Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 24 (14.6.1895)
- Date
- 1895-06-14
- Page
- Seite 385 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24. ZescHurun. Seite B85. Der Humanitätsverein (4owul tu uw veranstaltet am Dienstag" 25. d. M., im Hotel König non Portugal eine a n [5 e r 0 rdentli ch e (K e n e r a l V e r f am in l n n g nut einer wichtigen Tagesordnung, woraus >vir die geehrten Mitglieder des HumanitätsvereiuS hierdurch ansmerksam machen. —. Die am Dienstag Abend stattgehabte Rlonatsversammlttng der W i ss e n s ch a s t I i ch e u V e r e i n i g u n g jüdi s ch c r Schulmänner war sehr zahlreich besucht. Herr LandeSrabbiner Dr. Feilch eufeld-Schiverin hielt einen Vortrag über die Methode des Religions-Unterrichtes und erntete reichen Beifall. Einen Auszug aus dem tresflichen Vortrage bringen wir in der nächsteit Nummer. Es wurde alsdann über die Maßregelung der jüdischen Hospitautinuen an den hiesigen Gemeindeschuleu debattiert und zur Beischaffung und Sichtung des einschlägigen Materials eine Kommission eingesetzt. (cfrden Crt. „Ein Mißverständnis".) — Bur Frage des j üdisch en Religionsunterrichts au den öffentlichen Lehranstalten liefert Herr Willy Heß einiges interessante Material. Fest steht eS, daß die 851 jüdischen Schüler, welche die königlichen Schulen besuchen, keinen Religion unterricht erhalten. Allerdings soll zum Winter Besserung eintreten, da für den .Religionsunterricht au diesen Schulen in der vorletzten Sitzung der Repräsentanteu-Versammluug 8000 Mk. bewilligt wurden. — In deit st ädtisch eit höheren Lehraustaltcu besiitden sich 8080 Schüler, davon iil Schulen mit jüdischem Religionsunterricht nur 2055, so daß auch in deit höheren städtischen Schulen 078 jüdischen Schülern die Gelegenheit, Unterricht in ihrer Religion zu erhalten, fehlt. Unter den Privatschulen, die von 885 jüdischen Knaben besucht werden, bieten nur zwei ihren 100 Schülern (Gelegenheit, jüdischen Religionsunterricht zu erhalten. - Au sämtlichen höheren Knabenschulen Berlins steht das Resultat so, daß von 4210 jüdischen Schülern nur 210.1 die Möglichkeit haben, an den Schulen, welche sie besuchen, einen jüdischen Religionsunterricht zu empfangen. Unerwähnt darf nicht bleiben, daß keineswegs in den Schulen, in denen jüdische Religion gelehrt wird, alle Kinder daran teilnehmeu, insbesondere entfallen in mehreren städtischen Schulen die Kiitder der Vorschulklassen, in deneit jüdischer Religionsunterricht überhaupt nicht erteilt wird, obschon doch nicht einzusehen ist, warum die jüdischen Kinder nicht ebenso gut wie die christlicheit schon in diesem jugendlichen Alter oder vielinehr erst recht in diesen Jahren in den Lehren ihres Bekenntiliffes unterwiesen werden. Schweren Tadel verdient die Gepflogenheit mancher jüdischer Eltern, welche ihre Kiitder an dem christlichen Religionsunterricht teilnehmen lassen. Die Schuld daran trägt die inangelude Möglichkeit, den Kindern in der von ihnen besuchteil Schiile selbst Unterweisung in der eigenen Religion augedeihen zu lassen. Diese traurige Thatsache allein sollte eine ernsthafte Mahnung feilt, jenem'Mangel abzuhelsen! *4' Bor der Strafkammer in Bromberg wurde am 28. Mai nochmals in der Prozeßsache gegen den (Gastwirt Abrahaiu Eohn als Repräsentanteil der jüdischen Gemeinde zu La bi sch in wegen Urkundenfälschung verhandelt. In der Sitzung der Strafkammer desselbeit Landgerichts vom 7. Januar d. I. wurde, wie Sie 1. Z. gemeldet, der Genannte wegen