Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 28 (12.7.1895)
- Date
- 1895-07-12
- Page
- Seite 445 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Üfi. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 445. gemeinde Königsberg ans eine erfolgreiche segensvolle Arbeit in längerer Rede Ausdruck, wies besonders auf die doppelte Aufgabe des jüdischen Religionslehrers in der Gegenwart bin,' nämlich die Jugend für die altväterliche Religion zu erwärmen und sie gleichzeitig im Geiste der A'euzeit zu^ erziehen, und sprach die Hoffnung aus, dag es der jüdischen Lehrerschaft durch eigene bingebende Arbeit an die Bildung der Binder gelingen werde, diese schwierige Ausgabe zu losen. — Bonseiten des BerbaudeS war das Ausschußmitglied, Herr B. Holz-Insterburg erschienen. — Die hierauf folgende Wahl des Bureaus ergab: Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg, Borsitzender. Rabbiner Dr. Rüls-Memel, stellv.^Vorsitzender. Kantor Bühr-Tilsit und Waisenhaus-Inspektor Peritz - Königsberg, Schriftführer. Kultusbeamter Schüler- Gutstadt und Prediger Sturmann-Osterode, Beisitzer. Die eigentliche Konserenzarbeil leitete Herr Rabbiner Weinberg durch ein Gebet ein. Den 1. Punkt der TageSordung bildete der Bericht des Borsitzenden über die Thätigkeit der Schulinspeklion. Derselbe gedachte dabei im besonderen auch der aus Anregung des Berbandsausschuffes herausgegebenen Schrift über die Lchulverhältnisfe in den Religionsschulen der Berbandsmitglieder, die allgemein so viel Beifall, aber leider noch nirgends Nachahmung gefunden habe. Hierauf folgte Nr. 2 der Tagesordnung, der Bortrag des Herrn Rabb. Dr. Pick-Königsberg über die Verwendung der midraschifchen Erzählungen im biblischen Geschichts-Unterrichte, auf den wir noch zurückkommen, ebenso aus das Referat des Herrn Sekretär Klein-Königsberg über die Frage: Wie verhält sich der jüd. Lehrer den Angriffen der antisemitischen Agitation gegenüber? Dem Bortrage schloß sich eine lebhafte Debatte an, in welcher die verschiedensten Ansichten zum Ausdrucke kamen. Schließlich ivnrde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heute zu Königsberg i. Pr. versammelten Religionslehrer Ostpreußens drücken ihre Ueberzeugung dahin aus, daß es nicht angebracht erscheint, überall und an jeder Stelle antisemitischen Angriffen entgegenzutreten, daß dies vielmehr nur von hierzu geeigneten Personen und auch nur dann erfolgen soll, wenn diese sich direkt, ohne ihre Schuld unberechtigten Angriffen ansgesetzt sehen. Den Antrag, des D. I. G. B. auf Anschluß der ostpreußischen Lehrerschaft an den projektierten T. I. if. B. vertritt als Referent Herr Rabbiner Dr. Ritts-Memel. Derselbe begründet die 'Nützlichkeit und 'Notwendigkeit des in der Bildung begriffenen Lehrerbundes und beantragt, daß sich auch die jüdischen Religionslehrer Ostpreußens diesem Bunde anschließen. Die Bersammlung beschließt einstimmig demgemäß, doch mit dein einschränkenden Vorbehalt, daß in dem Lehrerbunde kein Unterschied zwischen seminaristisch und nicht seminariüisch vorgebildeten Lehrern gentacht werde. Desgle'chen erklärt sich tue Bersammlung einstimmig für die Umgepaltung der Konferenz in einen freien Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens (endlich! Red.) und genehmigt die dan'ir von Herrn Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg vorgelegten Grundzüge des neuen Pereinstatutes. Auf Antrag des Herrn Rabbiners Dr. Bamberger wird sofort zur Wahl tineö neuen Vorstandes geschritten, der ausschließlich aus Lehrern und Kultusbeamten gebildet iverden und alle Vorbereitungen zur nächstjährigen 1. Bereiusversammlung treffen soll. ES wurden gewählt: Prediger