Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 28 (12.7.1895)
- Date
- 1895-07-12
- Page
- Seite 446 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4794838-9608360-9608747--0589-9608753- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 446. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 28. Geschichtsbuch muß anschaulich ästhetisch erzählen; für die Unterstufe in sich selbst abgeschlossene leichte Erzählungen aus dem Leben der allerbedeutendsten biblischen Personen, für die Mittelstufe abgerundete Charakterbilder, für die Oberstufe die Hauptpersonen der heiligen Geschichte im Zusammenhänge enthalten. 6. Jede Erzählung ist durch Ueberschrist nach seiner natürlichen Gliederung kenntlich zu machen. 7. Das biblische Geschichtsbuch must verständlich, korrekt und dezent, womöglich mit dein Wortlaut der Bibel erzählen; ausgeschlossen muß Nebensächliches und ästhetisch oder sittlich Anstößiges werden. 8. Das Geschichtsbuch enthalte die Karte von Palästina, eine Zeittafel, ein Uebersichtsregister der biblischen Bücher und wennmöglich nur gute Bilder im Holzschnitte. Die Debatte über den Bortrag wurde bis nach der 'Mittagspause, die jetzt folgt vertagt. Das Mahl, vom Verbände den Konferenzteilnehmern geboten, würzten eine große Anzahl trefflicher, ernsterer und heiterer, deutscher und hebr. Tischreden. Mit einer einstündlichen Unterbrechung nahmen die Verhandlungen um Z^2 Uhr ihren weiteren Fortgang. Zunächst sprach Herr Waisenhaus-Inspektor Peritz über die von ihm gelegentlich der Konferenz veranstaltete Ausstellung von Lehrmitteln für alle Zweige der jüdischen Religionsschule und dankte besonders auch den Behörden, Verlegern und Privatpersonen, die ihn bei dein Unternehmen in so reichem Maße unterstüßt haben. Die Ausstellung war in einem Nebenraume untergebracht und nach folgenden Gruppen geordnet: I. Methodische und pädagogische Schriften. 11. Lehrbücher für die Hand des Lehreres. 1. Siddurübersetzen. 2. Bibelübersetzen. 3. Hebr. Sprachstudium. 4. Biblische Geschichte. 5. Jüdische Geschichte. 6. Religionslehre. 7. Diverse. Ul. Lernbücher für den Schüler. 1. Unterricht im Hebräischen: a. Lesen: Fibeln, Lesetafeln, Siddurim. b. Gebetübersetzen: Leitfaden für die Siddurübersetzen. Haggadas. Vokabularien, c. Bibelübersetzen: Tertbibeln Grammatiken. Vokabularien, Wörterbücher. 2. Unterricht in der biblischen Geschichte: Biblische Geschichte. Deutsche Bibeln. Bibeln. Bibelkunden. Spruchbücher. Geographie von Palästina. 3. Unterricht in der jüdischen Geschichte: Leitfäden der jüdischen Geschichte. 4. Unterricht in der systematischen Religionslehre: Leitfäden. Spruchbücher. 5. Kompendien über den Religions-Unterrich. 6. Unterricht in der hebr. Kursivschrift: Schreibhefte. Schreibvorlagen. IV. Anschauungsmittel: 1. Wandkarten. 2. Bibelattanten. 3. Bibl. Bilder. V. Jugendschristen. VI. Schriften außerhalb des Ausstellungsplanes: 1. Für den öffentlichen Gottesdienst. 2. Für den Jugendgottesdienst. 3. Erbauungsbücher. 4. Für den Kultusbeamten. 5. Für den Prediger. 6. Für die jüdischen Elementarschule. 7. Für.Konfirmanden. 