Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 33 (16.8.1895)
- Date
- 1895-08-16
- Page
- Seite 532 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 532. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 33. Juden die Sabbatfeier mit einem, von einem, nachher Bischof gewordenen Apostaten verfaßten .Liede ein. * Pleftner's Schriften. Im April 1897 kehrt der 100. Geburtstag des bekannten, 1883 zu Posen verstorbenen Predigers Salomon Pleßner wieder. Der Sohn dev Verewigten, Nabbiner Dr. Elias Pleßner in Dstrowo ist jetzt bereits an der Arbeit, zu diesem denkwürdigen Tage verschiedenes ans dem überreichen literarischen Nachlasse seines Vaters erscheinen zu lassen. Unter andern: soll die Uebersetzung und Kommentierung des Propheten Nahnm, den Pleßner im Jahre 1859 in seinen „Psalmen-Uebersetzungen" als Beitrag zu Psalm 18 lieferte, veröffentlicht werden. Außerdem eine Fülle von Anmerkungen zu dem Buche Sirach, zur Mischna, zu den AgadaS beider Talmuden, den Midraschim: „Rabba", „Lchochar Tob" und „Jalkut". Die „Pirke de Rabbi Elieser", zur „Mechilta", zum „Sisra, „Sisri" und zur „Peffkta". Ein Enkel PleßnerS, Dr. Hartwig Hirschfeld, Professor am Montefiorc-Collcge zu RnmSgate, liefert die Biographie des Verklärten, so daß dem Leser von und über Salomon Pleßner Hochinteressantes und Lehrreiches geboten werden wird. * n Eine rumänische Reminiszenz. In dem soeben erschienenen zweiten Band des Werkes „Ans dem Leben König Karl'S von Rumänien, Aufzeichnungen eines Augenzeugen", ist über die Verfolgung der Juden in Rumänien im Jahre 1872 folgendes enthalten: „Rumänien hatte im Frühjahre 1872 ganz Europa gegen sich, das unter dem peinlichen Eindrücke neuer Judenverfolgungen in Rumänien stand. Namentlich hatte es allgemein verstimmt und nicht am wenigsten den Fürsten Karl selber, daß das Schwurgericht in Buse,: „unschuldige Juden verurteilt, schuldige Ehristen aber sreigesprochen" hatte. Damals schrieb der alte Kaiser Wilhelm an seinen Verwandten, den Fürsten Karl, dem er ein väterlicher Freund war: „Wenn in den neuesten Ereignissen bei Dir die Schuld der Juden, nach Ausspruch Deines eigenen Gouvernements, gar nicht so groß war, als man anfänglich glaubte, und nun dennoch die harte Strafe erfolgt ist, so ist allerdings Gnade wohl angebracht und andererseits die nicht schnell und stark angewendete Reprimierung von Ausläufen und Judenverfolgungen zu bedauern. Dies macht natürlich im Auslande immer wieder den Eindruck, daß die inneren Zustände Rumäniens noch immer nicht fest geordnet sind." * Die sibirischen Juden reichten zu Anfang dieses Jahres eine Kollektivbittschrift bei dem Zaren ein, in der gebeten wurde, daß man ihnen wenigstens soweit Menschenrechte gewähre, als zum Fristen einer wenn auch kümrnerlichen Existenz notwendig sei. Sibirische Juden dürfen z. B. ihren Ansenthaltsort ans längere Zeit nicht verlassen, gewiß eine trostlose. Lage für die Kansleute, denen freie Bewegung eine Geschäftsbedingung ist. Jüdische Arbeiter dürfen aus Erwerb nicht ansgehen, sondern müssen in dem Dertchen ihrer Zugehörigkeit Arbeit finden, sonst können sie verhungern. Juden höherer Stünde ist auch die Möglichkeit genommen, von ihrem kurz bemessenen Aufenthaltsort in der Fremde ans ihre Legitimationspapiere vermittelst der Post in der heimatlichen Gemeinde zu erneuern. Bei sülchen Zuständen sind die Inden noch allerhand Plackereien ansgesetzt. Die einzige Hoffnung wurde daher ans die den: Zaren eingesandte Bittschrift gesetzt. Es heißt nun, der Zar habe die Bittschrift einer Kommission zur Prüfung übergeben und die Kommisston habe sich gegen die Bittschrift ausgesprochen; sie dürste also umsonst gewesen seil'. (Siehe auch den besonderen Artikel. Red.). Kier rrnö dorrt. — Herr cand. phil. Felix Coblenz hat für eine Arbeit über das Thema: ..Recht und Schranken der Behauptung, daß als da« betende Ich in den Psalmen nicht erst im gottesdienstlichen Gebrauch derselben, sondern schon nach der Absicht der Dichter die