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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-07-19 · 29 (19.7.1895) · p. Seite 464

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
29 (19.7.1895)
Date
1895-07-19
Page
Seite 464 (sequence 8)
Language
German
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W Seite 464. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 29. FW AN -4''. tagen wußte, als zu gehorchen nur dem Himmelskönige. Auf richtete sich der Edeling, wollte seinen unerwachsenen Sohn da erschlagen, mit dem Messer, wenn es der Mächtige znließ. Doch wollte ihm der leuchtende Vater nicht den lieben Sohn nehmen zum Opfer, sondern mit der Hand er'S wehrte. Es kam, um ihm zu steuern, eine Stimme von dem Himmel, der Hochklang der Glorie: „Erschlag' Du, Abraham, Dein eigen Kind nicht, den Sohn mit dem Schwerte! Sichtlich ist die Wahrheit, da Dich versucht hat der König aller Wesen, daß Du den: Waltenden hieltest wohl Deinen Bund und feste Treue: nun soll Friede Dir werden in Deinen Lebenstagen, auch im Alter nicht schwinden. Einen Eid schwört Dir der Engel König, der Walter der Geschicke und der Weltvölker Gott, der wahre Siegeskönig, bei seinem eigenen Leben, daß Deines Geschlechtes und Deines Stammes Magen, der Randkämpfer Reih' und Zahl von allen Erdbewohnern nicht können gezählt werden, so wenig jemand vermag zu zählen die Steine aus der Erden, die Sterne am Himmel, der Seeberge Sand und die gesalzten Wogen. Besitzen sollen zwischen den beiden Seen bis zu den Völkern Aegpptenlands das Land der Kananüer Deine Leute, des Vaters Freikinder, der Völker bestes." lieber Achsel schaute da der heilige Mann und sah einen Widder unfern von dannen einsam stehen in Brombeersträuchen fest. Abraham nahm den und Hub ihn auf den Altar für sein eigen Kind, schwang alsdann fein Schwert und schmückte das Opfer, den rauchenden Weihaltar mit Widderblute, weihte Gott die Habe und sagte Dank für alles Heil, das eher oder später ihm der Gaben Herr gegeben. (Schluß folgt.) Feuilleton. Entglrist! Nachdruck vcrbotoii. Eine galizische Erzählung von Wilhelm Feld mann. Fortsetzung. 2. Oktober. Prachtvoll, erbauend! Augenscheinlich gehe ich manchmal in meinen Anschauungen zu weit. Tao ist sicherlich oie Schuld einer Erziehung, die in mir keine Einheitlichkeit ausbildete und keinen sichern Gesichtspunkt auskommen ließ — einer Erziehung, die ausschließlich aus Herz und Phantasie wirkte und die moralische Kraft nicht in jener Richtung entwickelte, in welcher das Leben fließt. Deshalb bin ich so geneigt zur Uebertreibung — ich habe keinen testen, kritischen Geist, keinen Probierstein, mit welchem ich die Thaten. die Gedanken, die Tinge und die Menschen messen tonnte, deshalb messe ich sie nach einer momentanen Slimmung, einer Kapriee, nach Gutdünken, mit einem Worte: mit meinen subjektiven Gefühlen, und solch eine Anschauung muß schon der Natur der Sache nach einseitig, vorübergehend und thöricht sein und kann aus Abwege führen. So ist es . . ich bin Lehrerin und weiß das zu beurteilen, wenn auch nicht genau auszusprechen. So habe ich mich z. B. in letzter Zeit bis über die Ohren in den Bodensatz jeglichen Unglaubens versenkt — und die heutige„Narodowka" (eine polnische Zeitung) söhnt mich mit der Welt aus. Ich habe mir die Nummer wegen der darin enthaltenen überaus schönen Rede, welche jener Gras, der