Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 27 (5.7.1895)
- Date
- 1895-07-05
- Page
- Seite 437 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27. I e s ch u r rr n. Seite 437. sicher Natur eröffnet. Alsdann referirte Herr Mannheimer über eine Schenkung, welche der Repräsentant Herr ^ouis Sachs dem jüdischen Krankenhanse gemacht. Herr Sachs, der bereits einmal der jüdischest Gemeinde ein ivertvolles (Grundstück znin (beschenk gemacht, hat wiederum dein jüdischen Krankenhaus einen Parzellengrnnd überwiesen. Es soll dieser Fleck Erde zu einem Ziergarten ansgestaltet werden, und bewilligt die Versammlung zu diesem Zwecke die Summe von 1500 Mark nebst jährlich 50 Mark Unterhaltungskosten. Außerdem spricht die 'Versammlung dem hochherzigen Spender ihren tiesgesühltesten Dank aus. Es folgt nunmehr die Vorlage betreffend den Ankauf mehrerer Grundstücke zum Zwecke dev N e u b a u e s e i n e r S p n a g o g e im Westen von Berlin. Berichterstatter der Bankomnüsston ist Hr. Vlaurermeister Frankel. Die betreffenden (Grundstücke sind Lützowstraße 16 und Potsdamerstraße 118b belegen. Der Kaufpreis soll 500,0ÜO M'k. betragen. Die sehr kurze, höchstens 10 Minuten dauernde Diskussion, die sich an diesen Punkt knüpfte, betraf nur Dinge von nebensächlicher Art. Die 500,000 Mark wurden bewilligt. Für notwendig gewordenen Neparatnren an der Orgel in der iiau’ii Synagoge wurden 700 Mark bewilligt, desgleichen 1766 Mark für die Beschaffung von Snbsallien und Einrichtung eines Lehrerzimmers im Erziehungshause zu Pankow. Zum Zwecke eines Anbaues au genannter Anstalt war seinerzeit eine Subinission ausgeschrieben worden, aus grnnd welcher 3 Offerten eingegangen sind. Die billigste derselben beträgt 3092 'Mark, ^nd wird dieselbe aceeptiert. — Die verstorbene Frau Johanna Jtzig hat die Gemeinde durch letztwillige Verfügung zur Erbin ihres gesamten Nachlasses im Werte von etwa 22,000 Mark gemacht. Die Zinsen dieser Summe sollen zu gleichen Teilen der Altersversorgungsanftalt und dem jüdischen Krankenhause znsließen. Die Versauunlung erklärt sich mit der Annahme dieser Schenkung einverstanden. Alsdann wird der Rechnungsabschluß verschiedener Spezialverwaltungen abgestattet. Das ErziehnngshauS zu Pankow schließt ab mit einer MinderanSgabe von 23,65 Mk., die Synagoge in der Kaiserstraße mit einer Mehrausgabe von 715,15 Mt., die Nene Synagoge mit einer Minderausgabe von 3557,36 Mk., die Alte Synagoge mit einer solchen von 1611,86 M'k., das Neichenheimsche Waisenhaus mit einer solchen von <524,32 Mk. Schließlich berichtet noch Herr Märtin Simon, daß die geplante Zentralstelle für Wohlthätigkeitseinrichtungen bereits im Oktober d. I. ins Leben treten werde. An derselben ist bereits ein Beamter mit 1600 Mk. Jahresgehalt angestellt, die Repräsentantenversainmlnng beschließt noch einen zweiten Beamten mit einem jährlichen Gehalt von 2400 Mark anzustellen und zwar zunächst nur provisorisch sürdie Zeit von Juni 94 bis April 95. In der geheimen Sitzung wurde ein Gesuch des Herrn Rabb. Dr. Nngerleider um Versetzung in den Ruhestand in einer sür beide Teile ehrenvollen Weise angenommen. — Ein von dem Krankenhause der hiesigen jüdischen Gemeinde gegen den preußischen LtempelsiskuS angestrengter Prozeß gelangte jüngst vor dem Kammergericht zur Entscheidung. Im Jahre 1888 wurde in dem erwähnten Krankenhause von den Rathenau'schen Eheleuten eine Stiftung unter dem Namen „Nanny Goldberger-Stiftung" in Höhe von 10 000 Mark errichtet, deren Zinsen alljährlich an arnre, in dein Krankenhause gewesene und andere bedürftige Mitglieder der -jüdischen