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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-08-16 · 33 (16.8.1895) · p. Seite 527

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
33 (16.8.1895)
Date
1895-08-16
Page
Seite 527 (sequence 7)
Language
German
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flr. 88 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite f>27. (Grundsatz, nmo andere Religionen darüder lehren, und Ihr werdet finden, daß diese dahndrechende Entdeckung denl Genie des Judentums zu verdanken ist, durch die unsterblichen Propheten." Rabbiner Adolph Moses hielt die Konferenz-Predigt, die sich durch Jdeen-Reichlum und Gediegenheit der Anschauung auszeichnete. Erschloß ungefähr mit folgenden Worten: „Religion muß zeigen, daß ohne die reale oder objektive Existenz Gottes, als der unendliche Grund und die Ursache alles deffpn, das besteht und vergeht, die Welt der endlichen Tinge, die Einheit, die Ordnung und Harmonie des Universums unbegreiflich wären. Tie'Religion muß den Beweis antreten, daß die zweckanstrebenden Entwicklungen und Thätigkeiten der Natur bemerkbar sind, ihre Erklärung blos in der wirkichen Existenz einer universalen, schaffenden Intelligenz finden. Die Religion muß es zum Ansdruck bringen, daß Bewußtsein oder die Tenkkrast ein neues Phänomen wäre, wofür keine Ursache ausfindbar ist, eine ganz fremde Anomalie in der Mitte der materiellen Welt, wenn wir nicht annehmen würden, daß das göttliche Ego, die Ursache der Ursachen, eine selbstbewußte Kraft sei, eine felbstbestimmende Intelligenz." — Das Resultat der viertägigen Sitzung war im ganzen ein negatives. Tie gegen Schluß vorgenommene Wahl ergab das folgende Resultat: Präsident: Tr. Isaae M. Wise; Bice-Präsident: Tr. G. Gottheil; Schatzmeister: Tr. S. Hecht; protokollierender Sekretär: Eharles E. Levi; korrespondierender Sekretär: Tr. David Philippson; Exekutiv Kommittee: die Rabbiner Mintzner, Leucht, Stolz, Rostar, Landsberg, Neid und Hirsch. ÄograpWe öauftfiitr. Bundesrat Dr. Schenk (gestorben am 18. Juli dieses Jahres). Herr Professor Lazarus schreibt uns aus Schönefeld bei Leipzig: Es dürfte Ihre Leser interessieren, von dem hohen Adel freier humaner Gesinnung Kenntnis zu gewinnen, welche den jüngst verstorbenen Herrn Tr. Carl Schenk, schweizerischen Bundesrat ausgezeichnet hat und fein Andenken auch in unserer Mitte zu einem gesegneten macht. Dr. Schenk, im 78. Jahre aus dem Leben geschieden, ist über dreißig Jahre Mitglied des Bundesrats und in demselben sechs Mal Präsident der Republik gewesen, nachdem er vorher an zehn Jahren der Berner Kantonalrcgierung angehört hatte. Bor seinem Eintritt in die politische Laufbahn war er gegen zehn Jahre amtierender Pfarrer. Jur Erinnerung an die jugendlichen theologischen Studien, welche beiden also gemeinsam war, hat ihm Schreiber dieser Zeilen seine Schrift über den Jeremias gesendet, und darauf nachfolgenden Brief von ihm erhalten. Zum Verständnis der Worte „in unserem kleinen Kreise" ist zu bemerken, daß dieser meist aus Staatsmännern und nur einigen wenigen Gelehrten bestand, die sich jeden Sonnabend Nachmittag aus etliche Stunden, reihum, zu freiem Gedankenaustausch versammelten und' zn dem auch ich fast die ganze Reihe von Jahren, während welcher ich Professor an der Universität zu Bern gewesen, gehörte. Ter Brief lautet: Bern, den 7. September 1894. Mein verehrter Herr und Freund! Tie gütige Zusendung Ihrer Schrift über den Propheten Jeremias hat