Sturmann- Osterode, Borntzender, ferner Kantor Birnbaum-Königsberg, Kantor Earo-Allenstein, Kantor Davidsohu-Rastenburg, Kantor Kanter-Ortelsburg, Waisenhaus-Inspektor Peritz- Königsberg, Kantor Schloß-Pr. Holland. Der Vorstand wird ferner beauftragt, zur gegebenen Zeit eines seiner Mitglieder als Delegierten nach Berlin zu entsenden. Den 5. Punkt der Tagesordnung bildet der Bortrag des Herrn Pred. Gallandt-Lötzen über das Thema: der Unterricht in der biblischen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Anforderung, die an ein biblisches Geschichtsbuch zu stellen sind. Redner schildert einleitend die Entwickelung des biblischen Geschichtsunterrichtes von den früheren Talmudschuleu an bis zur Religiousschule der Gegenwart. Unter Hinweis auf die verschiedenen Phasen, welche dieser Unterrichtsgegenstaud in der deutschen T chule zu durchwandern hatte, weist der Redner besonders auf die hohe Bedeutung desselben als BeranfchaulichungSmittel der religiösen lehren hin. Der biblische Geschichtsunterricht muß Ausgang und Mittelpunkt des gesamten Religionsunterrichtes sein, aus der Unter- und Mittelstufe ausschließlicher Religionsunterricht. Für die unterrichtliche Behandlung stellt der Redner folgende Sätze aus: 4. der Lehrer erzähle frei mit den Worten der Schrift, wo dies aber nicht möglich, im Geiste und Sinne derselben. 2. Zuerst erzähle man den Inhalt ganz, daun abschnittlich, frage den Inhalt ab und beachte, daß das Kind mit den Worten der Bibel antworte. 5. Wichtige Stellen der Geschichte, direkte Reden, Aussprüche Gottes oder der biblischen Personen sollen durch Ehorsprechen wörtlich eingeprägt werden. 4. Es folge stets eine einfache, kindliche, erbauliche Unterredung, die mit einem Spruche ende. Auf der Oberstufe werden Beziehungen zu den lehren des ReligiousbucheS nachgesucht und Vergleiche mit ähnlichen Begebenheiten der Weltgeschichte angestellt. 5. Man lasse nach Abschluß der Unterredung die behandelten Geschichten wieder erzählen, auf der Oberstufe jedoch nur von den fähigeren Kindern, auf der Mittel- und Oberstufe möglichst im Wortlaut der Bibel. 6. Aus der Mittel- und Oberstufe darf die Karte des biblischen Schauplatzes uicht fehlen und als häusliche Ausgabe werde stets das Durchlesen der Geschichte im Historienbuche oder in der Bibel gestellt, daß dies geschehen, davon hat sich der Lehrer beim Beginne des biblischen Geschichtsstunde zu überzeugen. 7. Geistloses Einlernen ist zu vermeiden, verständiges Einüben erforderlich. Im weiteren bemerkt der Redner noch: die Verwendung biblischer Bilder beim biblischen Geschichtsunterricht ist nur dann zu empfehlen, wenn die Bilder der Hauptpersonen ganz idealisiert erscheinen. Bezüglich der Auswahl des Stoffes betont der Redner seine Uebereinstimmung mit dem Schulnnd Unterrichtsplan für die Spnagogengemeinden Ostpreußens. Rach den Auseinderfetzungen der religiösen und pädagogischen Grundlagen für den biblischen Geschichtsunterricht entwickelte der Vortragende die Anforderungen, die an ein Lehr- und Lehrnbuch zu stellen sind. 1. das biblische Geschichtsbuch muß die Verwirklichung des göttlichen Ratschlusses historisch darstellen, und zeigen wie derselbe durch das Zusammenwirken menschlicher Freiheit und göttlicher Offenbarung zustande gekommen ist. Weder das Göttliche noch das Menschliche darf in der Darstellung abgeschwücht werden. 2. Die Ouelle für die Erzählungen sei allein die Bibel. H. Weissagungen, Offenbarungen sind nach der Erzählung der Schrift" auszuzunehmen. ^4. Bei jeder einzelnen Geschichte sind Hinweise aus einen Spruch darzubieten, der sich wieder mit einem Satze der Religionslehre zu decken hat. 5. das biblische