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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-08-02 · 31 (2.8.1895) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
31 (2.8.1895)
Date
1895-08-02
Page
Seite 496 (sequence 8)
Language
German
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Seile 4M». Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. riebt, wurde aber freigesprochen. Die „Reue Freie'; Presse" schrieb damals: „Wenn der eine (von den beiden Duellanten, nämlich der Marquis Mores) Muskeln wie ein Athlet hat und der andere (nämlich Hanptmann Mayer) an Krämpfen im Anne leidet, so kann man dies nicht gut vorhersehen. Dann ist es eben schlimm für den Schwächeren. Es ist eigentümlich rührend, zu hören, wie dieser Hanptmann Mayer, der seinen geschwächten Arm täglich massieren lassen mußte, in der vollen Kenntnis seiner körperlichen Jnferiotät antrat, da er zu stolz war, sie mitzuteilen, und nach drei Sekunden erstochen wurde. Drei Sekunden! Also im Handumdrehen, aus den ersten Ausfall mit dieser „Eolichemarde", die für seine Hand zu schwer war. Das Los hatte das vom Marquis mitgebrachte, ungewöhnlich schwere Paar von Degen entschieden. Alan ist übrigens darin einig, daß Marquis Mores ebensowenig wie die vier Sekundanten die Duellregeln verletzten. Man ist ferner darin einig, daß der Marquis nicht die Gewohnheit habe, schwache Gegner für seine Klinge zu suchen. Alan kann in diesem Falle daher nur dem toten Hanptmann Mayer einen Vorwurf machen. Er beging den Fehler, der Schwächere zu sein. Aber diesen Fehler hat er redlich gebüßt." — — Soweit frei nach dem gen. Buche. Einen Kommentar zu den, beiläufig bemerkt, sehr unvollständigen Auszeichnungen Wiesingers, — der, wie es scheint, von den jüdisch-antisemitischen Duellen in Deutschland nichts weiß, — liefert einerseits ein Wort der heil. Schrift: „Sie mischten sich unter die Völker und lernten ihre Sitten", andererseits die wehmütige Klage Shylocks. „.Er hat mein Volk geschmäht, . . . meine freunde verleitet, meine Feinde gehetzt. Und was hat er gehabt für Grund? Ich bin ein In de. Hat nicht ein Jude . ■ . Leidenschaften? mit derselben Speise genährt, mit denselben Watten verletzt, denselben Krankheiten nnterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer wie ein Ehrist? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nichts Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nichts Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? lind wenn ihr uns beleidigt, fallen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir es euch auch darin gleichthun . . C, Kauükiiik. — Professor Lazarus ist vom Hebrow Union College in Cincinnati zum Doktor der Theologie ernanut worden. Die liebenswürdige Auszeichnung beantwortet Lazarus durch ein Schreiben, das wir hier fast vollständig wiedergeben. „Gern möchte ich Ihnen ausführlich darlegen, welchen Duellen und welcher Richtung meiner geistigen Thütigkeit ich es zu verdanken glaube, daß Sie die CSiüte gehabt haben, mir eine so besondere Ehre zu erweisen. Diejenigen, welche nur flüchtig meine innere Lebensarbeit betrachten, mögen erstaunt fein, mich zum Ooetou ob Divinity ernannt zu sehen. Vor Ihnen aber will ich gern, wie ich es in den letzten Jahren mehrfach öffentlich gethan, bekennen: ich bin nicht blos ein Psycholog und Völkerpsycholog und auch ein Jude; nicht ein Jude und auch Völkerpsycholog. Vielmehr ist es für mich, als Inden, der beglückendste Gedanke, man werde in der Zukunft, wenn die Völkerpsychologie zu einer gedeihlichen und einflußreichen Wissenschaft entwickelt sein tvird, anerkennen, daß