mir große Freude gemacht; sie ist mir ein liebes Zeichen, dag Sie sich noch Ihrer alten Freunde in Bern erinnern, und daß Sie selbst noch frisch und unausgesetzt thätig sind. Wir haben während der letzten Jahre in unserem kleinen Kreise oft von Ihnen gesprochen und die Traurigkeit mitgefühlt, die sich Ihrer auch als Völkerpsycholog bei dem gräulichen antisemitischen Geheul hat bemächtigen müssen, auch mit warmer Sympathie manches gute und edle Wort gelesen, das während dieser Zeit von Ihnen gesprochen und geschrieben wurde. Jenes Gebühren falscher Propheten ist schon geeignet, einen zu den Füßen eines echten Propheten, eines hoch und edel und wahrhaft patriotisch gesinnten Jeremias zurückzuführen. — Seit Empfang habe ich die freien Abend- und Nachtstunden Ihrer prächtigeil Schrift gewidmet und daraus vielfache Belehrung uiit> tiefe Erbauung geschöpft, wofür ich Ihnen herzlichen Dank sage. Mit freundlichem Gruße Ihr stets hochachtungsvoll ergebener Schenk, B. R. — Josef Derenbourg lieber diesen an 28. vor. M. verstorbenen Gelehrteil schreibt Professor Ludwig Geiger: Josef Derenbourg war ein Mainzer nnd behielt zeitlebens das fröhliche Naturell des Rheinländers bei. Er war cm Mann von sprudelnder Lebhaftigkeit, der bis in sein höchstes Alter trotz mancher schwierigen Lebenserfahrungen, trotz körperlichen Gebrechen — er mar in den letzten Jahren beinahe erblindet — sich seiner Anteilnahme, Frische, Arbeitssreudigkeit und Lllst, für andere thätig zu sein, bewahrte. Er hatte jüdische Theologie hauptsächlich in Bonn studiert, wo sich am Anfang der Dreißiger-Jahre ein Verein gleichstehender Freunde zusammensand, die in der jüdischen Reformbewegung nnd in der Entwicklung der Wissenschaft des Judentums eine große Rolle gespielt haben. Derenbourg wollte, im Gegensatz zu den meisten seiner Genossen, nicht Rabbiner iverdeil, da aber seine Mittel nicht ausreichten und den Juden die Aussicht Lehrer, Dozent oder Bibliothekar zn werden, völlig verschlossen war, so ging Derenbourg ins Ausland. Mehrere Jahre lebte er als Hauslehrer in einem vornehmen Hanse in Amsterdam; als Schützling dieses Hauses, der mit seinen ehemaligen Schülern freundschaftliche Beziehungen unterhielt, kam er nach Paris. Auch dort war es nicht so leicht möglich, eine Anstellung zu finden. Zwar erlangte er eine kleine Beschäftigung an der Bibliothek, aber dies genügte nicht, um seinen, oder gar seiner Familie Unterhalt, die er in jungen Jahren begründete zu bestreiten. Daher errichtete er anfangs der Vierziger-Jahre ein Pensionat in Paris, das er durch seine Liebenswürdigkeit, Lehrbegabung und seinen eisernen Fleiß, nicht minder durch die Tüchtigkeit seiner ausgezeichneten Gattin rasch zu großer Blüte brachte. Er erwarb sich in dieser Stellung etwa während eines Vierteljahrhunderts ein Vermögen, von dessen Zinsen er die letzten 80 Jahre seines Lebens behaglich leben konnte. Und nun folgt eine Wandlung, die fast nicht ihres Gleichen hat. Der ehemalige Hauslehrer und Pensionsinhaber, der nur den wenigsten seiner Fachgenüssen bekannt war, reichte der französischen Akademie ein Werk über die Geographie Palästinas ein (1807), das einen großen Preis erhielt und den Namen des Verfassers allgemein bekannt machte. Denn es war ein Werk aus einem Guß, lebhaft und verständlich geschrieben, von großer Anschaulichkeit und zugleich mit voller Beherrschung des weit ausgedehnten gelehrten Gebietes. Derenbourg wurde nicht

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