Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 25 (21.6.1895)
- Date
- 1895-06-21
- Page
- Seite 401 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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MM--! -W Nr. 25. I e f u r u n. Seite 401. er. „A'iir eine Enkelin eines armen Schluckers von einem Edelmann wird sie auch so viel können. Es ist besser, dast das Kind in irischer Vuft Purzelbänine schlage und aus die M Bäume kletterte. Meine Wanda ist eine Polin, nicht eine adrette Französin oder eine gelehrte Deutsche. Allzugrotze (Gelehrsamkeit verdirbt ein Frauenherz." - (Fortsetzung folgt.) Wochen-Chronik. Bürgerliche Berhältnisse. * Kein Mißverständnis. Die Verfügung in Sachen der jüdischen H 0 s p it a nt innen an den Berliner Volksschulen scheint — leider! kei n Mißverständnis zu fein. Das Provinzialschulkollegium hat in der Thal verfügt, daß jüdische Lehrerinnen überhaupt nur jüdischen Religionsunterricht zu erteilen berechtigt sein sollen, dagegen von allen übrigen Nnterrichtsgegenstünden ausgeschlossen werden müssen. Zugleich hat das Provinzialschulkollegium erklärt, in Zukunft keine Vokation jüdischer Volksschnllehrerintlen mehr erteilen zu wollen. Der vvv v v vvui(yvu|vt;uuvu^y lumv iiivui fw/vvvjvn |l durch den Stadtschulrat Dr. Bertranl absassen lassen, und in der Stadtverordnetenversammlung haben die Stadtv. Virchow lind (Genossen einen Antrag eingebracht, worin der Äcagistrnt um Auskunft ersucht wird, ob und welche Maßnahmen er angesichts der Verfügung des Provinzialschulkollegiums getrosten hat bezw. ergreifen wird, um den in derartigen Anordnungen enthaltenen Verkümmerungen des kommunalen Vokationsrechts und Verletzungen der verfaffungs- und gesetzmäßigen (Gleichberechtigung der Konfessionen entgegen zu treten. Der Antrag ist von 47 Mitgliedern der Versammlung unterzeichnet. * Der Kampf um Dahn. Zu der an einem seiner (Gedichte vorgenommenen antisemitischen Fälschung, über die wir in der vor. Nr. berichtet, hat inzwischen Professor Felix Dahn selbst das Wort genommen, indem er in einigen Tageszeitungen folgende Erklärung veröffentlicht: „Mehrere Wiener und Berliner Zeitungen drucken ein Gedicht von mir: „Gruß an Deutsch - Testerreich" ab, mit dem Zll'av „zu den antisemitischen 'Wahlsiegen in Wien." Dieser Z u sa » ist einc srech e Luge. Das Gedicht ist vor etwa zwölf onliren in Königsberg entstanden, darnach schon gedruckt und nun in der V. Zammliing meiner Gedichte' wieder abgedruckt- Gs entbält durchaus keine Beziehung ans Inden" Bezeichnend in jetzt das Verhalten der gebrandmarkten antisemitischen Presse. .Mährend ihr Dahn vor acht Tagen der „große deutsche Dichter und Patriot" gewesen, ist er jetzt nur noch der „süßliche Dichte, (der „süßliche Dichter", der so bittre Wahrheiten sagen kann?!) mit dem erheuchelten Patriotismus", der gar nicht wert ist, daß man gelegentlich eines seiner Gemchte zeitgemäß zusälscht. Diesen Schmerz wird nun der Schilderer des Kampfes um Rom wortlos in seiner Brust tragen müssen. * war einmal. . . Zn dem „(Gebetbuch für aufgeklärte katholi sche E h risten" , hcrausgegebeu von „Philipp Joseph Brunner, der Gottesgelahrtheit Doktor, Reichsstift Ddenheimischen Lchulen-Visüator und Pfarrer zu Diesenbach und Eichelberg, mit Genehmigung des hochwürdigen Vicariats zu Bruchsal", (VII. Ausl., Heilbronn am Neckar, 1B04, Seite 32(1.) findet sich folgendes „Webet für die Juden: Allmächtiger, ewiger Gott! ich flehe zu Dir für das Wohl einer zerstreuten Nation, die so manche» Druck, so manche Verachtung, besonders in der Vorzeit