Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 33 (16.8.1895)
- Date
- 1895-08-16
- Page
- Seite 533 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 33. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 533. it t ls r-!d:s i MG l StB}* 7 eit * | isa W j Äte j ifejB Sri Mi -fcirocrift itb ft Ire ui: i litte jt w i bift llg m iritbl* . Ic ■; itintb lltrc '; an bs!; rigate cilti» •ec L?:'■ cn» ■! K Dl bä« htiH :«i ■ 14» . r Je; ich» ic« *! 3 i< rit K C» . t ‘H 'P t> -• des gottgeweihten Lebens des großen Mannes, der Satan aber wollte Hand ans die sterblichen Uederreste legen, weil Moses einst im Zorn einen Egypter erschlagen. Da sprach Gott der Herr zn Michael, dem Erzengel, das entscheidende Wort: Wohl hat Moses im Grimme einen Egypter getötet, allein die 'Wagschale seiner guten' Tliaten wiegt schwerer; drunr gehe du hinab und bestehe den Kampf mit dem Bösen und führe den Leichnam her in meinen Schoß. Und der Erzengel stieg zur Erde nieder und that, wie der Herr ihm geboten." Was der junge (belehrte in jener Vorlesung über Mosis Ende berichtete, machte einen lebhaften Eindruck auf den jungen Künstler. Bereits während der Vorlesung reiste bei ilnn der Entschluß, jene Szene zum Vorwurf eines Gemäldes zu nehmen, auf dem Heimwege gewann es in seiner Phantasie festere Gestaltung, und. noch in derselben 'Nacht zeichnete er zunächst aus einem kleinen Karton, wie er ihn gerade zur Hand hatte, die Umrisse des Bildes hin. Aus dieser Skizze ist ein 'Meisterwerk geworden, das in der deutschen Kunst stets mit Ehren genannt werden wird. * War König Saul nervenkrank? Diese Frage ist schon verschiedentlich aufgeworfen worden, in Hinsicht auf die Thatsache, daß dieser König in der Schlacht von Gilboa, um nicht in die Hände der Philister zu fallen, sich selbst mit seinem Degen durchbohrte. Der bekannte Forschungsreisende Dieulafoy trat am vorletzten Sonntag in einer der Akademie der Inschriften unterbreiteten Arbeit für die Bejahung dieser Frage ein. Seiner Meinung nach war Saul ein Prophet im wahren Sinne des Wortes, kein hervorragender Geist, aber eine sehr stolze Seele. Saul und die Propheten waren in der That nervenleidend, bei denen die Neurose den Charakter jener Hysterie-Epidemien annahm, von denen sich in jedem Jahrhundert in gewissen Zwischenräumen Beispiele finden. Dieulafoy weist an der Hand der Bibel nach, daß zur Zeit Samuels die Hysterie in ansteckender Forin unter den Juden herrschte. Sie war übrigens bereits-abgeschwächt und die Folge einer religiösen Ueberreizung und einer seelischen und moralischen Depression, die durch die Seuchen und die langen Entbehrungen verursacht war. Die den Krisen Sauls besonders gewidmeten Verse bestätigen die Schlüsse. Wir bemerken da der Reihe nach die Einweihung des Monarchen in die Bräuche des Prophetentums, seine durch Harfenklänge beruhigten Wutansälle, seine seltsame Haltung nach dem Tode Goliaths, seinen hartnäckigen Wunsch, zuerst David und dann seinen ältesten Sohn Jonathan zu töten, und schließlich die Verurteilung und das Hinschlachten der Leviter von Nod. Das sind alles Kennzeichen des dämonischen Wahnsinns, der auch besonders durch die so seltsame und gut beschriebene- Ansteckungsszene gekennzeichnet wird, der _ die königlichen Sendlinge und Saul selbst erliegen. Diese Krankheit ist heute unter dem Namen Cystenodaemonopathie bekannt. Es geht aus diesen Festsetzungen hervor, daß Saul zuerst kurzen Krisen in langen Zwischenräumen unterworfen war, daß das Nebel im Lause der Zeit sich verschärfte und der König schließlich die Verantwortlichkeit für seine Handlungen verlor. Die Gestalt Davids nimmt dadurch eine besondere Größe an, indem er im Kampfe gegen einen unzurechnungsfähigen König alle seine Intelligenz und Charakterstärke ausbieten mußte, um sein Volk vor Unheil zu bewahren. Es wird dadurch auch bewiesen, wie aufrichtig die Bibel seinem König gegenüber ist, dessen Nebel sie nicht verschweigt. Das giebt einen neuen Beweis für den historischen Wert, den das Buch der Bücher besitzt. B. B.