Urkiindensälschung zu einem Monat Gefängnis (1111b zwar zusätzlich zu einer durch Urteil derselben Straskamuier vom 7 Mai 1804 über ihn verhängten Strafe), sowie zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt. Als Urkundensälschuug wurde erachtet eine vom Angeklagten vorgenoiitmene Tertesänderung in einem Protokollbuch, welches über die Sitzungen der jüdischen Gemeindevertreter geführt wlirde. Bekanntlich enthält das fragliche Protokoll deit Beschluß der letzteren vom 27. März 1801 über die Verlängerung seines Vertrages mit deui auf drei Jahre zum Kantor gewählten Herrn Rosenthal. Gegen obigesUrteil hatleder Angeklagte Eohn Revision beim Reichsgericht beantragt, und dieses hatte nun in seiner Sitzung vom 22. Mürz d. I. erkannt, daß das erste Urteil aufznheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung an die Vorinstanz zurückzuverweisen sei. Diese Verhaitdlung endete mit der Freisprechung des Angeklagten. Kier: irrrö dortt. — Aus Berlin. Am letzten Sonntag wurden mehrere Konfirmandinnen in der Lindenftraße eingesegnet. — An demselben Tage verschied der Stadtverordnete Herr Spediteur B. Bernhardt im Alter von 70 Jahren. Der Verstorbene hat seit 1801 ununterbrochen der Stadtver'ordneten-Versammlung angehört. Jin Jahre 1805, dem Konfliktjahre, wurde er zuni unbesoldeten Stadtrat gewählt, jedoch von der Regierung nicht bestätigt. Db der Entschlafene auch für die Angelegenheiten der jüd. Gemeinde Interesse gezeigt, ist uns nicht bekannt. — Der Militär- und Sanitätsverein „Deutsches Vaterland" hat ein treues Mitglied verloren in der Person des Gerichtsvollziehers a. D. und Ritters des eisernen Kreuzes, Joseph Kajet. Die Bestattung fand unter stattlicher Beteiligung am Dienstag statt. — Der Zentralverein „Deutsch. StaatSb. jüd. Glaub." hat seinen Mitbegründer, das Vorstaildsmitglied Ad. Salomon verloren. Ter Vorstand des Z.-V. widmet dem Entschlafenen folgenden Nachruf: „Durch das Hinscheiden dev,Herrn Adolph Sal0mon hat unser Verein einen schwer empfundenen Verlust erlitten. Mitbegründer des Vereins, hat der Verblichene bis zum Tode als allzeit arbeissfrendiges Mitglied dem Vorstand angehört, stets bereit dem Unrecht entgegen z.i treten, wo es sein Haupt erhob, stets ein wahrer Freund der Unterdrückten. Sein Beispiel wird uns stets ein Ansporn sein, sein An- .denkeit stets rege in uns bleibeil." — Herr Salomon wurde auf einem Konnuunalkirchhos bestattet. — Herr Dr. Eohn, bisher Rabb. der jüdischen Gemeinde an der Potsdaiuer Brücke hat aus (Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt und Berlin verlassen. Sein Nachfolger ist sein bisheriger Adlatus, Herr Dr. PetuchowSki. — In dem Prozeß gegen die „Tägliche Rundschau", den verschiedene Privatkläger wegen der auch sie treffenden Beleidigung deutscher Juden angestrengt hatteitz hat das Kauunergericht die von den Klägern eingelegte Revision zurückgewiesen, so daß Dr. Lange endgiltig sreigesp rochen ist. — Von den 548 Kandidaten, welche in den Jahren 1808/04 Erainen für das Lehramt an höheren Schulen ablegten, waren 12 Inden. Die preußischen höheren Lehranstalten wurden im Somiuerseutester 1808 von rund 142 000 Schülern besucht, im Wintersemester von rund 8700 Schülern welliger. Davon waren dein Bekenntniffe nach 05,5 pEt. evangelisch, 25,8 pEt. katholisch, 0,2 pEt. dissidentisch und 8,5 pEt. jüdisch. — Die Monatsschrift, die der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen (Klaubens herausgiebt, nennt sich „Im deutschen Reiche". u4