Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-06-28 · 26 (28.6.1895) · p. Seite 421

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
Seite 421 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4794838-9608360-9608713--0562-9608726
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 2(5. I c f c§ u r u n. Seite 427. er die Führung der deutschnationalen Antisemiten niederlege und aus der Partei anstrete, da die Partei durch Untreue, Abfall, Wortbruch und verrat im eigenen Lager dem Untergang geweiht fei. — Sie werden |id) vertragen! - In einem Wiener Blatte werden die Israeliten aufgefordert, sich an der Propaganda für die bevorstehenden Gemeinderatswahlen und dann auch an diesen selbst rege zu beteiligen. Es gelte. Den Antisemiten den Weg zu versperren. Die Parteiverhältnisse hätten sich geklärt: „Der blasse Liberalismus ist von der Koalition ebenso totgeschlagen worden, wie der Klerikalismus vom Antisemitismus - „was liberal war, ist demokratisch, und was klerikal war, ist antisemitisch!" — Am 18. b. M. fand in Wien die diesjährige (fünfte) ordentliche (Generalversammlung des Abwehrvereins statt. Eine große Zahl brieflicher Zustimmungen ans dein Inuub Anstande gelangten zum Beginne zur Verlesung. Besonderen Beifall erregten die Zuschriften deS Barons Leitenberger. deS Konsistorialrats Dr. Schöpf u. a. Der Vorsitzende Baron von Suttner hob in seinem Tätigkeitsberichte hervor, daß alle seitens des Präsidiums im Vorjahre eingelciteten Schritte, von oben eine Unterstützung der vom Vereine hochgehaltenen Bestrebungen zu erwirken, erfolglos gewesen seien. Dem Worte Antisemitismus gehe man auf der Regierungsbauk mit größter Vorsicht ans dem Wege, und wenn einmal schon ein roher Exzeß verurteilt wird, dann werden die gespannt ans die ministeriellen Erklärungen harrenden Staatsbürger aus den Worten des Ministers nicht klug, und wissen nicht, sind mit dem Tadel die Oöfcn] Sozialisten oder die Antisemiten gemeint. Der Verein sei unter solchen Umständen ganz ans sich angewiesen, und so arbeite er emsig und still fort, hauptsächlich daraus bedacht, die Massen für sich zu gewinnen. Die Mitgliederzahl stieg ans 4520, wenn jedes derselben die Intentionen der Vereinsleitung nach besten Brüsten unterstütze, dann tverden die Früchte der Thätigkeit nicht auSbleiben. Gemeinde, Synagoge und Schule. * Berliner Nachrichten. Am 4. d. Mts. findet die Einweihung des vom Stadtverordneten Herrn Louis Sachs gestifteten S ch westernheims (Auguststr. 16) statt. Die Einweihungsrede wird Herr Dr. Ungerleider halten. — Herr Geheimrat Prof. Lazarus, hat sein Amt als Vorsitzender im Kuratorium der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums niedergelegt. — Herr Willp Heß liefert nun das letzte Material zu der brennenden Frage: „Der jüd. Religionsunterricht in Berlin." Er stellt fest, daß 1896/4 die städtischen Gemeindeschulen von 1659 Knaben und 1747 Mädchen besucht waren. Von diesen 6606 jüd. Bindern) jetzt betrügt die Zahl 6469) haben etwa 2500 Gelegenheit an einenr jüd. R.-U. teilzunehmen. Daß die 1018 Schüler und Schülerinnen, die die beiden Elementarschulen der jüd. Gemeinde besuchen, solchen Unterricht genießen, ist ja selbstverständlich. In den 6 Religionsschulen der^Hauptgemeinde und 14 der Privatgemeinden werden 2147 Zöglinge beiderlei Geschlechts unterrichtet. Das Schlußergebnis des gesammelten Zahlenmaterials ist nun folgendes: Im Schuljahre 1896/4 (spätere Zahlen liegen nicht vor) ivnrden die hiesigen Schulen von 11790 Schülern besucht, von diesen haben 7826 Gelegenheit, in ihren Schulen einen Unterricht in unserer Religion zu empfangen, während 4046 