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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-07-05 · 27 (5.7.1895) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
27 (5.7.1895)
Date
1895-07-05
Page
Seite 431 (sequence 7)
Language
German
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geile 431. SescHurrrn. Nr. 27. mul) über er weiß es nicht, daß der (Oemeinderabbiner <)0l)0 Mk. Aii'imi, der Privatprediger aber 7»—900 Mk. p.a. bestellt. Einzelne Privatprediger segnen auch schon für ">■-(> Mk. red)t dauerhaft ein. Soviel von Trauungen. Wir kommen nunmehr zu den Beerdigungen. Bir irlirer funiferemm. "). Der Verein israelitischer Lehrer N!ittel-Deutschlands hielt seine Versammlung am 2. und 3. Juni in Erfurt ab. Oieleitet wurde dieselbe vom Vorsitzenden Landesrabbiner Dr. Salzer in Stadtlengsseld.?s\\ seiner Begrüßungsrede am 1. Versammlnngstage bedauerte der Vorsitzende die schwache Beteiligung der israelitischen Lehrer Mittel-Deutschlands an den Vonserenzen der letzten Jahre; sie sei mit Rücksicht auf die geographischen Verhältnisse unseres Vereins wohl erklärlich, teilweise liege aber auch ein unentschuldbarer Jndisserentismns der Lehrerwelt vor. Redner widmet sodann einen warmen, tiefempfundenen. Nachruf dein verstorbenen treuen Mitgliede des Vereins, Landrabbiner Dr. Tessauer-Nleiningen, dessen Andenken von der Versammlung durch Erheben von den Sitzen geehrt wird. Herr Lamm, der Präses der Spnagogengemeinde Erfurt, begrüßte sodann in herzliel)en Worten die Versammlung und teilt init, daß die Oiemeinde es sich nicht habe nehmen lassen, die Konferenzteilnehmer zu bewirten. Die inzwischen festgestellte Präsenzliste ergiebt die Anwesenheit von 17 Mitgliedern. Die Zahl der Mitglieder, die definitiv ihren Beitritt zum Vereine erklärt haben, beträgt etwa 30. Herr Heilbrunn-O'ehaus erstattet sodann den .Kassenbericht, nach welchem das Vermögen des Vereins inkl. Unterstützungsasse 001 M. 90 Pf. beträgt. Sodann nimmt Dr. Salzberger- Erfurt das Wort zu seinem Vortrage: Der Jugendg o t t e s d i e n st, als dessen Resultat Redner folgende vier Thesen nnsstellte: 1. Um den Religionsunterricht wirksam zu unterstützen und in Anbetracht dessen, daß die israelitische Jugend infolge des Schulbesuchs am Sabbat am Hauptgottesdienste nicht teilnehmen kann, ist die Einführung eines Jugendgottesdieitstes dringend geboten. 2. Derselbe soll mit Ansnahme der Serien ivährend des Winters am Sabbat Nachmittag, während des Sommers zu Eingang des Sabbats stattfinden mit Zugrundelegung der für diese Zeit üblichen Oiebete. 3. Neben den traditionellen hebräischen Oiebeten soll der Olottesdienst tiiindestens ein deutsches Lied und eine kurze, dem jugendlichen Fassungsvermögen, augepaßte Predigt enthalten. 4. Die aktive Teilnahme am Oiottesdiensie soll dadurch erzielt werden, daß die Schüler möglichst viele Oiebetslücke im Ehore absiugeu. Die Thesen wurden einstimmig angenommen. Bei der nunmehr erfolgten Vorstandsivahl werden für die nächtzen drei Jahre durch Akklamation die Herren: Dr. Salzer zum Vorsitzenden, Steinhardt-Magdeburg zum Stellvertreter und Heilbrunn-Oiehnus zum Kassierer wiedergewählt. Ein Antrag auf Statutenänderung wird zurückgezogen, und soulit in die heutige Tagesordnung ersechöpft. Am zweiten Versammlungstage hielt 'Herr Popper- Mühlhausen eine Vehrprobe „über das Oiebet" in der .Oberstufe. Bon einer Besprechung derselben wird zunächst abgesehen, und das Wort ergreift