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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-07-12 · 28 (12.7.1895) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
Seite 453 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 28. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 4.78. Beschlüsse der Verwaltung als „erfreulich" bezeichnet. Zu diesen erfreulichen Errungenschaften zäblt er auch die Zentralisation der W ohlt hä ti g keit, d. b. die Ueberwachnng der Uuterstützuugsvereiue und die Verhinderung, daß die Almosen ihre Empfänger nicht allzu üppig machen. Zn diesem Zwecke ist ein Bureau mit einem Kostenaufwand von vorläufig 7—(>()()() Mk. jährlich errichtet worden. Wir kommen in geeigneter Zeit ans diese „erfreuliche Errungenschaft" zurück, wollen aber schon heute verraten, daß diese Einrichtung in den Kreisen der sog. verschämten Armen Bestürzung und unter den Männern mit jüdischem Herzen, das da bandelt nach dem talmndischen (Grundsatz: Man gebe jedem, der die Hand ansstreckt, Verbitterung hervorgcrufen. Eine große Zahl von Kuschristen, die wir ans beiden gen. Kreisen erbalten, verpflichtet und berechtigt uns zu diesem summarischen Urteil. — Das zum Schwesternbeim des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen völlig uingebante Haus Augnststraße 17 ist am vorigen Donnerstag feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben worden. Die Feier wurde durch Ehorgesang unter Leitung des Herrn Musikdirektor 'William Wolfs eingeleitet; Herr Alb. Phil. Meyer übernabin als Vorsitzender des Vereins das (Grundstück, während Herr Rabbiner Dr. Ungerleider die Weihe des Hauses vollzog. Das neue stattliche Ei. bände ist zunächst für die Ausnahme von 27 Schwestern eingerichtet, doch können in den beiden oberen Etagen weitere 40 Schwestern nntergebracht werden. Außerdem enthält das Schwesternheim die Wohnung der Oberin, Wohn- und Speisesaal für die Schwestern, Küche und alle notwendigen Wirtschastsrünme. Der Feier wohnten, neben den Vorstandsmitgliedern, Aerzten des jüdischen Krankenhauses und den Schwestern, Vertreter des (Gemeinde-Vorstandes, der Repräsentanten-Versammlung, das Rabbinat, sowie eine große Zahl hervorragender Aerzte bei. Wir hören, daß die durch den Verein ausgeübte Krankenpflege völlig konfessionslos ist und für Unbemittelte unentgeltlich geleistet wird. — Montag Vormittag wurden etwa 700 Schulkinder in die Ferienkolonie gesandt. Die „Einschiffung" der Kleinen, die Sorgfalt und Umsicht, mit der sie von dem Komitvmitgliede Herrn Ad. Men er behandelt wurden, die stramme Ordnung, in welcher sich der etwas komplizierte Akt abspielte, gewährte einen herzerhebenden Anblick. Das war ein echt jüdisches, weil rein menschliches Wert der Wohlthätigkeit; den Dank für ihr hingebendes Streben werden alle, die sich mn den Verein verdient machen, uns den leuchtenden Augen der kleinen Ferienkolonisten empfangen haben. * ck Seltenes Jubiläum. Man schreibt uns ans M arg grab ow a: Am l. Juli feierte der Kultusbeamte der hiesigen israelitischen Gemeiube, Herr Frey er, sein üOjähriges Amtsjubiläum in voller Frische und Rüstigkeit. Die letzten 89 Jahre hat er ununterbrochen in der hiesigen (Gemeinde gewirkt. Von allen Seiten wurden dem Jubilar zu diesem Ehrenfeste zahlreiche Glückwünsche teils persönlich, teils schriftlich und telegraphisch zuteil. Im Namen der städtischen Behörden erschien eine Abordnung des Magistrats und der Stadtverordneten unter Führung des Herrn Bürgermeisters Oorenz, welcher mit bewegten, herzlichen 'Worten den Jubilar beglückwünschte. __ Eine Abordnung des kaufmännischen Vereins brachte dessen Glückwünsche. Die hiesige Syuagogeugemeinde überreichte durch ihren Vorsitzenden, Herrn