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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-07-12 · 28 (12.7.1895) · p. Seite 454

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
Seite 454 (sequence 14)
Language
German
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Seite 454. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 28. rabbiner von Sulzbürg gewählt."— Am 1. Oktober d. I. tritt Herr Haupt-lehrer und Prediger Lazarus in Duisburg nach einer 43jährigen segensreichen Thätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Allezeit erfüllt von der Hoheit seines Berufes, durchglüht von heißer Liebe zum heiligen Erbe der Väter, gereicht er seinem Stande znr Zierde, dem Judentume zur Ehre- — Vor kurzem starb im städtischen Krankenhause zu Wiesbaden ein Mann, der angegeben hatte, er heiße Willy Randow und sei Jude. Tie Leiche wurde daher auf dem dortigen israel. Friedhofe beerdigt. Später stellte sich heraus, daß der als Willy Randow Beerdigte ein Karl Braun aus Essen und Protestant gewesen sei. Er war ein verkommenes Subjekt, lange Jahre in der-Welt herumgeirrt, ohne daheim etwas von sich hören zu lassen. Neuerdings erst hatten die Eltern von ihm die wahrheitswidrige Nachricht erhalten, er sei zum Judentum * übergetreten und befinde sich im Krankenhause zu Wiesbaden. Tie Leiche wurde ausgegraben und aus dem christlichen Friedhose beigesetzt. — Aus ein Bittgesuch der Synagogengemeinde Kirchen in Baden, die ihr Gotteshaus restaurieren will, hierzu aber die Mittel nicht besitzt, hat der Großherzog Einhundert Mark zu bewilligen geruht. Der Korrespondent eines jüdischen Blattes fügt dieser Notiz folgenden Satz an: „Wir vermögen unfern Dank nicht besser zu bekunden, als indem wir unseren Glaubensgenossen diesen Beweis der gerechten Güte Großherzogs Friedrichs künden, damit auch außerhalb seines Landes frohe Herzen für ihn zum Himmel beten!" Wir geben wortlos diesem Wunsche weitere Verbreitung. — Dieser etwas naiven Aufforderung lassen wir aber folgenden Bericht aus Bogutsch üy Oberschl-, hier folgen: „In einer eigenartigen Verlegenheit befindet sich der katholische Pfarrer von Bogutschütz. Demselben hatten, nach der „Kattow. Ztg.", die jüdischen Bewohner des Ortes für die neuerbautc katholische Kirche einen Kronleuchter geschenkt. Mehrere Katholiken nahmen jedoch an diesem Geschenk Aergernis und verlangten die Entfernung des Kronleuchters aus der Kirche. Ter Pfarrer will dies nicht thun, um die Geschcnkgeber nicht zu verletzen." — Durch ctite wertvolle Schenkung wurde die Universitätsbibliothek in Gießen bereichert- Proviuzial-Rabbiner Tr. Levy hat seine reichhaltige Sammlung von hebräischen, talmudischen und rabbiuischen Büchern der Universitätsbibliothek einverleibt. Ter sich einer außergewöhnlichen Geisressrischc erfreuend" Spender promovierte im Jahre 1828 und bestimmte bereits im Jahre 1878, gelegentlich seines 50jährigcn Toktorjübiläums, daß seine Sammlung nach seinem Tode in den Besitz der Gießener Universitätsbibliothek übergehen sollte. Jetzt hat er seinen Willen noch bei Lebzeiten ausgeführt. "In Hagen ist in der vorigen Woche eine neue Synagoge eingeweiht worden; an der Feier nahmen auch die Geistlichen der anderen Konfessionen teil. — Ter neue österr. Ministerpräsident Graf Kielmanusegg betonte in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 4. d- M. dem antisemitischenAbg. Geßmann gegenüber, daß nach dem Staatsgrnndgesetze alle Konfessionen gleich seien. -- Das ungarische Episkopat wird im Juli zusammentreteu, um einen Hirtenbrief zu vereinbaren, der im August an mehreren katholischen und nationalen Festtagen veröffentlicht werden soll- Ter Hirtenbrief soll die Geistlichen und die Katholiken Ungarns über die neuen Kirchengesetze ausklären und namentlich die Mahnung enthalten, bei Geburten und Trauungen die Kirche zu besuchen. Die beiden Verordnungen, welche die Durchführung des Gesetzes über die Religion der Kinder' bezwecken, sind inzwischen veröffentlicht worden. — Bekanntlich wurde im Jahre 1885 Ungarn in etwa 500 israelitische Matrikelbezirke eingeteilt. Ein jeder Bezirk mußte einen matrikelführenden Rabbiner oder Rabbinatsverweser anstellen. Mehrere dieser Martrikelsührer glaubten mit dem Jnslebentreten der staatlichen Martrikelsührung ihre Stellen für gefährdet und wandten sich um Aufklärung über ihr ferneres Schicksal an die israelitische Landeskanzlei. Sie wurden nun verständigt, daß das Jnslebentreten der kirchenpolitischen Gesetze die Stellung der israelitischen