Kandidat fürs Parlainent, im Rathaus vor einer Bürgerversamntlung hielt, gekauft. Ich habe noch nie etwas ähnliches gelesen. Wie glücklich sind doch die Männer, daß sie Freiheit haben, in Versammlungen gehen, und solch einen Grasen hören können! Ich habe sein Porträt im Schaufenster einer Buchhandlung und in einer illustrierten Wochenschrift gesehen — eüt sehr schöner Mann, imponierertd und auffallend gescheit. Wie großartig hat er die Historiosophie der Geschichte unseres Vaterlandes geschildert; in was für entzückenden Farben trug er die Lebensweise unserer Vorfahren und die voraussichtliche Zukunft vor! Ausgezeichnet fertigte er all die Gegner ab, demaskierte ihre antinationalen Bestrebungen und den offenkundigen schlechten Willen, welchen er aber zum Lobe Gottes uitd zuut Frommen des Vaterlandes bekänipfen und zermalmen wird. Das ist mir ein Mann! II. Am Abend des 4. Oktobers, iits Hotel zurückkehrend, bemerkte Klara den Grafen, den Kandidaten. Sie erkannte ihn von den gesehenen Porträts. Er sah imponierend aus, aber dem neugierig gemachten Mädchen fiel es aus, was er in so später Abendstunde in der Judengasse zu suchen habe? Ihre Verwunderung stieg, als der Graf ihr Schritt für Schritt in derselben Richtung nachging, dasselbe Hotel betrat und den ersten Stock hinaufging. Klara betrat ihr winziges Zimmerchen, welches wie in derartigen Hotels üblich, vom Nachbarzimmer durch eine Holzwand getrennt war. Kaum hatte sie sich entkleidet, als folgendes Gespräch, von dem jede Silbe wie die Spitze eines Pfeiles in ihrem Gedächtnisse stecken blieb, an ihr Ohr drang. Der Gras sprach mit einem Juden, was an der Stimme und am Accent leicht zu erkennen war. „Wie gehts Dir, mein liebes, gutes Jankelchen!" — „Eh nun, es geht gut, warum sollte es denn schlecht gehen?" — „Wie gut bist Du, Jankel, daß Du ans meine Vorlad ... Einladung gleich gekommen bist." — „Gut oder nicht gut, ich bin nach meinem Gelde gekommen, und dazu ist jeder bereit." — „Du hast recht Jankel — aber wie gehts denn Sara? und Deinem Kleinen . . . wie heißt er denn nur?" — Jankel erwiderte etwas univillig: „Gut, sehr gut, ich danke unterthünigst, aber was ists mit dem Gelde?" — „Wie eilig Du bist! Wir können ja vorher wie alte Freunde plaudern." — „Zu viel Ehre! Aber gut, denn das Sprichwort sagt: Lieben wir uns, aber rechnen wir wie - - — „Gut also, schreiten wir gleich zur Sache. So wisse denn, mein Lieber, Tu wirst all Teiil Geld bis zuul letzten Heller erhalten." — In JankelS Stimme machte sich ein Mißtrauen bemerkbar: „Wirklich?" — „Natürlich, wie ich es sage." — „O, daß der Herrgott dies dem wohlgeborenen Herrn vergelte. Das ist für mich ein wahres Glück, das ist meine Rettung, denn ich benötige so dringend . . Ich habe erwachsene Mügchen . . mit Söhnen ist schon eine kleinere Rot, der Jude giebt sich schon einen Rat, aber Mädchen, was können die unternehmen 7 Bei uns ist eine Frau ganz was anderes wie bei Euch. Ein jüdisches Mädchen wird nicht als Amme dienen . . wird nicht im Felde pflügen, sie wird nicht zur Erntezeit mit einer Schnitterschar nach Podolien auf Arbeit ziehen . . unser Frauenzimmer muß einen hüuslicheit Winkel, einen Mann und . . . Kinder haben. Besonders nteine Töchter, welche einer so angesehenen Familie entstamnlen." — „Aha, ich weiß, die Enkel irgend eines k!

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