Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 31 (2.8.1895)
- Date
- 1895-08-02
- Page
- Seite 494 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 494. 1. Benjamin Louis Cohen, Cast Jslington (Konservativ), wiedergewählt mit einer Mehrheit von 1223 Stinnnen. 2. Sir Julian Goldsmid, Baronet, South St. Pancraö, (Liberal-Unionist) miedergewählt mit einer Mehrheit von 1210 Stimmen. 3. Sir Samuel Montagu, Baronet (Liberal), Whitechapel Division of Tower Hamlets, wiedergewählt mit einer Mehrheit von 32 Stimmen. 4. Harry H. Marks (Konservativ), St. George'ö-in-the-East Division the Tower Hamlets, neugewählt mit einer Mehrheit von 4 Stimmen. 5. Harry S. Samuel (Konservativ), Linrhouse Division os the Tower Hamlets, neugewählt mit einer Mehrheit von 590 Stinnnen. 6. Baron Ferdinand de Rothschild >Liberal-Unionist), Aylesburg Division os Buckinghamshire, ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. 7. Baron Henry de Worms (Konservativ), Cast Torteth Diviiion os Liverpool, wiedergewählt mit einer Mehrheit von 1922 Stimmen. . 8. Arthur Strauß (Liberal-Unionist), North-West Cornwall, neugemählt mit einer Mehrheit von 462 Stimmen. Durchgefallen sind folgende jüdische Kandidaten: 1. S. F. Mende, Liberaler Kandidat in Plymouth. 2. Bertram S. Straus, Liberaler Kandidat für West Marylebone. 3. H. H. Raphael, Liberaler Kandidat für North St. Pancras. 4. Rat John Jacobs, Konservativer Kandidat in Northampton. 5. Herbert S. Leon, Liberaler Kandidat für North Bucks. 6. Sir Israel Hart, Liberaler Kandidat für Hythe. 7. Oberst Francis A. Lucas, Konservativer Kandidat für South Division os Lincolnshire. 8. Lionel C. Pyke, Liberaler Kandidat für South Wilts. 9. Herbert Samuel, Liberaler Kandidat für Orsordshire South. — In alter Zeit war auch England, was ja wohl selbstverständlich, gegen die Juden nicht duldsamer, als die anderen europäischen Staaten, was eine kurze historische Uebersicht darthun soll. Der Aufenthalt der Juden hier im Lande geht nach einigen bis auf die Römerzeiten zurück. Sicher ist, daß unter der Herrschaft der angelsächsischen Könige schon eine beträchtliche Anzahl von Juden von einigem Einflüsse in England vorhanden war. So lesen wir in einem noch erhaltenen Erlaß des Erzbischofs Ecbright von Port das Verbot, wonach kein Christ mit einem Juden essen, noch sich an jüdischen Religionsgebräuchen beteiligen dürfe. Wilhelm der Eroberer (1066—1097) begünstigte die Einwanderung der Juden aus Frankreich. In Orford hatten sie eine Synagoge und sogenannte Halls oder Lehrhäuser, welche auch von Engländern zum Zweck des Studiums der hebräischen Sprache und Litteratur besucht wurden. Es gab eine Moyse's Hall, Jacob's Hall und Lombard's Hall. Sie vermittelten auch den Außenhandel mit dem damals kommerziell nicht unbedeutenden Orsord und führten die den Handelsverkehr erleichternden Wechsel ein.l'Z Bon Wilhelm Rusns (1087—1100) wurden sie gut behandelt. Dieser König veranstaltete auch eine damals in anderen Ländern bekannte Religions-Disputation zwischen Bischöfen und Rabbinern, die wie gewöhnlich ohne weitere Resultate verlies. Wer kennt nicht Heine's Worte: „Tas ist nicht ein weltlich Ltcchcn, Keine Eisenwaüe blitzet. Eine Lanze ist das Wort, Das scholastisch scharf gespitzct." Bald aber begannen schlimmere Zeiten. Die zügellosen Horden die unter dem Zeichen des Kreuzes nach Palästina zogen, kühlten zuerst ihren fanatischen Eifer an den unschuldigen Brüdern ihres Erlösers in Europa. Unter Richard Löwenherz (1089—1099) wurden Grausamkeiten jeglicher Art gegen die Juden in England verübt. In diese Zeit fällt die Tragödie in Park Kastle, wo einige hundert Juden dem schmählichsten Verrat preisgegeben, ihr Leben opferten um der Schande des Glaubenswechsels zu entgehen. Obwohl Johann ohne Land (1109—1216) die Juden unbehelligt ließ, so begannen doch bald wieder die alten Bedrückungen und Plünderungen. Heinrich 111. (1216-—1272) verkaufte die Juden an seinen Bruder Richard, Grasen von Cornwall, um die Summe von 5000 Mark, ivofür der Letztere das so erworbene Eigentum bis auf's Blut aussaugte. — Könige und Barone behandelten die Juden als Schwümnre, die man nur auszudrücken brauchte, tlm Geld zu erhalten. Eine der größten Verirrungen des menschlichen Geistes, der Blutaberglaube, wonach schon die alten Römer die ersten Christen bezichtigten, daß sie Kindern Blut entzögen zum Zwecke' ihrer Gottesdienste, fand auch jetzt Verbreitung unter den Christen, welche nun die Juden eines solchen ungeheuerlichen und unmöglichen Verbrechens beschuldigten. Man klagte damals die Juden in Lincoln und anderen Orten an, sie hätten einen Knaben, der, wie kürzlich nachgewiesen morden ist, beim Ballspiel in eine Grube gefallen war und so seinen Tod gesunden hatte, zu religiösem Zwecke getötet. Eine solche abscheuliche Anklage genügte, die so Angeklagten ohne weitere Untersuchung zu verdammen, hinzuschlachten und sich ihrer Habe und Güter zu bemächtigen. Hier haben sich, wie man sieht, die Zeiten geändert, — aber gründlich! — Duo Diirll und Mf IM». Dr. Albert Wiesinger hat soeben ein Buch*) erscheinen lassen, betitelt: „Das Duell vor dem Richterstuhle der Religion, der Moral, des Rechts und der Geschichte", in welchem er auch dein Anteil der Juden an dem Duellunfug ein großes Kapitel ividmet. Trotzdem der Vers, keinen llnterschied macht zwischen getauften und ungetansten Juden, und obwohl er nicht selten durchblicken läßt, daß die Juden gar kein Recht Hütten, an dieser „ritterlichen" Unsitte, die dem Geiste des Judentums nicht ininder fremd ist als der ini ritterliche Mord, teilzunehmen, fei hier das kulturhistorisch nicht uninteressante Kapitel im Auszuge wiederzugeben. Wiesingerbeginnt mit dem bekannten Duell Heine-Strauß. Heinrich Heine hatte nämlich die Gemahlin des Kaufmannes Salomon Strauß öffentlich verspottet, am 7. September 1841 kam es darunr in der Nähe von St.-Gerinain zivischen Heine und Strauß zum Duell; Heine bekam einen leichten Streifschuß von Strauß, der den ersten Schuß hatte, daraus schoß Heine in die Lust und das Duell war zu Ende. — Wck bei dein obengenannten, war auch dein Duell Lasialle eine Frau die Veranlassung, denn die Heldin dieser tragischen Geschichte war bekanntlich Helene von Dönniges, die Tochter eines *) «stroz, Verlagsbuchhmidl. „Tlyria".