Bindern diese Gelegenheit fehlt. Die speziellen Religionsschulen werden von 2147 Bindern besucht. — Diesem wichtigen Kapitel sei demnächst ein besonderes Kapitel gewidmet. - Die Bewegung in der hiesigen Gemeinde scheint auch im Au Stande Aufmerksamkeit zu erregen. Das bekannte hebräische Tageblatt „Hezephira" in Warschau unterhält hier seit kurzem einen ständigen Korrespondenten, der über Berliner Gemeindeverhältnisse berichtet. Der erste „Brief auS Berlin" ist in den Ruinmern 107/8 des gen. Blattes abgedruckt; er behandelt „den Zentralverein für die Interessen der jüd. Gemeinde und seine Entstehung", und macht durch das Streben nach Objektivität einen guten Eindruck. Einige Ungenauigkeiten sind dem Korrespondenten, Herrn L. Winz, mit unterlaufen, die wir hier richtig stellen wollen. Der Herr Korrespondent läßt der Entstehung des Zentralvereins eine blutige Schlägerei im (Brand Hotel voraufgehen, in welchem anläßlich der hohen Feiertage der eine Saal in ein Gotteshaus verwandelt, während der hart anliegende Raum von nichtjüdischen Zechern ztl profanen Zwecken benutzt wurde. In diesem Hotel soll nun anr Roschhaschanah eine Kollision zwischen den andächtigen Betern und den höhnenden Zechern stattgefunden haben. Dieses Gerücht entbehrt der Begründung. — Ferner tadelt der Herr Korrespondent an dem Zentralverein die geringe agitatorische Kraft, die er angeblich bis vor einigen Monaten entfaltet, und die Heimlichkeit, in die er stets feine Verhandlungen gehüllt habe. Dieser Vorwurf ist nicht gerechtfertigt. Der Zentralverein hat alljährlich in der Zeit voin Januar bis April fünf, tind beim Auftauchen wichtiger Fragen weitere außerordentliche Versammlungen, die sämtlich öffentlich waren, abgehalten. Eine starke Agitation hat der Verein vor den Repräsentantenwahlen, als der einzig geeigneten Zeit, stets entfaltet, und somit das gethan, was er thun sollte. — Der nächste Brief wird, wie in dem vorliegenden ersten angekündigt, sich mit dem liberalen Verein beschäftigen. Die Nachfrage nach den nächsten Rnmniern des hebräischen Blattes wird im liberalen Verein sicherlich horrend sein! *y Das Protokoll der am 8. d. M. stattgehabten Versammlung des Vereins jüd. Lehrer für Schlesien und Posen liegt nunmehr gedruckt vor. Aus demselben ist ersichtlich, daß die Versammlung die Bundesfrage mit größtem Ernst behandelt. Es wurde beschlossen: 1. der Bund solle den Namen „Verband der jüd. Lehrervereine des Deutschen Reiches" führen; 2. er solle nicht domiziliert sein; 8. auf je 25 Mitglieder eines Vereins solle ein Delegierter kommen. In einer Polemik gegen den sogenannten D. R. j. R. führte Prof. Dr. Ba dt-Breslau u. a. folgendes aus: Rur ungern ergreife er in dieser Sache das Wort, das vielleicht, ja wahrscheinlich, ein angenehmes Mitglied unangenehm berühren werde. Aber er folge der gebieterischen Stimme der Pflicht und seinem Bedürfnis, gegen jedermann offen zu sein. Er halte die Gründung des D. R. j. R. mit ihren uferlosen Plänen, besonders aber mit ihren Sammlungen für ein Projekt von sehr zweifelhaftem Werte nicht nur für überflüssig, sondern geradezu für gesährltch. Er müsse eind ringlich davor warnen, dem Vereine beizutreten, oder die von ihm veranstalteten Sammlungen zu fördern. Das könne nur zum Nachteil der bisher bestehenden Einzelvereine und ihrer Institute ausschlagen. Die dem Verbände gesteckten Ziele seien ja, soweit sie praktisch, bereits Ziele teils der Einzelvereine, teils des in Aussicht genommenen Verbandes jüdischer Lehrervereine im Deutschen Wcidn1. Dr. Badt schloß mit der wiederholten Ri a h n u n g,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.