Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 26 (28.6.1895)
- Date
- 1895-06-28
- Page
- Seite 417 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26. Jefcyrrrun. Seite 4-17. Gutes. Die meisten Mitglieder sind junge Leute, welche sich zu Zwecken des gegenseitigen Meinungsaustausches und des geselligen Verkehrs versammeln, und man hegt die Erwartung, daß die Gemeinde einen wesentlichen Vorteil daraus ziehen wird. In Verbindung mit der Gesellschaft steht ein Lesezimmer; im Jahre 1891 wurde eine kleine Bibliothek eröffnet, welche einen zusriedenffellenden Fortschritt macht; jedoch fehlen dem VorstandSkomitö die Mittel, die Bücher zu vermehren, und wir ergreifen diese Gelegenheit, die dringende Bitte an alle jüdischen Autoren, Verleger und Eigentümer von Zeitungen in Europa und Amerika zu richten, uns unter die Arme zu greisen dadurch, das; sie der Bibliothek Werke zum Geschenk machen, welche speziell aus die jüdische Geschichte, Religion und Litteratnr Bezug haben. Das Lesezimmer in Parn befindet sich in ähnlicher Lage. Unter den Auspizien derselben Gesellschaft wurde in Bombay ein Mäßigkeitsverein ins Leben gernsei;, um dem Umsichgreifen der Ummüßigkeit Einhalt zu bieten. Unter den Wohlthätern der Beni Israel-Gemeinde von Bambay steht obenan die Anglo - Jewish - Association, welche, wie mitgeteilt, eine Erziehungsanstalt begründet hat und seit zwölf Jahren unterhält. Aber die hochherzigen Leistungen dieses Vereines reichen nicht aus, und wir appellieren an die Menschenfreundlichkeit der Brüder in Europa und Amerika, unserer armen Gemeinde mit hilfreicher Hand beizustehen. Zu den dringendsten Bedürfnissen der Gemeinde gehören die nachstehenden: l. Ein Erziehungssond, um tüchtige junge Leute zu unterstützen, welche ihre Studien sortzusetzen wünschen, jedoch infolge ihrer beschränkten Verhältnisse nicht in der Lage sind, dies zu bewerkstelligen. 2. Eine Heilanstalt für die Armen. 8. Ein Bau - Verein nach dem Prinzip-? ähnlicher englischer Vereine. Die Mietpreise sind in Bombay sehr hoch, und da die Mehrheit der Beni Israel sehr arm ist, sind sie gezwungen, in ungesunden Häusern sehr enge zusammen zu wohnen. Dies hat natürlich einen wenig erfreulichen Einfluß in moralischer und physischer Beziehung, und ein Bau - Verein, wie ihn die Parsen-Gesellschast kürzlich in Bombay gegründet, würde einen ungeheuren Nutzen bringen, da hierdurch für anständige Wohnhäuser und mäßige Miete gesorgt wird. Das ist nach unserer bescheidenen Ansicht eines der dringendsten Bedürfnisse unserer Gemeinde, lind ivir geben nils der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß unsere wohlwollenden Glaubensgenossen in Europa und Anlerika uns in dieser Hinsicht zur ^eite stehen werden. „Gesegnet ist, wer die Armen unterstützt," lind ivir hegen das Vertrauen, daß unsere Brüder in der Ferne die Hilseruse einer kleinen Gemeinde nicht unberücksichtigt lassen werden, welche durch denselben Glauben und dieselben Verheißungen mit ihnen verbunden ist. Feuilleton. Drr Kaiidkl um dt« llninrn. Von Sncher-Masoch. < Schlich.) A-nil) am Morgen erwachte der brave "Alaun mit einem strahlenden, glückseligen Antlitz und begann feierlich: „Frau, minder, kommt alle zu mir, jetzt Hab' ich ihn, den Rainen. Gold und Edelsteine gehören den Reichen,^, aber die Sonne, die Gott über uns alle leuchten läßt, gehört