „Gewohnheitsbettlern" (!) geschützt werden sollen. Giebt es denn überhaupt jemanden, der zum Vergnügen bettelt? Wenn also ein in großer Not Befindlicher an die Mildthätigkeit mehrerer appelliert, so kann es ihm fortan, selbst wenn er ein „verschämter" Armer ist, leicht passieren, daß er durch das neue Institut, welches sich möglichst von allen llnterstützungen — privaten, wie öffentlichen — Kenntnis verschaffen soll, als Gewohnheitsbettler oder knrzweg als „Schnorrer" bezeichnet, daß mithin vor ihm gewarnt werde. — Wenn auch in dem heutigen Zeitalter selbst die jüdische Armenpflege einer gewissen Organisation bedarf, so darf man doch darin nie und nimmer so weit gehen, an die Stelle des traditionellen guten „jüdischen" Herzens, ,den kühlen Verstand setzen zu wollen. Der Arme bedarf nicht nur des Geldes, sondern vor allem des Mitgefühls. Man will mit der neuen Institution, deren Begründer nur wenig jüdisches Herz zu haben scheinen, nicht die Armut aus der Welt schaffen, sondern sich aus Grund der Auskünfte nach und nach von den immer lästiger werdeirden armen Glaubensgenossen lossagen, weil die Reichen sich nicht gerne an Not und Tod erinnern lassen. In dein Titel des neuen Instituts ist das Beiwort „jüdisch", das da, wo es sonst mit Barmherzigkeit und Mildthätigkeit verbunden wurde, ein epitheton ornans war, eine hohle Phrase, denn der wirkliche Jude unterstützt, wie schon oben gesagt nicht mit dem Verstände, sondern mit dem Herzen. Die Thatsache aber schon, daß die Neueinrichtung dieser Tradition entgegenarbeiten soll, hätte die Verwaltung der jüdischen Gerneinde gerade davon zurückhalten müssen, dieselbe unter ihr Protektorat zu nehmen. Die öffentliche Armenpflege mag nur dem Verstände folgen, die „jüdische" muß aber lediglich - nach wie vor — die Herzensregung als ausschlaggebend betrachten. Das alte Gesetz kannte die Vorschrift des „Maßer- Gebens" an Arme (l/10 vom Einkommen). Hierzu bediente man sich keiner Mittelperson, noch einer Zentralstelle für die Erkundigung, sondern jeder gab selbst, da die Freude am Selbstgeben einen hohen sittlichen Wert hat. Die neue Strömung, die aber nicht die bessere ist, will nun auch die Privatwohlthätigkeit organisieren und vornehmlich diesem Zwecke das neue Institut dienstbar machen. Jüdische Pnvatwohlthätigkeit wird sich jedoch nie an Gesetze binden. Jeder Jude sei und bleibe, wie unsere Väter es wäre», im Rahmen seines Könnens sein eigener Almosenier, er folge in Sachen der Wohlthätigkeit ausschließlich seinem Herzen - ruifiitf incrat feit zu nidu'ii und di legen, rat Ni er dies feit sie ■ . scheine i I man se j! zu ®in j stattet } sind. i ■j| * t Neichen Jeiveg, pustiz» sjuden Ä'uraw der letz' schuldig 0vunt)l No das d er auch denen ist. ministe: beleben wenn mehr i (ität nt mutidit nehmen. h>e Cta lemitsch. für den dische ä §r m mnjdfiri