-C. Wer hat den „Wechsel" erfunden? lieber diese gewiß interessante Frage schreibt Leopold Löw in den Beiträgen zur jüdischen Altertumskunde 1. B., 2. L., S. 3.o: Schriftsteller des siebzehnten Jahrhunderts, wie Blaivac, Mar berger und Savary, denen Schudt folgt, führen diese Erfindung aus die Juden zurück. Aus Frankreich, so heißt es, vertrieben, sahen sich die Inden genötigt, ihr Vermögen daselbst in den Händen ihrer Freunde zurückzulassen. Um dasselbe aus Frankreich zu ziehen, schrieben sie Anweisungen, die reisende Kaufleute an Ort und Stelle abgaben, um die bezügliche Summe zu erheben. Dieses Vorgehen soll zur Erfindung der Wechsel geführt haben. Da die Juden zn wiederholten Malen aus Frankreich vertrieben wurden — unter Philipp August im Jahre UM, unter. Philipp dein Schönen 1306 — so lautet die Nachricht schon in chronologischer Rücksicht zu unbestimmt, um aus die geschichtliche Glaubwürdigkeit Anspruch zu machen. Nichtsdestoweniger hat ihr Montesquieu Glauben geschenkt, und ist sie noch in neuester Zeit in jüdischen Zeitschriften wiederholt worden. Aber selbst diejenigen, welche den Juden die Erfindung der Wechsel absprechen, haben es unterlassen, sich auf die jüdische Litteratur zu berufen. Und doch ist es gerade ans dieser Quelle klar zu ersehen, daß es eine reine Erfindung ist, die den Juden die Erfindung der Wechsel zuschreibt. Wären die Wechsel zuerst von Juden ausgegangen, so hätten sie in der mittelalterlichen jüdischen Rechtslitteratur, namentlich in den zahlreichen Gutachten, Erwähnung gefunden. Run find es aber Rabbiner des sechzehnten Jahrhunderts, wie 'Mose di Trani, Samuel di Medina, Isaak Adarbi, Samuel Chajjun und andere, die zuerst der eigentlichen Wechsel gedenken. In ihren Schriften werden die Wechsel mit dem italienischen Namen lettre di cambio bezeichnet und mit Ausdrücken übersetzt, die dom jüdischen Schrifttum des 'Mittelalters fremd sind, weil ihm auch die bezeichnete Sache fremd war. Die Uebersetzung beweist, daß die Juden den Gebrauch der Wechsel von den Italienern gelernt haben. Der lebhafte Verkehr Venedigs mit dem Oriente gab auch den orientalischen Inden Gelegenheit genug, die lettere di cambio kennen und gebrauchen zu lernen. „Freies Blatt". *Die Mesuffah. Im jerusal. Talmud Traktat Peah, wird folgende interessante Geschichte erzählt. Artaban sandte dem Rabbi Jehuda Ha-Rasi eine Perle von unschätzbarem Werte und wünschte etwas eben so kostbares von ihm als Gegengeschenk. Da sandte ihm der Rabbi eine Mesussah. Da ließ ihm jener sagen: „Ich habe Dir einen Gegenstand geschickt, der nicht zu schätzen ist, und Du sendest mir einen Gegenstand, der nur wenig kostet!" Da erwiderte der Rabbi: „Meine und Deine Kostbarkeiten kommen ihr nicht gleich. Und nicht blos das. Du hast mir einen Gegenstand geschickt, den ich hüten muß, und ich sandte Dir einen, der Dich behütet, wenn Du schläfst; denn so heißt es: Wenn Du gehst, leitet sie Dich, wenn Du Dich niederlegst, behütet sie Dich." — Der fromme Rabbi, der den Beinamen „der Heilige" führte, wollte diesen Heiden ans eine feine Art belehren, welch geringen Wert die Erdenschätze haben,, da sie eitel und vergänglich siud und dein Menschen geraubt werden können, welch' hohen Wert dagegen die Lehre des Herrn, die uns die Anweisung giebt zu einem frommen und glücklichen Leben, und deren Befolgung uns die Liebe Gottes und seinen Beistand ^sichert. Und deshalb sandte der Rabbi ihm eine Mesussah, weil darin die Stellen der Thora verzeichnet sind, welche die Einheit Gottes lehren und die Liebe zu Gott uns zur Pflicht machen. Und wer Gott den Heiligen liebt, der