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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-08-02 · 31 (2.8.1895) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
31 (2.8.1895)
Date
1895-08-02
Page
Seite 495 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 81. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 495. bäuerischen Diplomaten. Lassalle wollte die extravagante Dame heiraten, ihre Eltern aber waren gegen diese Verbindung. Darauf kehrte die überspannte Dame wieder zu ihrem früheren Bräutigam Janko von Nakowicz zurück, und das Ende des Nomans war ein am 28. August 1864 zwischen den beiden rivalisierenden Liebhabern dieser Dame ausgetragenes Duell, bei welche,n Lassalle tötlich verwundet wurde und am 51. August starb. An, 28. Februar 1877 fand in Jpolysag (Honter Koinitat» zwischen den, Oberleuteuaut Oskar Jvauka und dem Advokaten A. Weinberger ein Zweikampf auf Pistolen statt, welcher den sofortigen Tod des letzteren zur Folge hatte. Die Ursache des Duells war unbedeutend. Bemerkenswert ist, wenn auch nicht von einen, so grausamen Erfolg begleitet wie obiges, ferner das Duell Jstocz»- Wahrmanu, welches an, 11. Juni 1882 in Pest stattgefunden hatte. Die Veranlassung dazu war die folgende: In der Sitzung, welche am 9. Juni 1882 in, ungarischen Abgeordnetenhause gehalten würbe, debattierte man über eine Petition aus dem Szathmarer Komitate gegen die Einwanderung der russischen Inden, bei welcher Gelegenheit der Antisemit Jstoczy eine Rede hielt, welche gegen die Einwanderung der russischen Juden gerichtet war. Nach ihm sprach Moriz Wahrmann, weiland Präses der isr. Kultusgemeinde in Pest. Infolge dieser Neden kam eS zuerst zu gegenseitigen Beschimpfungen, dann zu persönlichen Thätlichkeiten und endlich zum Duell. Es wurde zweimal, einmal am Sonntag den 11. Juli vormittags und dann wieder am Nachmittag, von der Polizei verhindert. Endlich aber fand es doch Sonntag Abend statt, aber so glücklich, daß beide Duellanten ihr Ziel verfehlten und unversehrt vom Platze gingen. Beide Duellanten wurden darauf zu acht Tagen Staatsgefängnis verurteilt, welche Strafe ihnen jedoch im Gnadenwege erlaßen wurde. Unpolitisch ist die Veranlassung zu den, folgenden Duell. Der Pester Advokat Tr. Julius Nofenberg hatte um die Hand euier Tochter des im Jahre 1890 barouifiertcu Großindustriellen Siegmund Schloßberger augehalteu, Frl. Ilona v. Schoßberger war für, ihre Eltern aber waren gegen diese Verbindung. Als nun Fräulein Ilona v. Schoßberger mit ihren Eltern in Marienbad weilte, bewog sie ihr Bräutigam mit ihm nach Eger zu gehen nnd sich daselbst mit ihm nach jüdichem Nitus trauen zu lasten, denn bis dahin gehörten Braut und Bräntigan, in gleicher Weise dem mosaischen Bekenntnisse an. Da mit einemmale verschwand Fräulein Ilona v. Schlotzberger. Sie wurde „ach Paris entführt, da ihr Schwager, Baron Bornemisza, gegen diese Ehe als eine „Mesalliance" protestierte. Nach kurzer Zeit wurde die Verlobuug des Grafen Stefan Batthyanpi mit Frl. I. v. Sch. publiziert. Da sich die Familie Schloßberger mit dem gräfliche,, Bräutigau, mittlerweile nach Wiesbaden begeben hatte, so eilte Dr. Nosenberg dahin, um seine liechte geltend zu machen. Er eilte sofort ins Offizier skasino nnd bewog zwei Artillerie-Dmziere, ihm Sekundantendienste zn leisten und den Grafen zn fordern. Graf Batthyanyi erklärte jedoch, er sehe keinerlei Anlaß zu einem Duell. Un, uuu seinen Gegner zn zwingen, den Zweikampf anzunehmen, veröffentlichte Tr. Nosenberg in, „Egyetertes" ein offenes Schreiben, welches die beabiichtigte Wirkung