Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 33 (16.8.1895)
- Date
- 1895-08-16
- Page
- Seite 523 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 33. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 523. 2. Die Arbeiten dürfen nicht mehr wie 800 Druckzeilen umfassen und müssen leserlich geschrieben sein. 3. Sämtliche eingehenden Arbeiten sind Eigentum der Redaktion und gelangen je nach Beurteilung nach und nach in unserem Blatte ohne Anspruch auf Honorar zum Abdruck. Die preisgekrönten Arbeiten werden zunächst veröffentlicht. 4. Jeder Zusendung ist eine Zehnpfennig-Briefmarke beizufügen. 5. Jeder Zusendung ist die letzte Abonnements-Quittung beizufügen. 0. Jeder Einsender erklärt durch seine Zusendung sein Einverständnis mit vorstehenden Bestimmungen. Folgende 3 Preise sind ausgesetzt: 1. 10 Mark bar. 2. Ein vollständiges Exemplar „Volksrecht" gebunden. 3. 10 Agitationsschriften und 6 Novellen. Wir bitten unsere verehrten Leserinnen und Leser, sich recht zahlreich an diesem Wettbewerb beteiligen zu wollen. Mit freideutschem Gruß Redaktion des „Deutschen Volksrecht." Heißt e Geschäft! Gelingt der Plan des Herrn Böckel, so gehen eine Anzahl von Original-Novellen, -Erzählungen -Reisebriefen, -Plaudereien, -Skizzen usw. ein. Sämtlich in einer Ausdehnung bis zu 800 Druckzeilen. Das „Deutsche Volksrecht" erwirbt also einen ordentlichen Stapel Manuskripte. Und was kosten ihm diese Manuskripte? „Anspruch auf Honorar" giebt es nicht, wie es ausdrücklich unter Bedingung 3 heißt. Kommen also nur die Preise in Betracht. Der erste beträgt 10 Mark! Pyramidal! Der zweite besteht in Maku; latur. Ter dritte desgleichen. Selbst der Buchwert dieser beiden Preise — reeller Wert ist nur mit dem Mikroskop sestzustellen — dürfte sich auf höchstens 6 Dlark belaufen, da das „Deutsche Volksrecht" erst seit dem 1. April 1895 erscheint. Für eine Gesamtausgabe von 10—16 Mark hoffen also die Herren Böckel und Ahlwardt zehntausende von Druckzeilen „Originalmanuskript" zu erwerben. Doch nein! So hoch beläuft sich ihre Ausgabe gar nicht einmal. Jeder Zusendung ist ja laut Bedingung 4 eine 10 Pfennig-Marke beizusügen. Von der Rücksendung der Manuskripte ist nicht die Rede. Die beigefügten 10 Pfennig-Marken sind also barer Verdienst der Herren Redakteure, sozusagen das Eintrittsgeld zum „Deutschen Volksrecht." Nun, aufs Entreenehmen hat sich ja Herr Ahlwardt immer ausgezeichnet verstanden. Beteiligen sich recht viele Leser des „Deutschen Volksrechts" an der ungermanischen Preisbewerbung, so wird der Ertrag so ziemlich derselbe sein, wie bei einer mäßig «besuchten Volksversammlung. Schließlich ist's ja auch einerlei, wie die Anhänger der Ahlwardt und Böckel ihr Geld loswerden, ob durch den Besuch der Versammlungen ihrer „Führer", oder Mitarbeit an ihrem Parteiorgan. Das Einkassieren von 10 Pfennig-Marken scheint Spezialität der Redakteure des „Deutschen Volksrechts" zu sein. Wenigstens lesen wir an einer anderen Stelle derselben Nummer: „Wir wollen von jetzt ab jeden Sonntag einige Preisrätsel in unserer Zeitung bringen. Jeder Einsender von richtigen Lösungen uinliut an