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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-08-02 · 31 (2.8.1895) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
31 (2.8.1895)
Date
1895-08-02
Page
Seite 497 (sequence 9)
Language
German
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Nr. Bl. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 41)7. seitigkeit entfaltet. Philosophie, (beschichte, Gesellschaftskunde, Noinanschreiberei, Dichtkunst, litterarische Kritik - alle diese Zweige der Kitteralnr finden in Mar Rordan einen Ausleger, der, ohne konventionell zn sein, stets verständig und manchmal sogar glänzend ist. Seine freunde sind so mannigfaltig wie seine Gefühle. Eines seiner Schauspiele: „Das Recht zn 'lieben", ist der Madame R'owikow gewidmet, die trotz der unsympathischen Haltung, die sie in ihren öffentlichen Aeußerungen über die Judenfrage annimmt, in ihrem privaten Verkehr keine Rassen- oder Glaubensnnterschiede macht und zu ihren eifrigsten Bewunderern viele bedeutende Juden zählt. — Rnr ein Ding vermissen wir in Sherard'S Biographie. Er erzählt uns viel über Herrn Nordau's Vater, der ein gelehrter Hebraist war, Verfasser einer hebräischen Sprachlehre, einer Uebersetznng (mit Kommentar) der Kirchenväter (?) und ein beständiger und geschätzter Mitarbeiter der „Bikkureh Haitim", aber er verschweigt den Namen des Gelehrten. Vielleicht wird es als Indiskretion angesehen, wenn wir den Schleier heben, der so lange die Persönlichkeit des Herrn Nordau verhüllte. Mar Nordnn's wirklicher Name ist Simon Südfeld,und er ist der Sohn von Gabriel Ben Qfer Ben Simcha Südfeld, dessen iwan r.iznm und D’msn hebräischen Gelehrten wohlbekannt sind. — s. Dit ZktMimg Icnifiilfiiiö. Sfi^c für unsere reife fugend. «ForlsepiiiNj uns Nr. 29 dieses Blattes.) Jerusalem hatte niemals einen so Hoheit Grad von Schönheit und Pracht und eine solche Festigkeit nach außen erlangt, als zur Feit, wo der nahe Untergang ihm bevorstand. Von drei festen Mauern war die Stadt umschlossen, wo nicht unersteigliche und abschüssige Punkte die Befestigung unnötig machten. Die Stadt selbst war auf zwei einander gegenüberliegenden Hügeln erbaut, die in der Mitte durch eine Thaleinsenkung getrennt waren, in welche die beiderseitigen Häuserreihen mündeten. Jerusalem zerfiel dadurch in mehrere Quartiere; von den Hügeln war derjenige, welcher das erste. Quartier, die prächtigen Gebäude der Oberstadt trug, der Zionsberg nütnlich, bei weitem höher und stärker als die übrigen, weshalb er auch schon von David zur Zitadelle Jerusalems ansersehen war; ein anderer Hügel, Akra genannt, aus welchem die untere Stadt geballt war, ward durch das sogenannte Käsemacherthal (Tyropoion), dessen wir oben schon Erwähnung gethan, von der Davids-Stadt getrennt; der Akra gegenüber lag ein dritter Hügel, welchen die Hasmonäer zur Zeit ihrer Regierung schoir mit dem Tempelberg durch das Ausfüllen des dazwischen liegenden ThaleS verbunden hatten. Die dreifachen Mauern, die von zivanzig Fuß breiten und ebenso hohen Türmen überragt wurden, zogen lieh fast llin die ganze Stadt, welche einen Umsang von mindestens einer deutschen Meile hatte. War nun die dritte, äußerste Mauer an und für sich schon wegen ihrer neunzig massiven Türme bewunderungswürdig, so ragte über alle der i,n Nordwesten der Mauer befindliche Eckturm, der Psephinos, in dessen 'Nähe Titus sein Kager ausgeschlagen hatte, hervor. Er war achteckig und seine Höhe betrug nach Josephus' Ucberliefernng achtzig Ellen; demselben gegenüber erhob sich noch ein ähnliches Bollwerk, der Hippikos, welchem noch zwei andere in der Nähe befindliche Türme