Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 31 (2.8.1895)
- Date
- 1895-08-02
- Page
- Seite 501 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 501. auf eine augeblich bestehende Instruktion der Zeutral-Administration, die aber, wem: sie auch bestanden haben inag, jedenfalls schon außer Kraft gesetzt worden ist, wie thatsächlich der von Buenos Ayres gekommene Delegierte den Kotoniften das ihnen von ihrem Administrator bestrittene Recht zuerkannte. In der zu erlangenden Selbständigkeit liegt die Zukunft der Kolonien und nur unter dieser Bedingung kann das Kolonisationswerk zum Segen gereichen. * Seit einigen Tagen weilt in Petersburg eine (Gesandtschaft ans Äbessynien, die der Herrscher des Landes, Negns Menelik, geschickt, um das Zarenpaar zu begrüßen und ihm mehrere kostbare Geschenke zu überreichen. Die Herrscher Äthiopiens oder Abessyniens haben schon vor dreißig Jahren einen Orden gestiftet, den sie zur Ehre Phres angeblichen Ahnherrn, des großen Salomo „Chatham Snleiman" (nah? er,in — „Das Siegel Salomos") nannten, und der gewöhnlich nur an regierende Fürsten verliehen wird. Auch der Zar erhielt jetzt das Großband dieses Ordens, dessen mit Brillanten besetzter Stern die Devise trägt: „Es siegt der Löwe ans dem Stamme Inda." Zn dieser Gesandtschaft gehört auch der Bischofs von Harran, Gabrn (Dust Esiskiar, der den abessynischen Titel „Abuna" Oj’-N) führt, und der ganz so ivie die Priester im jerusalemitischen Tempel, weiß gekleidet geht. Da der Ritus in der abesspnischen Kirche ein halb jüdischer ist, so finden sich auch viele hebräische Ausdrücke in denlselben, so „Kedusch Heiliger," „Rialach" iEngel) „Kosten (Pfarrer)" re. In jeder Kirche giebt es zwölf Borsteher „Rassi" (2'L'Xi) genannt, welche die Namen: Renben, Simon, Levi, Inda rc. führen. Innere Angelegenheiten. * Berliner Nachrichten. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Geehrte Redaktion! Heute, am Tisch'a b' Aw begab ich mich nach dem Friedhose in Weißensee. Als ich dort an der Lothringstraße den Pserdebahnwagen verließ, bemerkte ich, daß 2 Gendarmen im Eilschritt vor mir dieselbe Straße hergingen. Da ich leidend bin und daher nicht imstande war den Gendarmen p folgen, kam ich an der Friedhofsmauer an, als sich der Menschenanslans schon zerteilte, sah aber noch, wie die Gendarmen zwei Frauen absührten. Die armen Frauen (um solche handelte es sich), namentlich die Jüngere weinte furchtbar und rang die Hände. Aus meine Erkundigung erfuhr ich, daß noch mehrere arme Frauen außerhalb der Friedhofsmauer standen, die alle abgesührt worden, weil sie das große Unrecht begingen, sich außerhalb der Mauer auszustellen, damit ihnen gutherzige Passanten etwas schenken möchten. Wären die Frauen innerhalb des Friedhofes gewesen, es würde ihnen nichts geschehen sein. Ich frage: Ist die Berliner Gerneinde wirklich so weit, daß sie diesen armen Leuten nicht gestatten kann, an solchen Tagen innerhalb der Mauer sich an einem dazu bestimmten Ort ausstellen zu dürfen, schon wegen des Ehillul haschenU Werden doch von den Beamten des Friedhofes das ganze Jahr hindurch innerhalb der Blauer Büchsen ausgestellt, damit ein jeder sein Bedürfnis zum Wohlthun befriedigen könne! _ ie * Der Kampf um die „Morenu". Anr 7. d. M. hielt die „Zentral-Kommission ftir die Interessen der Israeliten in den Niederlanden" in Amsterdam eine Versammlung ab, speziell um den Streit zwischen dem Oberrabbiner von R--Holland Dr. Dünner, Mieftor des israelitischen Seminars, und Dr. T. Lewenstein, bisher Rabbiner in Zabrze, Oberschlesien, der seinerzeit säst einstimmig zum Oberrabbiner von Friesland gewählt wurde, zu schlichten. Man wählte ihn, weil man meinte, daß Dr. L., der in Paramaribo von holländischen Eltern geboren, bis zu seinem 25. Lebensjahre in Holland wohnte, die Examina am 'Niederländischen Israelitischen Seminar in Amsterdam machte, die dortige Akademie besuchte, als Holländer anzusehen sei, trotzdem er viele Jahre in Deutschland wohnte, daselbst den Doktorgrad erwarb und das Morenu-Diplom erhielt. 