der Verlosung der 5 Preise teil. Als Preise sind gute Agitationsschriften ausgemählt. Die Lösungen müssen bis Freitag Mittag mit beigeschlosseuener 10 Pfennig-Marke in unserem Besitze sein. Quittung über richtig eingesandte Lösungen und über die Gewinner wird in der Sonnabend-Nummer gebracht." Wir möchten wohl wissen, wie die Herren Ahlwardt, Böckel und Bodeck es nennen würden, wenn eine jüdische Zeitung sich in ähnlicher Weise auf die Ausbeutung ihrer Leser durch Verlockung zur Einsendung von Gratismanuskripten und 10-Pfg.-Marken verlegen würde." — So weit das Stöcker'sche „Volk." Das brave Blatt hat ja so recht! Aber es scheint seine antisemitischen Kollegen von der Zunft sehr schlecht zu kennen, sonst würde es sich über jenen iu der deutschen Journalistik allerdings bisher unerhörten Tric nicht so außerordentlich entrüsten! Wer, wie namentlich Herr Ahlwardt die Kunst des Anpumpens zu einer Höhe gebracht hat, um die ihn selbst ein Herr vom Hammerstein beneiden könnte, der schlnckt schließlich auch, wie der Teufel in der Not Fliegen, Zehnpsennigmarken. Und wer, wie das „Volk" über den verflossenen Kreuzzeitungsredakteur, der einen Pensionsfonds von inehr als Hunderttausend verschwinden ließ, so milde geurteilt, der braucht sich auch nicht aufzurcgen, wenn kleine Geister, wie Ahlwardt, Böckel und Genossen in ihrem Dalles mit Zehnpfennnigmarken sich begnügen. Die PenfiMate in örrlin. Von Bar Min an. (Schluß). Nehmen wir immer den glücklichsten Fall, daß der Betreffende schon in den ersten Monaten das ganze Pensionat mit zahlungsfähigen jungen Leuten besetzt hat und sogar zu den 8 Pensionären noch 10 tägliche Tischgäste hat, so stellt sich die Einnahme folgendermaßen: Ein Pensionär zahlt durchschnittlich den Höchstbetrag von 50 Mk., 8 solcher. 400 Mk. Zehn Tischgäste pro Mittag 75 Pf. 225 „ Monatsertrag zusammen 625 Mk. Die Ausgaben betragen nach jahrelanger persönlicher Erfahrung pro Pensionär und Tag für Kaffee, Frühstück, Alltag, Vesper und Abendbrot 1,50, pro Monat . 360 Mk. Mittagessen pro Person 40 Pf., „ „ . . 120 „ Miete pro Monat.125 „ Abzahlung für Möbel.25 „ Dienstmädchen und Steuern.25 „ 655 Alk. Wir nehmen nun an, daß die ganze Familie, gleichviel, aus wieviel Personen sie besteht, in dem Preise für die Verpflegung der 18 Personen miteinbegriffen ist, so bleibt (wo? Red.) für die große Wäsche, Kleidung, Schulgeld und außerordentliche Ausgaben für Arzt rc. ein Plus von 30 Mk. Thatsächlich aber stellt sich die Rechnung weit ungünstiger, denn erstens finden sich 8 Pensionäre erst im Laufe von ebenso vielen Monaten, und sodann gehen einzelne, z. B. Studenten, die nur 5—6 Monate hier wohnen, oder Kommis, die gelegentlich in einer entfernteren Stadtgegend ihre Stellung verändern, ab, und selten vergeht ein Monat ohne ein Manko yon 100—150 Mk. Dieses Manko wird nicht sofort gemerkt, denn zunächst erhalten die Lieferanten weniger. Sämtliche Verbrauchsmittel werden natürlich auf Monatsrechnung entnommen: Fleisch, Gemüse, Geflügel, Backwaren u. s. w., und diese Artikel werden anfangs ebenso gern auf Kredit gegeben wie die Alöbel. Solange die Rechnungen