erzielte, denn das Duell fand am zweiten Tage statt, und Graf Batthpanpi blieb tot auf dem Platze. Das merkivürdige Drama hatte ein Nachspiel; am 22. Januar 1884 fand in Temesvar gegen Dr. Nosenberg eine Gerichtsverhandlung statt, bei welcher er zu zwei Jahren Staatsgefängnis verurteilt' wurde, welches Urteils aber später durch die königliche Kurie in ein Jahr vrckaatsgefängnis umgeäudert wurde. Ende September 1884 fand wieder ein blutiges Duell einer Dame wegen in Pest statt, und zwar zwischen Herrn Neuschloß, Sohn eines bekannten Großindustriellen, und Herrn Vastagh, dem Sohne eines bekannten Malers, bei welchem Ersterer drei schwere Wunden an. Arme erhielt. Das Renkontre, welches die beiden jungen Leute hatten, datierte schon von längerer Zeit her, als die beiden jungen Leute noch Freiwillige waren; aber sie verschoben das Duell, bis sie die Ofsiziersprüfung abgelegt hatten. Heiter war das Duell Lichtfcheid-Stempfel im Wiener Garnisonsspital wegen zwei schlecht geschriebener Buchstaben. Es fand statt zwischen zwei Militairärzten, und zwar darum, weil der eine von den beiden Herren „Dysentherie" statt „Dysenterie" geschrieben hatte. Sein Kollege machte hierüber eine Bemerkung, und die Verletzung des einen der beiden Duellanten an den Fingern, in welchen bekanntlich die Orthographie sitzen soll, war die Folge dieser unorthographischen Schreibweise. Zu gleicher Zeit fand in Brünn zwischen den Neserve- LeutenantS Baron Offernnrnn und Herzfelder, Fabrikantensöhnen in Brünn, in der dortigen Jesuitenkaserne ein Sabelduell statt, welches mit einer unerheblichen Handverletzung Herzfelders endete. Die Ursache war, daß Herzfelder die junge Gattin Offcrmanns „in verletzender Weise nicht gegrüßt haben soll". Am 22. Januar 1890 brachte das „Neue Wiener Abendblatt" eine telegraphische Nachricht aus Pest, die also lautete: „Einen tragikomischen Ansgang hatte ein Duell zwischen den, Grafen Stefan Keglevich, gewesenen Intendanten, und den, Neserve-Husaren-Leutcnant Landauer wegen eines Nenkontres in der Oper. Der Graf versetzte nämlich seinem Gegner zwei starke Flachhiebe auf den Kopf und den Allagen, daß derselbe wegen gastrischer Uebelkeiten den Karnpf aufgeben niußte." An, 24. Juni 1892 enthielt das „Neue Wiener Tagblatt" die folgende ihr aus Budapest zugekommene Nachricht: „Ein Duell fand heute statt, das einen blutigen Ausgang hatte. Der Fabrikant Theodor Wolfner schlug sich mit den, Kisberer Dou,änendirektor Eduard v. Nick und Letzterer erhielt eine schwere Verwundung au, Kopfe. Das Motiv des Duells waren antifeinitifche Aeußerungen des Herrn v. Nick." Zu erwähnen wäre noch das berühmteste aller Duelle, die zwischen Juden und Antisemiten geführt wurden: das Duell Mayer-Mores. In der Drumontfchen „Libre Parole" erschien anfangs Juni 1892 ein Artikel unter dem Titel: „Die Juden in der Armee", der vom Grafen Lamasse unterzeichnet war. Dieses Artikels wegen wurde Lamasse von den, jüdischen Nittmeister Eremieur-Foa zun, Duelle gesordert, welches am 20. Juni stattfand, jedoch nach einem zweimaligen Kugelwechsel unblutig verlief. Eine Folge dieses Duells war aber ein anderes, das einen tragischen Verlauf genommeu: der Zweikampf zwischen dem antisemitischen Anarchisten Marquis Mores „ud dem jüdische,, Hauptmann Mayer. Das Duell fand an, 28. Juni statt, und zwar fiel es für den Hauptmann sehr unglücklich ans, denn schon zu Beginn des Duells erhielt er einen Stich durch die Lunge und blieb tot aus de», Platze. Marquis MorvS stand in Paris an, 29. August vor dem Schwurge-

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