dulden mußte- Ach, das Elend dieser Unglücklichen schien vielen ein Triumph der Lehre Zesu sein, und um diesen Triumph desto glänzender zu machen, vergrößerte mail ihr Elend, und zerstörte in diesem geschäftigen Volke jeden Keim deS bürgerliche» und häuslichen Glückes- Die Religion Jesu wurde ihnen verhaßt, weil so manche Bekenner derselben ihre ewigen und gleichsam geschwornen Tyeiube waren. Nie soll ein so unwürdiger und feindseliger GlaubenSttolz mein Herz verblenden und verderben. Da ich, o mein Gott! von Jesu gelernt habe, daß alle Menschen Brüder sind, so will ich an ihnen die Menschennatnr und die Menschenrechte verehren, die sie mit mir gemein haben: ihr Elend selbst, und ihre bürgerliche Erniedrigung soll mir allezeit die thätigste Begierde einflößen, sie zu trösten, ihr Leiden zu mildern, und sie durch den Anteil, den ich an ihrem Schicksal nehme, von dem betrübenden Schlage ihrer ehemaligen Zerstörung paeder anfznrichten. Amen!" * t Aus Oesterreich - Uugaru Jur österreichischen Abgeordnetenhause überreichte Abg. Dr. Bloch eine Petition des Politischen Volksvereines in Wien, in welcher daraus hingewiesen wird, daß das vom Abgeordneten Schneider seiner in der letzten Sitzung eingebrachten Interpellation beigelegte Flugblatt „Tie Wahrheit über das Judentunr" als ein, teils auf Fälschung, theils aus gröbster Entstellung beruhendes Pasquill zu bezeichnen sei, welches nur fabriziert wurde, um mittelst Irreführung, Lüge und Bethörung den Haß und die Feindseligkeit gegen das Judentum und dessen Bekenner anzufachen unb zu steigern. Der Politische Volksverein bittet das Abgeordnetenhaus, den Justizminister aufzusordern, gegen die Veröffentlichung und Verbreitung dieses wider die jüdische Religions - Gesellschaft gerichteten verleumderischen Pamphlets die Anwendung der bestehenden Gesetze anzuordnen. Dr. Bloch bemerkt, daß das Flugblatt unerhörte Schmähungen und Verleumdungen gegen das Judentum enthalte. Der Verfasser desselben sei im Jahre 1835 vorn Wiener Landgerichte, wegen Betruges, beziehungsweise Dokumentenfälschung zu eitler mehrmonatlichen Haftstrafe verurtheilt worden. Mag nun gerade diese 'Natur des Pasquills und feine Genesis in den Augen derer, welche das Zeugnissälschen beruflich und parteimäßig betreiben, ein Vorzug sein, so dürftet! die traurigen Resultate solcher Schmähprodukte, die Ausschreitungen unb Exzesse in einzelnen Wiener Vororten den Antrag an das hohe Haus rechtfertigen, die vorliegende Petition dem stenographischen Protokolle vollinhaltlich beizndrucken. Dieser Antrag wurde angenommen. — Eine sonderbare Nachricht verbreitet das ungarische Blatt „Fövarosi Lapok". Ein bekannter munisizenter Menschenfreund soll an dem Tage, da das Magnatenhans das Rezeptionsgesetz votierte, eine Stiftung von einer halben Million Gulden mit der Bestimmung gemacht haben, daß die Zinsen dieses Betrages zttr „Einschmelzung der Inden" in das Ungartum verwendet werden sollen. Derselben Quelle zufolge haben die Kommission, welche mit der Ausarbeitung des detallierten Stistnngsbriefes betraut wurde, ihre Thätigkeit bereits begonnen und werde ihr Elaborat schon demnächst vor die Qeffentlichkeit bringen. Dazu bemerkt das Budapester Tagebatt: „Wir halten diese Mitteilung für eine Mystifikation, deren Tendenz kaum erörtert zu werden braucht. Wir können es unmöglich glauben, daß es jenem ungenannt sein wollenden Menschenfreund nicht bekannt sein sollte, dast diese Stiftung eine Insulte für die uttgarländischen Israeliten wäre, welche sich in guten und schlimmen Tagen von jeher ll n /