auch den Armen. Ich werdeZmich — Sonnenglanz nennen. Ist das ein Name, was?" Alle staunten ihn an, und keine Stimme erhob sich dagegen. Absalon fuhr rasch in seine Kleider und stand wenige Augenblicke später vor dem Thore des Kreisamtes, genau zwei Stunden, ehe dasselbe geöffnet wurde. Ihm war ganz eigentümlich leicht und vergnügt zu Mute, als er endlich in die große, düstere Kanzlei eingelassen wurde und sich unter immerwährenden Bücklingen auf den Fußspitzen dem Kanzlisten Krummholz näherte und denselben bei seinem grünen, mit Hunderten von Tintenkleren übersäeten Schreibärmel zu zupfen begann. „Was willst Du?" schrie ihn der Kanzlist an. — „Was soll ich wollen," sagte Absalon, „bin ich doch nur gekommen, weil der Kaiser befohlen hat, daß wir arme Juden sollen bekommen schöne "Namen wie die Christen." — „Ja so; also wie soll man Dich denn nennen?" — „Wenn der Herr Kanzlist nichts dagegen haben, so möchte ich Sonnenglanz heißen." — „Wie? Was?" riesen die Beamten durcheinander. „Sonnenglanz?" wiederholte der Kanzlist, „glaubst Du, daß man so mir nichts, dir nichts Sonnenglanz heißen kann? Kannst Du Dir etwa so einen Luxus gestatten? So ein Name kostet hundert Gulden, hast Du vielleicht hundert Gulden?" — Die Beamten lachten alle zugleich. Absalon schlich beschämt davon und kam betrübt nach Hause zurück. — „Also haben sie Dir gegeben den Namen Sonnenglanz?" fragte Rachel. — „Soll ich geben hundert Gulden?" ries Absalon weinerlich, „und möcht' ich sie geben, so Hab' ich sie nicht; wir können nichts bezahlen für einen Namen, wir müssen zufrieden sein mit einem Namen, der so arm ist wie mir selbst. Was ist ein "Name? "Nicht die Stelle ehrt den Mann, sondern der Mann die Stelle, sagt der Talmud; so ist es auch mit dem "Namen." — „Willst Du uns anthun die Schande," rief Rachel, „daß wir sollen bekommen einen schlechten Namen? Willst Du sparen Dein Geld bei einer so wichtigen Sache? Wenn Du nicht kannst geben hundert Gulden, so gieb einen Dukaten oder zwei, und Du wirst bekommen einen schönen Namen." — „Nicht einen Zwanziger geb' ich ans für ein Ding, welches so wertlos ist wie ein Name." — „So sprichst Du jetzt, Tateleben," rief Estcrka, „vorher hast Du gesprochen ganz anders." — „Selbst die Vögel in der Luft verachten den Geizhals," rief Rachel, „wenn Du willst geben einen Dukaten, so will ich geben den zweiten, was ich Hab' versteckt in einem alten Strumpf." Und nun begannen alle zugleich zu schreien, zu flehen, zu beschwören, und Rebekka weinte sogar. Absalon wurde weich und erklärte sich schließlich bereit, für zwei Dukaten einen "Namen zu kaufen. „Weißt Du was, Rachelleben, wenn die Sonne kostet so viel, so werden wir uns begnügen mit einer Kerze, die auch leuchten thnt, wenn auch nicht so stark und schön. Und so will ich in Gottesnamen heißen Kerzenschein." — Wieder erschien Absalon im Kreisamte, wieder zupfte er den Kanzlisten beim Aermel, nur war er so vorsichtig, diesmal einen Dukaten auf die Ecke des Schreibtisches zu legen und dann erst in aller Demut um den Namen Kerzenschein zu bitten. Die Beamten aber lachten ihn einfach ans. „Was glaubst Du," sprach der Kanzlist würdevoll, „Kerzenschein ist noch immer ein Name, der mindestens fünf Dukaten wert ist, hast Du vielleicht fünf Dukaten, Abfalon?" — Absalon seufzte und legte zu dem ersten Dukaten bedächtig einen zwei-