Martrikelsührer nicht im geringsten alteriert. — In einem medizinischen Blatte läßt sich Professor MoriZ Benedikt über die Geniütsarten (Temperamente) vernehmen und bemerkt bei der Besprechung des cholerischen Temperaments, das er als Mißmutigkeit bezeichnet, folgendes: „Tie fortwährende AufrcgungLsucht führt sittlich schlecht angelegte Naturen dazu, sich geradezu Opfer auszusuchen, au denen sie ihr „Mütchen" kühlen, und daraus geht zum Beispiel der Fall „Antisemitismus" jener hervor, die sich jahraus, jahrein im Borhofe des Zuchthauses und des Irrenhauses herumnimmeln und nicht hineinkommeu, weil ihr Nichtgezügeltwerden im Interesse anderer rechtsvergessener Kreise gelegen ist." — Wenn danicht deutlich ist! — Am 14. Juni feierte die jüdische Gemeinde in Breda (Holland) das 50 jährige Jubiläum des Bestandes ihres Tempels. Aus diesem Anlasse versammelten sich im prachtvoll dekorierten Gotteshause nebst der ganzen jüdischen Gemeinde die höchsten Würdenträger der Stadt, mit dem Oberstlieutenant van der Heiden und der hohen protestantischen Geistlichkeit an der Spitze. Mehrere Rabbiner hatten sich eingefunden, um das Fest durch geistvoll zündende Reden zu verherrlichen. — Eine Anzahl von russischen „Melandim" waren beim Senat um die Erlaubnis eingekommen, in ihren Schulen die Landessprache lehren zu dürfen, infolge von Meinungsverschiedenheiten, konnte jedoch der Senat eine defenitive Entscheidung nicht fällen, so daß die Frage einer anderen Regierungsbehörde unterbreitet werden wird- — a.' — Bor einiger Zeit petitionierten 28 Gutsbesitzer im Kreise Liwen, Gouv. Orel bei dem Gouverneur, er möge den dort weilenden jiid. Getreidehäudlern, über die die Ausweisung verhängt war, den ferneren Aufenthalt gestatten, da ohne diese rühr-gen Zwischenhändler das ganze Getreidegeschäft zu Grunde gehen müßte. Dieser Petition hatte sich auch der Adel mir dem Adelshauptmann an der Spitze augeschlossen. Ter Gouverneur willfahrte der Petition, nachdem er die Argumente geprüft hatte- — a. — In der „Zepkirah" wird unter Nennung aller einschlägigen Namen mitgeteilt, daß der Rabbiner einer kleinen Gemeinde im Gouv- Grodno, der sich schon vor Uebernahme seines Amtes in Rußland praktisch mit Ackerbau beschäftigt hatte, mit seiner Familie nach Argentinien ausgewandert ist, um dort um feinen drei Söhnen seinem ursprünglichen Berufe obzuliegcu, d. h. Ackerbauer zu werden. Baron Hirsch hat der Familie Land und ihrem Oberhaupte eine lebenslängliche Pension von monatlich 40 Rubeln überweisen lassen, und vor etwa fünf Woche» hat die Familie die Reise in die neue Heimat angetreten. Ter Rabbiner heißt David Masowiecki. —a. — Tie Frage der Errichtung einer medizinischen Fakultät für weibliche Studierende in Rußland ist im positiven Sinne entschieden worden. Tie Eröffnung der .weiblichen Hochschule ist nahe bevorstehend. Das Schulstatut enthält aber die Bestimmung, daß nur christliche StudentinnenHin dieses Institut auszuuehmen sind- Juli Thanrus W*<f>*n* 1895 5655.; U*Utt**V. S-reitag ... 12 20 (Sabb.-Auf. 8,32) Sonnabend . . 13 21 , cnj’£ (S.Ausg. 9,17). Sonntag . . .; W 22; Montag . . .; 15 23 i 1 Sienstag ... 16 24 Mittwoch . . 17 25 Sonnerflag . . 18 26 1 Treitaq . . . j 19 27! Milche Gemeinde. Gottesdienst. Freitag, den 12. Juli in allen Synagogen, Abends 7V» Uhr. Sonnabend, den 13. Jnli in der alten Synagoge 'Morgens 8V2 Uhr, in den übrigen Synag. Morgens 9 Uhr. Predigten. Borm. 10 Uhr: Neue Synagoge, Herr Rabb. Tr- Stier, Kaiserstr- - Synagoge, Herr Rabb. Tr. Rosenzweig. Abendgottesdicnst 9O4 Uhr. Gottesdienst an ven Wochentagen: in allen Synag. Morg. 6V2 ii. Abends 6V2 Uhr._ Bakanzenliste. K a ts ch er O -S.: Sofort Kant-, Sch-, Rl., Fix. 1200, Nbk. 600 M- Reisek. dem Gew- — Ausländer ausgeschlossen. Karlsruhe: Baldigst unverh. mnsik. 2. Kantor, gepr- Rl., Sch. (aushilfsweise), Tokea. Anf.-Geball 15«>0 Mk. u. fr- Wohn. Meld an den Synagogcurat- M 0 n s h e i m (nebst Niederflörsheim): Per 1- 8. Lehr-, Kant- Sch. Gesaniteink. 8—900 Mkfr, Wohn. Meldung, an M. Goldschmidt, Monsheim (Hess.)- Berlin (Verein.Illab. Beim). Per 1. 9. mnsik. Kaut-, Kore, gepr Rl, Fix. Mk- 1500 u- Nbk- Äeld. au M. Jost, Oranienstr- 139. Wonfurt bei Haßfurt a-M. Rl-, Kant., Sch- Fix. 600, Nbk- 600 'Mark und fr. Wohn- Melda» S. Reich._ Für die Lippmann - Taust- Synagoge in Berlin wird ein Kantor llal korea, bal tokea (Religionslehrer) per 1- Sept. er. verlangt. Meldungen beim Borsitzenden NI. Rheinhardt, Berlin, Grüner Weg 111.

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