Amtsrichter Blumen seid, als Zeichen ihrer Verehrung eine tunstvoll ausgesührte Adresse mit der Ernennung zum Ehrenmilglicde. Als Vertreter des Verbandes der Synagogeugemeiuden Ostpreußens und des Lehrerverbandes war Herr Rabbiner Weinberg aus Insterburg, erschienen und feierte in längerer ernst beredter Sprache den Jubilar. Den Abend des Festes verlebten die Mitglieder der israelitischen Gemeinde mit dem Jubilar und dessen (Lasten im Hotel Bote in frohem gemütlichen Beisammensein. — Der Jubilar, fo wird uirs von anderer Seite geschrieben, dessen Sohn, beiläufig bemerkt, der Kreisphysikus Sanitütsrar Dr. Frey er in Stettin ist, zählt zu den intelligentesten Kultusbeamten alten Schlages, ist ein seit' made mau, Autodidakt in des Wortes weitester Bedeutung. Er verfügt über ein ausgedehntes rabbiuisches Wissen und nimmt regen Anteil an allen Bestrebungen des Judentums in der 'Neuzeit. Das jVerhältnis zwischen ihm und seiner Gemeinde gleicht dem des Vaters zu den Kindern. *i. Die 2. Konferenz des Kölner Bezirks des Vereins der Rabbiner und jüdischen Lehrer im Rheinland und Westfalen fand am 28. d. M. in Beuel statt. Bei Beginn der Konferenz erteilte der stellvertretende Bezirksvorsteher Herrn Dr. Lazarus das.Wort zur Begrüßung der Anwesenden. Von der Stellung des jüdischen Lehrers in Schule und Gemeinde ausgehend, ging der Redner dazu über, rühmend hervorzuheben, daß zahlreiche Beueler Gemeiudemitglieder durch ihr Erscheinen zur Konferenz ihr marines Interesse für unseren Verein im allgemeinen und den jüdischen Religionsunterricht im besonderen an den Dag gelegt hatten. Es war d es ein schöner Beweis davon, daß Eltern und Lehrer sich einig sind in der Ausübung ihres ErziehungsgeschästeS und wohl bewußt, daß der Lehrer nur mit Unterstützung der Eltern auf eine erfolgreiche Dhätigkeit rechnen kann. Sodann hielt Herr Lehrer Heilberg eine Probelektion über: „Daniel und seine Genossen." Dieselbe entsprach allen Anforderungen, die an eine Lehrprobe gestellt werden müssen. Leuchtenden Auges hingen die Kinder an dem lebendigen Vortrag des Lehrers und folgten mit gespannter Aufmerksamkeit der Erzählung. Die an die Kinder gestellten Fragen wurden mit guten: Verständnis korrekt beantwortet. Man merkte hieran, daß die Kinder die aus der Erzählung gezogenen Lehren gut verstanden und erfaßt hatten. Es folgte dann Beratung und Genehmigung der Statuten. 'Nachdem man die nächste Konferenz auf den lö. August festgesetzt hatte und als Ort der Versammlung Köln bestimmt worden war, wurde die Versammlung geschlossen. Kier: und dorrt. — Freiherr v. Türmst hat folgenden Abänderungsaistrag 311111 mündlichen Bericht der Petitions-stonimission des preußischen Herrenhauses über die Petition des stanfmanns Schmidt und Genossen um Herbeiführung einer sofortigen Ueberselznng des Schulchan Arnch gestellt: Das Herrenhaus wolle beschließen, die vorbezeichncte Petition der königlichen Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Tie Petitiouskommission war bekanntlich über diese Petition s. Z. zur Tagesordnung übergcgangcn. -- Ucbcr einen Unfug mit „Fnxkarten" wird dem „Volk" triumphierend geschrieben: .Schrieb da neulich ein Freund von mir ans Dresden eine .starte an Herrn N. N- I u d e 11 Hagen bei Berlin. Die starte wurde richtig in Friedrichshagen bestellt. Ich lobe das, weil die Post auch bei einem Scherz behilflich sein kann." — Es ist doch kaum glaublich, daß ein Postbeamter dienstlich zur Ausführung eines so plumpen, echt antisemitischen „Scherzes" behilflich sein könnte. - P e r s 0 n a l i c 11: Jjerr Dr. Magnus Weinberg, ein Schüler des Berliner Rabbiner-Seminars, wurde einstimmig zum Distrikts-

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