Steinhardt-Magdeburg zu seinem Vortrage: Die Aufgaben des zu begründenden D. I. V. B. Redner charakterisiert in der Einleitung unser Jahrhundert als das Jahrhundert des Vereinslebens. In dem sich immer schwieriger gestaltenden Kampfe ums Dasein scheine es in der Thal, als ob das Einzelwesen gar nicht mehr die Kraft, das Vermögen habe, sich zu behaupten, sondern daß nur eine starke wohlorganisierte Oiesamtheit den Preis.zu erringen vermöge. Das hätten in unserm deutschen Vaterlande längst alle Stände und Berufsarten eingesehen und folgerichtig sich zu großen, das ganze Vaterland umfassenden Verbänden zusammengeschlosien; nur die jüdische Lehrerschaft sei noch immer lässig und glaube es mit den Worten des Dichters halten zu müssen. „Der Starke ist am mächtigsten allein". Redner polemisiert sodann gegen diejenigen Vereine, die auch jetzt uoch, nachdem der Oiemeindebund in dankenswerter Weise die Initiative ergriffen habe, lässig beiseite stehen, ja sogar teilweise geradezu feindselig gegen den geplanten Verband aufgetreten seien (so z, B. der Aufruf im „Israelit" von einigen Lehrern des Oirotzherzogstnms Hessen)- und geht sodann zum Thema über, daz^ er in etwa einstüudiger "siede auf gründlichste Weise erschöpft und zwar an der Hand zweier Fragen: 1) Wo thut dem jüd. Lehrerstande Hilfe not? und 2) wie kann er sich diese Hilfe selbst erringen? Hilfe thue not auf allen Oiebieten. Rur ein kleiner Bruchteil der jüd. Lehrer befinde sich in staatlicher Stellung, alle übrigen im Dienste der Oieineinde, manche als Elementarlehrer, die meisten als Religionslehrer. Das Los der letzteren fei das härteste. Ihre Wirksamkeit erstrecke sich auf eine Privatschule, die gewöhnlich mit drei Nebeln behaftet ist: mangelnder Respekt, mangelnder Schulbesuch, und als Folge dieser beiden, mangelhafte Leistung. Des Lehrers bessere Absiechten würden häufig durch einen aus Laien zusammengesetzten Schulvorstand durchkreuzt, in welchem man ihm Sitz und Stinnne verweigere. An einem energischen Durchgreisen hindere ihn das Damoklesschwert der Kündigung. Von materiellen' Sorgen sei fein ganzes Leben erfüllt, mangelhafte Besoldung, keine Pensionsberechtigung, keine Verfornng der Hinterbliebenen. Um fein Leben fristen zu tonnen, müsse er zu Nebenämtern greifen; wenigstens sei mit seinem Berufe das Vorbeter- oder auch gar das Schächteramt verknüpft. Auch das ersiere Nebenamt habe dem jüd. Lehrerslande sehr geschadet; bei Vakanzen würden weder Alter noch Tüchtigkeit berücksichtigt, lediglich das beste Organ entsct)eide. „Nur das Lied, das ans der Kehle dringt", bemerkte Redner in drastischer Weise, „sei Lohn, der reichlich lohnet". Aber trotz des einen oder anderen "Nebenamtes reiche die Besoldung nicht aus, um die Existenz zu fristen, stets müßte erst noch eine ergiebige private Thütigkeit aushelfen. Wohl möchten manchmal kleine Oiemeinden ihre Lehrer besser situieren, wenn es ihre Finanzkraft erlaube, meistens aber liege es nur an dem Mangel an gutem Willen der Oiemeinden; denn gerade in den großen Oiemeinden lasse die Lage der Lehrer alles zu wünschen übrig, und hierfür fehle es wahrlich an jeder Entschuldigung. Für alles sei Oield vorhanden, nur uicht für die Besserstelluug des Lehrerstandes. Viel besser ergehe es den Elementarlehrern im Oiemeindedienste auch uicht; auch bei den stactlich angestellten Lehrern seien manche Wünsche, nainentlich hinsichtlich der

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