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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-06-28 · 26 (28.6.1895) · p. Seite 415

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
Seite 415 (sequence 7)
Language
German
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Br. 26. A e l (6 u t u it. Seite 415. oder morgen 4Losch Haschanah sei, herrschte gor selcht in Jerusalem, dem Sitze des hohen Gerichtshofes, und in noch höherem Mähe außerhalb Jerusalems, besonders in Babylonien, Persien, Egypten und überall, wo Inden zerstreut lebten. 'Wenn man aber nicht gewußt, ob heute Bosch Haschanah ist oder nicht, warum sollte man den Sabbat entweihen lassen dieses zweifelhaften feiertags wegen! Daß an diesem Tage Sabbat ist, umr sicher; ob an diesen! Tage Bosch Haschanah ist, das war noch fraglich, mußte nun nicht mehr Rücksicht genommen werden auf den bestimmten Sabbat als auf den zweifelhaften Bosch Haschanah! Hätte Herr Wiener einen Blick in 'Bachmanides „Milchamoth Hafchem" znm Traktat Sueeoth P. IV. geworfen, (ebenso Alsasi und Babbenn Bissim daselbst) und dort die Begründung «spar p’m Npecö" gelesen, er hätte sich die Blamage und uns den Schmerz erspart, einen Rabbiner aut solchen Irrwegen zu sehen. Was aber Alsasi und Bachmanides vom Schofnr sagen, das betont der Talmud (Sueeah43a) ausdrücklich vom Lulaw: man benutzt den Lnlaw deshalb nicht ain Sabbat, weil «Nmn ay'apz py? «p«! Was Herr Wiener im allgeineinen sagt: Wenn der erste Tag des siebenten Monats auf einen Sabbat fällt, so unterbleibe das, denn man könnte den idut re." ist unrichtig, denn die Mischnah sagt ausdrücklich (Bosch Haschanah iV.1i: „Wenn der erste Tag Bosch Haschanah ans einen Sabbat fällt, hat man im Heiligtum, d. h. nach Mamonides in ganz Jerusalem, in die Posaune gestoßen; aber nicht außerhalb Jerusalems. Erst nachdein das Heiligtum zerstört worden ist, hat B. Jochanan ben Sakkni angeordnet, daß auch außerhalb Jerusalems, - überall wo ein Gerichtshof Bet Diu vorhanden, am Sabbat in die Posaune gestoßen werde." Solange also nur einigermaßen geordnete Zustände herrschten und das religiöse Leben nicht durch äußere feindliche Berhältnisse getrübt und gehemmt wurde, hat man stets auch am Sabbat Bosch Haschanah in die Posaune gestoßen. Daß später, im zweiten Jahrhundert unter der Hadrianischen Verfolgung, im dritten Jahrhundert unter der Herrschaft der grausamen Parsen, im vierten Jahrhundert unter der Tyrannei des Kaisers Konstantin, daß da, wo das religiöse Leben des jüdischen Volkes so vielfach gestört wurde und von einer regelmäßigen Festsetzung des „Neumondes" keine Bede mehr sein konnte, daß man des zweiselhasten Festtages wegen den Sabbat nicht entweihen wollten, iver wird und kann sich darüber wundern! Daß unsere Weisen der Heiligkeit des Bosch Haschanah mit seinen! Schosar zu schätzen wußten und ihn nicht des Sabbats ivegen vernachlässigt und gering geschätzt — beweist ja, daß selbst den Zeugen, die da aussagten, wann und an welchem Tage Bosch Haschanah ist, zur Pflicht gemacht wurde den Sabbat zu entweihen, damit sie zur rechten Zeit eintreiren und man erfahre, rvann sie den Neumond gesehen. Wenn aber die Mischnah (Bosch Haschanah l 4) bezüglich dieser Zeugen sagt „Mechalelin es haschabbos" sie müssen auch den Sabbat entweihen, damit man zur rechten Zeit erfahre, wann Bosch Haschanah ist, wein will Herr Wiener den Nonsens einreden, daß