Gemeinde verteilt werden sollten. In seinem im 'November publizierten Testament hatte nun der Kaufmann Hermann Goldberger der erwähnten Stiftung ein Legat von 5000 Mark vermacht, wovon der Fiskus die achtprozentige Erbschaftssteuer mit 400 Mark betrieb. Dieser Betrag wurde auch unter Vorbehalt bezahlt, dann aber im Wege per Klage wieder zurückgefordert. Das Landgericht > erkannte auch nach dem Klageanträge, indem es im wesentlichen folgendes auSführte: Die Auffassung des Fiskus, dag das jüdische Krankenhaus überhaupt nicht als Vermächtnis teilnehmer anzusehen sei erscheint nicht zutreffend. Das jüdische Krankenhaus gehört unstreitig zu den vom Staate ausdrücklich und durch Verleihung der Rechte juristischer Personen anerkannten milden Stiftungen, die von der Erbschaftssteuer befreit sind. Nach dem ganzen Zusammenhänge der sür die Erbschaftssteuer geltenden Bestimmungen muß allerdings mit dem verklagten Fiskus davon ansgegangen werden, daß nur solche Anfälle an eine solcher Anstalten nnd Stiftungen von der Erbschaftssteuer befreit fein sollen, welche in den Aufgabenkreis der Anstalt oder Stiftung fallen. Der Gerichtshof ist aber der Ansicht, daß dieses Erfordernis hier vorliegt. Die hiergegen eingelegte Berufung wurde vom Kammergericht in Uebereinstimmung mit der RechtSanfchaunng des Vorderrichters zurückgewiesen. m Die Rohr sehe Stiftung in Posen. Am 18. oiese-5 Monats wurde das neue israelitische Kranken- und Siechenhans („Abrah. und Henriette Rohr'sche Stiftung," begründet von ihrem Sohne Herrn Moritz Rohr in Berlin) in Posen eingeweiht. In reizvoller landschaftlicher Umgebung, inmitten eines schönen, mit schattigen Rnheplätzen versehenen Gartens erhebt sich der gefällige Bau, der, in seiner äußeren Erscheinung mehr einem villenartigen Schlösse ähnelnd, die ernste Ausgabe, der er gewidmet ist, kaum vermuten läßt. Der kranke Mensch bedarf einer Pstegestätle, die ihn möglichst wenig an Kranksein erinnert, möglichst wenig den Eharakter der alten Spitäler mit ihren engen, finsteren Räumen trägt. Die feine Empfindung hierfür sowie künstlerischer Geschmack, leiteten die Hand des Baumeisters, der ein Haus schuf, das, streug entsprechend den modernen hygienischen Forderungen, in der äußeren, ästhetisch schönen Anlage und den inneren Einrichtungen mit den hellen, weiten, luftigen Zimmern, Sälen und Korridoren den gewinnenden Eindruck Hervorrufen muß. - Von den allgeineinen Einrichtungen des Hauses sind n. a. hervorzuhcben: Die Heizanlage (System Niederdruckdampfheizung), welche jeden, auch den kleinsten Raum in der Anstalt, bis zu den ins Freie führenden Thüren gleichmäßig erwärmt. Ferner ein Telephonnetz mit zwei Zentralen in dem Bureau und der Wohnung des Inspektors. Von hier besteht Verbindung nach den Zimmern der Schwestern und Wärter, sowie auch den Operationssülen. In jedem Kranken- und Siechenzimmer befindet sich ferner ein Telegraph, dessen Leitung in einem Tableau neben den Zimmern des Wartepersonals mündet. Um Zugluft in dem Hauptkorridor zu vermeiden, ist derselbe durch mehrfache Thüren in kleinere Unterabteilungen geschieden. Die Beleuchtung geschieht durch GaSglühlicht. Eine fortwährend in Gang befindliche Maschine sorgt Tag nnd Nacht für warmes Wasier in allen Räumen, insbesondere in den Badezimmern, die allen erdenklichen Anforderungen entsprechen. Die Küche, mit dem Senker'schen Herd und Gaskochapparaten ausgeftattet, liefert die Kost für Kranke und Lieche nur in einer einzigen sog. Klasse: das Beste soll für alle in gleicher Weise hergegeben werden. - lieber die feierliche Weihe des Gemeindekranken und