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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-06-21 · 25 (21.6.1895) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
25 (21.6.1895)
Date
1895-06-21
Page
Seite 404 (sequence 16)
Language
German
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Seite 404. Jefchurun. Nr. 25. schloß er seinen höchst belehrenden Vortrag, der von den Mitgliedern der Vereinigung und den zahlreichen Kästen mit lebhaftem Beisall ausgenommen wurde. -k * Aus Elberfeld wird uns unterm 10. Juni geschrieben: Der letzte Vortragsabend unseres Mendelssohn-Vereins war außerordentlich zahlreich besucht, was seinen Grund darin batte, daß es dem Vorstände gelungen war, Herrn Redakteur I. Mansbach er aus Berlin als Redner zu gewinnen. Herr Mansbacher, welcher srüher längere Jahre an der hiesigen „Elberselder Zeitung" als Redakteur thätig war, hat sich durch verschiedene sehr gediegene Vortrüge, die er im Verein gehalbn und durch sein reges Interesse, welches er für unsere gute Sache stets bekundet, große Verdienste um unseren Verein erworben, weshalb er denn auch bei seiner Uebersiedlung nach Berlin zum Ehrenmitgliede unseres Vereins ernannt wurde. „Arbeit und Arbeiter im Altertume" — so lautete das Thema, über welches Herr Mansbacher aus Wunsch des Vorstandes sprach und dessen Inhalt — den ich selbstredend nur in aller .Stürze hier wiedergeben kann — auch die Leser Ihrer geschützten Zeitung interessiren dürfte. Die Erscheinungen der Gegenwart — so ungefähr führte der Redner aus — haben ihre Begründung in der Vergangenheit. Sie können daher in dieser Beleuchtung voll.verstanden werden. Beispielsweise ist dieses der Fall bezüglich der Wertschätzung der Arbeit, insbesondere der körperlichen, über die in der Gegenwart so ungeheuer viel geredet und geschrieben worden. Grade aber für die Bekennerdes Judentums ist dieses Thema von ganz besonderem Interesse, weil zu den zahlreichen Lügen, die in den letzten Jahren antisemitischerseits gegen uns geschleudert werden, auch diejenige immer und immer wiederkehrt, die Juden seien niemals ein Volk der Arbeit gewesen, sondern Hütten zu allen Zeiten nur den Handel zc. betrieben. Da verlohne es sich denn an der Hand der Geschichte die Anschauungen einmal Revue passieren zu lassen, die bei den Kulturvölkern des Altertums bezüglich der körperlichen Arbeit herrschend gewesen und diejenigen anschauungen ihnen gegenüber zu stellen, welche bei den Juden die Ausschlaggebenden waren. — Und nuu gelangten die Geisteshereu der Griechen und Römer Plato, Cato, Sokrates rc. nach einander zu Wort, eine Sammlung von Eitaten, die jedem den Beweis erbringen mußte, daß die Wertschätzung der körperlichen Arbeit dort eine absolut niedrige war, der gegenüber der Redner stolz auf die entgegengesetzte Hinweisen durfte, welche das jüdische Volk auszeichnet und über die kein geringerer als Franz Delitzsch das herrlichste Urteil gesprochen hat. Der Vortrag schloß mit einem Appell an die Hörer, der Ehrenpflicht zu genügen, für die Wiederbelebung "des Handwerks unter den Juden mit allen Kräften thätig zu sein, selbst und obgleich die augenblickliche Lage des Handwerks nicht grade glänzend sei. — Reicher, allseitiger Beisall lohnte den Redner, der uns hoffentlich noch recht oft durch weitere Vorträge erfreuen werde, welchen Wunsch auch der Vorsitzende, Herr Hermann Strauß, dem Redner gegenüber aussprach und der auch von dem zahlreichen Auditorium, das sich zu Ehren des Vortragenden von seinen Sitzen erhob, geteilt wurde. M. L. Wetzstein. * Rheinischer Rabbiner-Verband. Man schreibt uns aus Godesberg am Rhein: Am 4. d. M. hatten sich hier sämtliche Rabbiner der