Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 29 (19.7.1895)
- Date
- 1895-07-19
- Page
- Seite 463 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 4M. Dir nicht erschlaffen, in Erfüllung meines Willens, fürchte Dich nicht! Ich will Dich hier befchilden und beschirmen vor jeden Schaden mit meinen Vaterhänden!" Zur Antwort gab Abraham seinem Herrn: „Was giebst Tu mir zum Drost an Freimännern, da ich so srendlos bin V Den Erbstuhl darf ich keinem Abkömmlinge bauen, meiner Söhne einem: es sollen nach mir einst der Wonnegüter walten meine Verwandten! Du hast mir keinen Sohn gegeben; drum drücken Sorgen inich, ich selbst kann Rat im Herzen nicht erdenken! Es geht mein Hansvogt, der Freigeborene, srob und rechnet sest im Gedanken, daß einst seine Söhne meine Erbwarte seien: sie sehen, daß keine Geborenen mir von meinem Weib erwachen!" .Da gab ihm eiligst Gott zur Antwort: „Erhalten sollen nimmer Deine Hausverwalter der Abkömmlinge Erbe; es soll Dein eigen Kind die Freudenschätze halten, wenn Dein Fleisch einst liegt. Schau den Himmel an! Zähle Ne herrlichen Zierden, des Himmels Sterne, die da hell leuchten und über die breite Brandung blinkend scheinen, so wird Deiner Magschast Menge werden an Volkskindern reich." 4. Die Beschneidung wird eingesetzt und die Verheißu ng erneu ert. Daraus sprach der Herr nach dreizehn Jahren zu Abraham, der ewigliche König: „lieber, wie ich Dich lehre, so leiste Du ivohl unser» Treubund, Du sollst heiligen Deine Hausgenossen; setze Du ein sicheres Siegeszeichen an jeden des beivassneten Geschlechts, wem. Du nullst an mir einen Herrn haben und holden Freund für die Abkömmlinge dereinst. Ich will immer Deines Volkes Hirt sein und Halter, wenn sie mir hören wollen mit ihren Brustgedanken und vom beivaksneten Geschlecht an diese Welt geboren wird aus Deinem Volk, in seiner Kindheit mir nach sieben Nächten durch das Siegeszeichen ldie Beschneidung) geeignet werden. Dhut, wie ich Euch heiße! Ich will Euch Treue halten, so Ihr tragt das Zeichen. Glaube sicher, einen Sohn wirst Tu haben, von Deinem Weib geboren, den die Burgbewohner sollen alle Isaak heißen. Glicht brauchst Du Dich des Abkömmlings zu schämen: Ich will dein Mnnnkinde geben meine Gnade, göttliche Gaben und will ihm schassen an Freunden Fülle. Von dein Vmtefürsten kommen breite Völker, und Gebieter sollen ihm entsiaunnen, hochberühmte Reichshirten, Weltkönige weithin gepriesen/' Da legte eiligst Abraham sein Antlitz ans die Erde, bewand die Offenbarung mit Hohn und Spott im Herzen, in seinen Gedanken, da das Ereignis er gar nicht hoffte, daß die griesgelockte Braut,*) die Sarah nun noch einen Sohn gebären sollte; denn er wußte, daß sie zählte 100 Winter. Zu Gott sprach da der gar Bejahrte; „C, möchte Ismael doch vor Dir leben, und zu Dank Dir tragen hartmutigen ^inn und Herzens Strenge, bei Tag uitd bei Nacht zu thun Deinen Willen." Freundlich gab der Fürst voll Allmacht ihm zur Antwort draus: „Obgleich an Wintern alt, soll Sarah zur Welt Dir bringen einen Sohn; doch auch Ismael, den Sohn der Hagar, will ich segnen mit Gnade." o. Sarah verlacht die Verheißung. Das Weib lachte des Weltvölkerherrn, nicht hold und freundlich, sondern die Hochbetagte belegte mit Holm in ihrem Herzen die Verheißung Gottes gar sehr in ihrem Sinne, da sie nicht sicher glaubte, daß Erfüllttng dem Versprechen folgen würde. Als das hörte da der Himmelsvater, daß