israelitische Gemeinde anzuschcn sei, sind am exegetischen Thatbestande darzuthun" — von der theologischen Fakultät der Berliner Universität denkönigl i ch e n P r e i s — eine große goldene Medaille — erhalten. Herr Eoblenz, beiläufig bemerkt, bis vor drei Jahren dem Lehrerstande augehörig, ist der erste Jude, der von der hiesigen theologischen Fakultät preisgekrönt wurde. Durch den städtischen Preis derselben Fakultät wurde stud. theol. Paul Cohan aus Bern für eine Studie über Hosen ausgezeichnet. Ten königlichen Preis der juristischen Fakultät gewann stud. jur. Michael P erg am enter aus Odessa und von den drei Preisen der medizinischen Fakultät fielen zwei an Juden und zwar an die Herren Richard Bernstein und Semi Meyer. — Personalie n. Bernsen: HH. S. B e r n st e i n von Czarnikau nach Graiidenz, — Dr. Kaa 6 von Berlin (Ahawas Reim) nach Zabrze, — I. Wolf von Jannowitz nach Labiau, — Chain, von Luckenwalde und In Witz von Schildberg nach Thorn, — Lasowski von Bomst nach Jannowitz, — Herr Kntz von Schwerseuz nach Borek, Herr A r n d t von Labisck)in an die Simnltanschule in Crone a. Br., - Hr. Glauberg von Düdelsheim nach Zwesten. — Am 15. vor- Monats feierte Herr Lehrer G o t t s ch a l l in Michelstadt sein 50jähriges Dicnstjiibiläum. -- Am Sabb. Chason verschied der srühcre Kantor der Gemeinde Emden, Herr de Haas, 89 Jahre alt. Ter Verstorbene hat NO Jahre lang in Emden amtiert. — In Pinne ist Hr. Kantor Lcbowiy, 46 Jahre alt, verstorben. — 9?ei,este Cigarrenmarke. A.: Sie rauchen wohl die Marke Ahlwardt? — B-: Warum das? — A.: Es will ja niemand neben Ihnen sitzen! — Der Streit zwischen den Fleischern und der jüd. Gemeinde in W o l d e n b u r g ist noch immer nicht beendet, und letztere bezieht nach wie vor ihren Bedarf an Fleisch von außerhalb. — Rach dem dieser Tage erfolgten Wegzuge des Kultusbeamtett Herrn Cohn drang eine Anzahl Knaben in die verlassene Dienstwohnung desselben ein, zerschlug die Fenster und verunreinigte das Zimmer in ordinärster Weise. Ter Polizei gelang cs indes sogleich, sämtliche Uebclthäter sogleich zu ermitteln. -- Tie ..Badische Landesztg." meldet, daß sich in Heidelberg vor einiger Zeit eine farbentragendc jüdische Verbindung aufgethan hat. — In das französische Zentral-Konsistorium rst der Brigndc- Artillerie-General Abraham als Vertreter von Konstantine eingetrctcu. In derselben jüdischen Behörde sitzt auch der Brigade-General See als Vertreter von Paris. — Statistisches aus Rußland: Die Zahl der nach Sibirien verschickten Personen betrug im Jahre 1894 II 500, davon 8831 Mitglieder der griechisch-katholischen Kirche, 1224 Mohammedaner, 510 Juden, 506 Katholiken, 235 Lutheraner. 119 Sektierer, 50 Anhänger des Lamai'smus, 35 Armenier-Gregorianer, 30 Skopzen und 1 Heide. —■ Zur Zeit sind in Rußland 554 weibliäie Aerzte, von denen 33 au jüdischen Krankenhäusern thütig sind- Zumeist sind es Jüdinnen. _ — Baron M en a sch e in Alexandrien hat ein Areal von 45M Pietern Helouan zur Erbauung einer protestantischen Kirche zur Verfügung gestellt und 1000 Mark für die Armen der protestantischen Gemeinde gespendet. — Was hat der Herr Baron schon für sein c Oilaubensgenossen gethan? £oft Klättcr. — Ein Bild. Im Kölner Museum befindet sich das berühmte große Gemälde von Professor B. Plockhorst in Berlin, den Kamps des Erzengels Michael mit dem Satan um die Leiche Mosis darstellend. Das viel bewunderte Werk hat eine recht interessante Entstehungsgeschichte, über die das Mühlheimer „Gemeindeblatt" folgendes mitteiien kann. Es war in der zweiten Hälfte der Fünfziger-Jahre, als Plockhorst eines Abends in Berlin einen: Vortrage beiwohnte, den ein junger Gelehrter über den Talmud hielt. Der Redner sprach auch von Moses und dessen: Tod. „Moses war 120 Jahre alt geworden, da neigte er das Haupt zu sterben. Und als er die Augen geschloffen, erhob sich ein Streit zwischen den guten und bösen Geistern um seine Leiche: Jene beanspruchten sie* für das Reich der Seligen, wegen der Tugenden und