der Talmudisnins religiöser als die Bibel zu sein und des Sabbats wegen ohne Ursache das Fest mit seinen Zeremonien ignorieren wolle! Wie gesagt, hätte Herr Wiener die Kommentatoren Bachmanides Alsan gelesen, er würde die Schmähung gegen die Lehrer Israel gewiß unterlassen haben. Wir machen aber gar keine so großen Ansprüche! Wir beanspruchen gar nicht von Herrn Wiener, daß er die schwierigen!, nicht jederinann zugänglichen Konnnentatoren lese und stch in talmndische Studien vertiese; aber ein Blick iu_ den Jernsalemischen Talmud wird ihm ja ganz dasselbe sagen, ums Bachmanides sagt und ihn überzeugen, daß die Weisen Israels denn doch nicht so unwissend und anmaßend stnd, wie der gelehrte Herr Wiener — glaubt. Im Jerusalemischen Talmud Bosch Haschanah P. IV. H. I. S. 34. heißt es wie folgt: „Die Mifchnah lehrt: „Wenn Bosch Haschanah auf Sabbat fällt, dann stößt uian im Heiligtum in die Posaune; außerhalb Jerusalems aber nicht. Warum? Wodurch unterscheidet sich Jerusalem von anderen Crten? Und die Antwort lautet: Es heißt in der Schrift (3. B. M. 23. 24) „Jni siebenten Monate, den ersten des Monats", wann aber dieser erste Tag des Monats ist, das wußte man nur in Jerusalem, am Sitze des hohen Gerichtshofes; an anderen Orten wußte inan nicht, wann der erste Tag ist und deshalb durste inan eines zweiselhasten Festtages wegen den Sabbat in keinerlei Weife entweihen. Blau sollte doch wenigstens, bemerkt der Talmud weiter, an den benachbarten Orten, wo inan bald erfahren hat, wann der erste Tag ist, am Sabbat in die Posaune stoßend 'Bein, lautet die Antmort, es heißt in der Schrift (Jbid. 25) crzipm „Ihr sollt ein Feneropser darbringen", also nur an der Stätte, wo man Feueropser darbringen kann, im Heiligtum, da kann man am Sabbat in die Posaune stoßen, anderswo aber nicht. Babbi Jochanan ben Sakkais Anordnung, daß überall, wo ein Bet Din existiert, am Sabbat in die Posaune gestoßen werde, ist demnach rabbinisch, denn biblisch soll man am Sabbat nur da in die Posaune stoßen, wo uian den Festtag ganz und voll — mit Opfern — feiern kann Wir empfehlen diesen Jeruschalmi Herrn Wiener und hoffen, daß er ihn von seiner Krankheit, alles zu verhöhnen, heilen werde. Pc iicni Israel in iloinban Bon A brahain Aron Kehimkar, Bombay. Für Altertumsforscher und sämtliche Juden der Welt ist durch die kleine Gemeinde, welche als Beni Israel in der Residenz Bombay in Indien bekannt ist, ein Feld von besonders lebhaftem Interesse erschlossen worden. Wann die Juden an diesen (Gestaden landeten, wie sie dahinkanien, woher sie kanren, ob sie von reiner Abkunft waren oder nicht — diese und ähnliche Fragen werden stets den Forscher beschäftigen. Ein christlicher Schriftsteller, Bev. I. H. Lord, saßt die Theorien über deren Einwanderung in Boinbay folgendermaßen zusammen: 1. Bach der Ansicht des Dr. Wilson, eines Missionars der „freien Kirche von Schottland", repräsentieren sie eine Abzweigung der großen Geineinde von Juden im „glücklichen Arabien", welche ihre nächsten Bachbarn sind und nahe einer Küste wohnen, die zu jeder Zeit Handelsverbindung mit Indien unterhielt. Dr. Wilson vermutet somit, daß die Physiognomie der Beni Israel auf eine Verbindung sowohl mit Abrahamiten wie mit arabischem Blute hindeutet. 2. Eine zweite Theorie nimmt an, daß die Beni Israel vom persischen Golf hergekommen sein mögen und

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