in dem *) brjd, sowohl Verlobte, als Ehefrau und Weib überhaupt. Haus crhub das Weib des Abraham ein hoffnungslos Gelüchter, da sprach der heilige Gott: „Sarah will nicht sicher glauben meinem Wort, es wird jedoch fürder sich erfüllen, wie ich es vormals Dir verhieß. Das sage ich Dir sicher, in dieser selben Zeit wird Dir von Deiner Ehefrau ein Abkömmling erwachsen. Wenn ich zum anderen Mal eben diese Wohnungen besuche, daun ist mein Wort erfüllt, das vielen Sauren Dir verheißt, und sehen wirst Dir, lieber Abraham, dann an Dein eigen Kind." 0. Jsaak's Opferung. Die Verheißung ward erfüllt, Isaak geboren; er wuchs heran dem Vater zu Lust. Da aber begann den Recken der reiche Gott zu prüfen, die Kraft versuchend, die dem Edelinge inncwohnte. Er sprach zu ihm: „Geh' Du nun eiligst, Abraham, zrr lenken Deine Schritte und geleite Du mit Dir Dein eigen Kind! Du sollst Deinen Sohn mir weihen zum Opfer. Sobald Du erstiegen hast die steile Höhe, den Ring des Hochlandes, das ich von hier Dir zeige, dann sollst Du dort oben mir einen Scheiterhaufen setzen, sollst schlachten Deinen Sohn mit Schwertes Schürfe und dann mit schwarzer Lohe des Lieben Leib verbrennen und inir verleihen zum Opfer." Nicht versaß Abraham da die Reise. Auf gab der selige Abrahanl seine Nachtruhe eiligst, seines Notretters Geheiß nicht widerstrebend. Der heilige Mann gürtete sich mit grauem Schwerte; er zeigte, daß des Geisterwortes Furcht ihn: innewohnte. Sein Esel begann zu zäumen der greise Goldesspender, und zwei junge Männer ließ er mit sich wandern: sein eigen Mannkind war der Dritte und er der Vierte selbst. Sie gingen durch die Wüste, bis daß wonnig glänzend an dein dritten Tage die Sonne aufftieg. Da sah der selige Mann die Höhe hoch emporragen, wie ihm der Fürst des Himmels vorhersagte. Da sprach Abraham zu seinen Amtleuten : „Ihr, meine Recken, möget rasten hier an diesem Ort; wir kommen beide wieder, sobald wir, was uns beiden geboten ist, Gott gegeben haben." Da ging der Edeling mit seinem eigenen Sohn hin zu jener Stätte, die ihm der Herr bezeichnet, wandernd über Wälder; Waldholz trug der Sohn, der Vater Feuer und Schwert. Zu fragen begann der winterjunge Mann: „Mein Fürst, wir führen Feuer hier und Schwert: wo ist das Opfertier, das Du edelglänzend zum Brandopfer zu bringen denkest':'" Abraham war eins mit sich, daß er es vollführte ganz wie ihm der Fürst geboten und sprach: „Das wird der sicherwahre König selbst schon finden, des Menschenvolkes Wart wie ihm gemäß es dttnket." Stnrkmntig stieg er darauf die steile Höhe hinan mit seinem Sohn. Er begann der Holzstoß zu schichten und Hellglut zu erwecken und band mit Fesseln dann die Füße und Hände seinem eigenen Sohn, und aus den Altar Hub er den Isaak, den jungen, und eiligst ergriff er das Schwert bei der Hitze; er wollte schlachten seinen Sohn mit beiden Händen und die Brandglut dämpfen mit des Sohnes Blut. Angezündet war der Brand. Zum Tod war nicht betrübter einst der Todschläger erster! Ileberantworten wollte seinen Erbwart in des Brandes Gluten der beste aller Helden, zu einem Siegesopfer seinen Sohn, den trauten, der sein einziger Erbwart auf Erden war, der Trost seines Lebens; doch trug er fürder den Leuten zur Lehre langdauernde Hoffnung. Kund gab er das, als er den Knaben nahm und fest mit feinen Händen das volkeskunde alte Erbschwert zog, so daß das Eisen klang, daß er nichts von lieberen Lebens-