Rheinprovinz, soweit dieselben eine (Gemeinde vertreten, eingesunden, um einen Provinzial-Rabbiner- Verbaud zu gründen. Anwesend waren die Herren Dr. Dr. Auerbach-Elberfeld, Frank-Cöln, Horowitz-Creseld und Jaulus-Aachen als Eiuberuser, ferner: Baßsreund-Trier, Eohn-Bonn, David-Düsseldorf, Koch-Barmen, Samuel- Essen, Singer-Eoblenz und Tawrogi-Kreuznach. Rach Eröffnung der Sitzung wurde Dr. Horowitz zum Leiter der Versaunnlung, Dr. Frank zum Stellvertreter gewählt; Dr. Dr. Samuel und Koch werden zu Schriftführern berufen. Dr. Horowitz begrüßte sodann die Erschienenen, anknüpfend an den Schristvers Jes. 57, 19. Redner stellte fest, daß die Gründung des Verbandes lange geplant gewesen und eine Forderung der Zeit sei, und daß dieselbe nur von segensreichen Folgen begleitet sein könnte. Alsbald trat die Versaunnlung, laut Tagesordnung, zur Festsetzung der aus wenige knappe Sätze beschränkten Statuten. Aus denselben seien folgende hervorgehoben: „Zweck des Verbandes ist die Behandlung gemeinsamer religöser unb Rabbinatsangelegcnheiten. Mitglied des Verbandes kann jeder in einer Gemeinde der Rheinprovinz oder der benachbarten Provinzen augestellte Rabbiner werden." Um jeden Keim des Zwiespalts zwischen Amtsbrüdern nicht aufkonunen zu lasten, ohne jedoch dem Verbände die Möglichkeit zu rauben, auch zu religiösen Streit- und ZParteitragen Stellung zu nehmen, beantragte Dr. David folgenden Zusatz zu $ 1: „Beschlüsse über religiöse Parteisragen können nur mit Zustimmung sämtlicher Mitglieder des Verbandes gefaßt werden." Derselbe wird zwar nicht ins Statut ausgenommen, jedoch als Resolution angenommen und protokolliert. — In der Nachmittagssitzung wurden folgende Anträge gestellt: 1. Dr. Singer-Eoblenz: „Ich beantrage, bestimmte Sphären — am besten aus Grundlage der RegierungS- und Kreiseinteilungen der Provinz — abzugrenzen; diese dem nächstwohnenden Rabbiner sürReligionsschulprüsungen, beziehungsweise rabbinische Amtshandlungen, derart zu überweisen, daß kein anderer Rabbiner in diesem Teile obige Funktionen ohne Genehmigung des Ersteren übernehmen darf." — 2. Dr. Frank- Eöln: „Der rheinische Rabbinerverbaud beschließt, seine Wirksamkeit vorzüglich aus die Erteilung des Religiosunterrichtes in kleinen, nicht leistungsfähigen Gemeinden zu richten und die erforderlichen Schritte zu thun, mn die Mittel dazu aufzubringen." In Verfolg beider Beschlüsse wird eine Kommission von 9 Mitgliedern niedergesetzt und mit der Ausführung betraut. Leider muß wegen vorgerückter Zeit ciu von Herrn Dr. Jaulns angekündigter Vortrag ausfallen. Als Vorstand bezw. geschüstssührenden Ausschuß iverdeu die Herren Horowitz, Frank und Samuel geivählt und Godesberg zmu Ort der nächsten Jahresversammlung bestimint. Die Sitzung, die um 772 Uhr geschlossen ward, hinterließ in allen Teilnehmern einen wohlthuenden und bedeutenden Eindruck, und das Gefühl, daß hier ein für die beteiligten Rabbiner wie für die Gemeinden und das Judentum überhaupt uutz- und heilbringendes Werk zustande gekommen sei, dem der Segen Gottes nicht fehlen werde. O1'- * Der „Lotterie-Prozeft" in Hörde. Die Straf kammer in Dortmund hatte, wie wir seiner Zeit berichteten, Mitglieder des Spnagogenvorstandes in Hörde wegen Veranstaltung einer Lotterie ohne obrigkeitliche Genehmigung zu je 80 Mk. und wegen Stempelhinterziehung zu je 2o00, im ganzen zu 17,500 Mk. verurteilt. Zum Zwecke der Erbauung einer Synagoge wollte der Vorstand eine Ausspielung von geschenkten Gegenständen unter den Angehörigen der Gemeinde veranstalten. Er war der Meinung, die Sache lasse sich ohne weiteres machen, zumal auch die Ortsbehörde

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