der erste Anbau derselben mindestens persönlich aus dem Grunde des Judentums emporgespt offen; in Wahrheit aber auch die Ideen, die sie auszubilden strebt, aus den letzten und tiefsten Duellen des Judentums entspringen. In diesem sind seit sehr lauge und zuerst die Anschauungen heimisch, welche inich geleitet haben, das ganze Menschengeschlecht als eine Familie zu betrachten, als eine in ihrem Ursprung, aber noch viel mehr und noch viel höher in ihrem Ziele erkennbare Einheit anzusehen, die in allen Gliedern auf ihren Bestand und ihren Entwickelungsgang zu erforschen, zu den höchsten Aufgaben menschlicher Erkenntnis gehört. Nicht den äußeren Anlaß, aber den inneren Antrieb meines wissenschaftlichen Strebens und speziell der Grundlegung der Völkerpsychologie glaube ich dem Judentum, als dem Nährboden meines geistigen Lebens zu verdanken; sicher aber weiß ich auch, gerade durch die psychologische Betrachtung der Geschichte, der ursprünglichen Mannigfaltigkeit und des fortschreitenden Aufschwung der Völker, und durch ihre Vergleichung ünnrer Heller und immer bewußter ein Bekenner des Judentums geworden zu fein; seinen ethisch-religiösen Gehalt und seine nie rastende Entwickelung habe ich in den Thatsachen der Vergangenheit und in den Hoffnungen und Bestrebungen für die Zukunft immer mehr frei zu erforschen und immer mehr treu zu bekennen gelernt. Wenn es deshalb mir seinerzeit die größte Genugthuung bereitet hat, daß der berühmte zeitgenössische Kirchenhistoriker der evangelischen Theologie in Jena, Dr. Rippold, in seinem „Handbuch der neuesten Kirchengeschichte", in welchem er mit solcher GeisteSsreiheit auch die Bewegungen im Judentum der historischen Beobachtung unterwirft, daß also der Fernstehende in voller Unbefangenheit iDir — noch vor dem Erscheinen meiner Schrift über den Jeremias — mein Arbeitsgebiet als eine „Erscheinung der jüdischen Forschung, welche am meisten typischen Charakter hat," bezeichnete, und „Das Leben der Seele" — „Ideale Fragen" und „Treu und Frei" als ein „ähnliches Gemeingut der Theologie, wie die Vorträge Dölliugers" erklärte: — dann darf ich mit gutem Gewissen und ohne Verletzung der Bescheidenheit den Grad eines D. D. von Ihnen annehmen, mich dieser Ehre freuen und Ihnen von ganzein Herzen dafür danken . . ." cl. — Max Nordau. Herr Robert Sherard, der Biograph Zoln's und Daudet's und der Sprecher der großen Mehrheit hervorragender „litterateurs“ in Paris, hat der „Westmiuster Gazette" eine interessante Biographie Mar Rordau's mitgeteilt, welche dadurch, daß sie in ihren Hauptpunkten von dem Autor der „Entartung" selbst herrührt, nur noch interessanter wird. Die Einzelheiten aus Herrn Nordau's früherem Leben sind nun zum ersten Male veröffentlicht; obwohl sie für seine vielen Freunde, die sie häufig aus seinem eigenen Munde erfahren haben, keineswegs neu sind. Wir erfahren, wie er vor 40 Jahren in Pest geboren wurde und von Vater und Mutter — jener ein Deutscher und diese eine Russin — eine gründliche jüdische Erziehung erhielt; wie er von einem Missionar englisch lernte, und wie der Versuch dieses Missionars, ihn zum Christentum zu bekehren, mißlang; wie er, kaum den Kinderschuhen entwachsen, sein Debüt im Journalismus machte und dann Medizin studierte und die Hauptstädte Europa's besuchte, indem er lich mit seiner Feder Geld verdiente und es niit eiserner Sparsamkeit seinen Bedürfnissen anpaßte. Seine spätere Jutenn rische Laufbahn ist wohlbekannt. Wenige moderne Schriftsteller haben größere Erfolge erzielt und eine größere Viel- ^45530

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