an Stärke wenig nachgaben. kleben diesen ungeheuren Verteidignngswerken welche Jerusalem fast unüberwindlich erscheinen ließen, namentlich wenn wir die durch Schluchten und steile Felswände geschützteil Teile noch hinzunehinen — befand sich in der Stadt selbst nochmals eine starke Festung; es war nämlich auch der Tempel mit Ringmauern und Hallen ulngeben, die auf einem Unterbaue von dreihundert Ellen ruhten, wodurch jenem erhabenen Gebäude der größte Schutz gewährt werden sollte. Titus lagerte, wie wir bereits bemerkt, in der Nähe des Psephinos. Die Römer rüsteten sich zu einem furchtbaren Angriff; Bäunle wurden nmgehauen, Saaten zerstört, die ganze Umgebung Jerusalems einer Einöde gleich gemacht. Während die Kegionen an die Ausstellung der Belagerungswerke gingen, versuchte Titus eine Rekognoszierung der Mauern, wurde jedoch von einem Hausen jüdischer Krieger ans einem Hinterhalte überfallen und entging kauin der persönlichen Gefahr. Vor der Bestürmung der äußeren Mauer schickte er sodann den Geschichtschreiber Josephus, der heuchlerischer Weise zu den Römern übergegangen war, und dessen Freund Rikanor mit der Aufforderung an die Belagerten, die Stadt freiwillig zu übergeben. Ein Steinregen auf die Abgesandten war die Antwort. 9hm war es äußerste Zeit, zur Blockierung zu schreiten; die Sturmböcke werden aufgesahren, die Balusten, Katapulten und Skorpionen, jene furchtbaren Schleudermaschinen der alten Römer, in Gang gesetzt. Panischer Schrecken ergreift die Jilden in der unteren Stadt, welche imnler noch mit ihren Brüdern aus denl Zion in Feindschaft lebten, bei dem furchtbaren Geräusche und donnerähnlichen Krachen, mit welchem die Wurfgeschosse an die äußersten Mauern anprallen. Gerade diese Bestürzung aber machte jene zu tollkühnen Streitern; von Stunde zu Stunde beunruhigten sie die Römer durch ihre mutvollen Ausfälle, töteten viele derselben, steckten die Wurfmaschinen wiederholt in Brand oder nahmen solche zum eigenen Gebrauche mit auf die Mauern, sie gegen die Werke der Römer selbst kehrend. Allein trotz dieser ausgezeichneten Verteidigung und der ungeheuren Festigkeit der 9Rauern drangen und brachen die Römer durch. Da zündete wieder einmal ein Strahl besserer Einsicht bei den Belagerten; der Geist der Vereinigung siegte über die elendeit Parteiungen, und Johannes kam in die Unterstadt, den dortigen Brüdern beizustehen. Und nicht blos die Zeloten, sondern alle, die nur Waffen tragen konnten, nahmen teil mit Kampfe; selbst Frauen, wutentbrannt, ließen sich nicht abhalten, gegen die Römer in den Kampf zu ziehen, und die heilige Stadt zn verteidigen. Trotz dieses Heldeninutes aber vermochten die Juden hier nicht mehr zu widerstehen; man konnte die Wucht des römischen Angriffes nicht mehr abhalten, und die erste Mauer fiel in des Feindes Hand. Doch wurde dadurch der TodeSinnt der Juden nur noch mehr gesteigert. „Gott," sagten sie, „kann die heilige Stadt nicht zu Grunde gehen lassen!" Titus näherte sich sofort der zweiten Mauer, welche zu erobern voraussichtlich viel mehr Blut kosten mußte. Die Juden in der Verteidigung machten ungeheure Anstrengungen, aber ein gewaltiger eiserner Sturmbock brachte bald den Hauptturm auch dieses VerteidigungSwerkes zum Wanken, dennoch versuchten die Römer vergebens einzudringen; die Belagerten, anstatt den Mut zu verlieren, machten einen Ausfall und richteten ein furchtbares Blutbad unter den römischen gruppen an; die Feinde wurden genötigt, die zweite 9Nauer, welche von der Burg Antonia und dem Tempel aus der östlichen, von der Veste Herodes aus der westlichen Seite

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