'Run aber verlangt das Niederländische Israelitische Kultus-Reglement, daß Kandidaten der klassischen Litteratur, um das Morenu-Diplom zu erhalten, ihr Examen an einer der holländischen Akademien absolviert haben müssen, während für ausländische Kultus- Beamte, die für die 'Niederlande gewählt werden, eine Kommission von drei Oberrabbinern ernannt werden nruß, um die betreffenden Dokumente zu untersuchen. Nachdem nun die Professoren de Hartog, Oppenheim und I. Jitta erklärt haben, daß Dr. L. nicht mehr Holländer ist, und zwar seines langjährigen Aufenthalts in Deutschland wegen, auch in Deutschland naturalisiert zu werden versuchte und sich zum Rabbiner in Zabrze wählen ließ k., wurde eine Kommission ernannt, bestehend aus Dr. Dünner, Oberrabbiner von 'N.-Holland, T. Tal, Oberrabbiner im Haag und Dr. Ritter, Oberrabbiner in Rotterdam, um die Angelegenheit zu untersuchen. Bei der ersten Sitzung aber weigerte sich Dr. Dünner, das Morenu-Diplom nachzusehen, da nach seiner Ansicht Dr. L. Holländer sei. Herr Tal stimmte bei, während Dr. Ritter protestierte. Eine andere Kommission von drei anderen Oberrabbinern ließ sich nicht finden, so daß Professor de Hartog in der letzten Sitzung folgendes proponierte: Für den Fall, daß kein Nabbinats-Kollegium gebildet werden kann, oder dasselbe unterlägt, in dem vor der permanenten Kommission festgesetzten Termin das Morenu-Diplom zu untersuchen und darüber ein Urteil zu fällen, dann ist die permanente Kommission befugt, nachdein sie einen oder mehrere 'Niederländische Rabbiner konsultiert hat, eigenmächtig zn handeln. Diese Proposition wurde mit großer Majorität angenommen. * 8k. Ans Amerika. Aus dem Bericht des Rabbiner-Seminars (Hebrew Union College) in Eincinnati läßt sich die Wirksamkeit desselben seit seinem Bestände ersehen. Aus demselben gingen die folgenden Rabbiner hervor, welche Stellungen in den bedeutendsten Gemeinden des Landes einnehmen: Tr. Israel Aaron, Buffalo. N. A.; Dr. Henry Berkowitz, Philadelphia, Pa.; Rabbi Seymor G. Bottigheimer, Des Moines, Iowa; Rabbl Eduard N. Calisch, Richmond, Va.; Rabbi Hermann I. Clkan, San Antonio, Texas; Leo M. Franklin, Omaha, Rcbr.; William M. Friedman, Denver, Eol.; Aaron Friedman, Blinneapolis, Blinn.; Charles Fleischer (Zögling des Waisenhauses in Boston, Mast.: Moses I- Gries, Cleveland, O.; Alexander Geismar, Brooklyn, N. Samuel Greenfield, Pittsbnrg, Pa.; Dr- Louis Großmann, Detroit, Blich.; Dr. Rudolph Großmann, New- Bork City; Adolph Gutmachcr, Baltimore, Md-; Benned Grad, HarriSbnrg, Pa.; Max Heller, New Orleans, La.; Samuel Hirschberg, Boston, Blass.; Moses Pcrez Jacobson, Ponngstown, O.; Israel Joseph, Wilkcsbarre, Pa.: Dr. Joseph Lrauskopf, Philadelphia, Pa.; Charles Levi, Cincinnati, O.; Cliston H. Levy, Baltimore, Md.; Alexander Lyons, Tcrre Hante, In.; David Marx, Atlanta, Ga.; Jerusalem Moses, Port Gibson, Miss.; Jsac Marcuson, Blacon, Ga.; Blorris Newfield, Birmingham, Ala.; Dr. David Philipson, Cincinnati, O.; William Rosenau, Baltimorte Md.; Isidor Rosenthal, Lancaster, Pa.; Charles Rubenstein, Litte, Rock, Ark; Isaak L. Rypiers, Evansville, Jnd.; Tobias Schönfärber, Baltimore, Md.; Biarcus Salzman, Charlcston, W. L.; Dr. Joseph Silvermann, Rew-Pork; Joseph Stolz, Chicago, JllS.; Abraham Simon, Sacramento, Cal.; Max Wertheimcr, Tayton, O.