8. Diverses. Die Zahl der ausgelegten Schriften betrug gegen tausend. Die Ausstellung war demnach die größte, die je aus diesem begrenzten Gebiete veranstaltet worden ist, und machte aus alle Teilnehmer der Konferenz einen überraschenden, tiefen Eindruck. Trotz der für die Besichtigung nur kurz bemessenen Zeit, ist doch sicher niemand ohne reiche Belehrung von ihr geschieden und auch die beteiligten Verleger bürsten mit dem direkten und indirekten Erfolge derselben zufrieden sein. In der allgeuleiueu Befriedigung über das Gebotene fand schließlich auch der Arrangeur der Ausstellung neben dem reichen Lob, und Tank, die ihm gespendet worden, den vollwertigen Entgelt für seine ausgewaudte große Müheleistung. — Durch Bearbeitung eines Katalogs über die Ausstellung soll derselben auch für weitere Kreise ein bleibender Gewinn entzogen werden. Herr Sekr. Klein berichtete daraus über den Stand der Hilsskasse der jüd. Beamten der drei Oftprovinzen, schilderte die außerordentlichen Vorzüge der Kasse bei geringer Beitragspsticht und empfahl allen dringlichst den Anschluß an dieselbe. Punkt 8 der Tagesordnung lautete: Anträge aus der Versammlung. Herr Kantor Karo beantragt, in den Schulplan des Verbandes die Einrichtung eines Jugendgottesdienstes auszunehmen, der es sich zur besondern Aufgabe machen soll, die Kinder mit der Gebetordnung bekannt zu machen. Der Antrag wird aber unter Hinweis daraus daß der Schulplan eine ähnliche Bestimmung bereits enthält, abgelehnt. Herrn Rabb. Weinberg-Insterburg beantragte die Gründung einer Provinz-Lehrer-Bibliothek. Ter Verbandsausschuß soll um Bewilligung von 100 M. zu einem Grundstock, den ausgestellten Lehrmitteln entnommen, ersucht werden. Aus Wunsch der Konferenz und mit Rücksicht auf den nahen Verbandstag, aus welchem der Antragsteller namens der Versammlung seinen Antrag persönlich vertreten soll, wird der Antrag zurückgezogen. Herr Kuttner - Johannisburg fragt an, wie sich der Lehrer die Schule böswillig versäumenden Kindern gegenüber zu verhalten habe. Aus der Debatte ergiebt sich, daß eine allgemeine Regel dafür nicht ausgestellt werden könne, vielmehr alles unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse entschieden werden müsse, daß aber im allgemeinen Gewaltmittel nicht zu empfehlen seien. Aus Antrag des Herr Kantor Bähr-Tilsit wurde die Verhandlung unterbrochen, imi allen noch weitere Gelegenheit zur Besichtigung der Lehrmittelausstellung zu geben. Herr Peritz übernimmt dabei die Führung. Den Schluß der Konferenz bilden Lehrproben, und zivar solche von Herrn Rabb. Dr. Ehrlich über Psalm 10 auf der Oberstufe und 21 und von HerrnPred. Sturmann überden Propheten Samuel. Beide fanden vielen Beifall. Die Konferenz wurde um 4 Uhr Nachm, vom Vorsitzenden geschlossen und begaben sich die Teilnehmer jetzt in corpore nach der z. Z. in Königsberg vorhandenen Nordostdeutschen Gewerbeausstellung, in welcher Herr Pros. Dr. Lassar-Eohm in liebenswürdiger Weife die Führung übernahm. Im gemütlichen Beisamensein beim Glase Bier blieben die Mitglieder noch lange zusammen. I. Bähr-Tilsit. A. Peritz-Köuigsberg. Ar Mljrojiologif der A-cn. lieber die anthropologisch - ethnographischen Verhältnissen der Juden entnehmen mir den Aushängebogen der fünften Auslage von Meyers Konversations-Lexikon folgendes: Die vor kurzem noch allgemein verbreitete Ansicht von der Kleinheit der jüdischen Rasse ist durch neuere Forschungen als unrichtig erwiesen. Flinders Petrie hat festgestellt, daß die Amaur (Amar), die zweifelsohne identisch sind mit den Amoritern der Bibel, aus altegyptischen Darstellungen durch die rötlichbraune Farbe des Haupthaares und Bartes, blaue Augen, hellen Grundton der Hautfärbung, lauge Schädelsorm und andere Eigentümlichkeiteir des grrmanischen Zweiges der aiijchen Völkerfamilie charakterisirt sind. Rach Domtins waren sowohl die Gibeoniter als die Anatun Ziveige des grüßen Ainoriterstammes; der Name „Horiter", ivelchen die Amoriter, in Edoin führten, wiriG von Sayee als F,weiße