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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-06-14 · 24 (14.6.1895) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
24 (14.6.1895)
Date
1895-06-14
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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Seite 384. f f (6 u r u n, Nr. 24. auä> nid)t zwischen jüdischer und christlicher, zwischen jüdischer und antisemitischer Maral ist doch ein gar gewaltiger Unterschied — wie Figura zeigt. * Einer Flaschung haben sich die „Deutsch-sozialen Blätter" schuldig gemacht, um Felir Dahn als einen der Ihrigen zu proklamieren. Der Dichter habe sich -- schreiben sie —^ nunmehr offen zum Antisemitismus bekannt, indem erden österreichischen Gesinnungsgenossen aus Anlast der antisemitischen Wahlsiege in Wien ein begeistertes Trutz- und .Kampflied widmete. Und nun drucken sie eine Dichtung Dahn's ab, setzen dazu die Ueberschrist „Gruß an Deutsch- Oesterreich (Zu den antiseinitischen Wahlsiegen in Wien)" und schließen mit der Unterschrift „Felir Dahn". Wie der Börsen-Courier mitteilt hat aber Dahn dieses Lied vor Jahren zur Gründung des Deutschen Schulvereins in Oesterreich, einer bei den Antisemiten sehr schlecht angeschriebenen Institution, versaßt. Wir und Tausende wissen das; wir und Tausende wissen deshalb auch, daß der Zusatz „zu den antisemitischen Wahlsiegen in Wien" bewußt gesälscht sein muß. Die Redaktion der antisemitischen Blatter, die sich freudig zum Abdruck der gesälschteu Mitteilung hergegeben, hatten aus dem Inhalt der Dichtung ihre Bestimmung herauslesen können, wenn sie gewollt hätten. — Im öftere. Parlament 'haben dit antisemitischen Abgg. Schneider und Genossen eine Interpellation an den Ministerprästdenten und den Minister des Innern gerichtet, welche sich aus die jüdischen Religionsgrundsätze bezieht. Die Antragsteller führen aus, es sei zweifellos, daß die, unter uns lebenden Juden gewisse geheinre Lehren beobachteten, welche in der Oeffentlichkeit wenig oder garnicht bekannt seien. So heiße es in dem, in Volks- und Bürgerschulen und in den unteren erlassen der Ri ittelschulen allgemein zugelassenen knrzgefaßren „Religions- und Sittenlehre für die israelitische Jugend" von Dr. H. Wolf: „Außer den Geboten und Gesetzen, die die Heilige Schrift enthält, schreibt uns die Religion noch Gebote vor, die sich als Tradition sortgeerbt haben". (Gemeint ist natürlich der Talmud! Red.) Durch diesen Satz würde zugestauden, daß die Juden Lehren befolgen, welche sie mündlich tradieren, Lehren, welche nicht gedruckt oder wenigstens nicht für die Allgemeinheit verständlich gedruckt werden. Die Anfragesteller verweisen dann aus das Flugblatt „Die Wahrheit über die Juden" von Theodor Fritsch, dessen Inhalt nicht bestritten werde, (Unglaublich!) aus dem einfachen Grunde, weil er dem gerichtlichen (Gutachten Jakob Ecker's entnommen sei, dessen Richtigkeit selbst von Juden anerkannt werden müsse. Deshalb gehe die Anfrage dahin: „Ist die Regierung geneigt,-den Inhalt, dieses FlugsblntteS zur Kenntnis zu nehmen und was gedenkt sie gegenüber einem Volke zu thun, dessen Priester derartiges lehren?" ~~ Wir wollen die Antwort abwarten und alsdann unsrerseits antworten. * in Aus Bukarest wird uns geschrieben: Tr. Eritzmän n wurde zum Laboratoriumschef der medizinischen Klinik am Braneovan-Hospital in Bukarest ernannt. Wäre das ein vom Staate unterhaltenes Krankenbaus, dann hätte Dr. Eritzmann niemals die Ernennung erhalten, da er ein Jude, d. h. ein „Fremder" ist, obwohl er der Sohn von Eltern ist, welche beide in Bukarest geboren wurden und hier gelebt haben. Die Verwaltungsbehörde des Hospitals/ das von der Familie des verstorbenen Fürsten Braneovan für kranke ohne Unterschied des Glaubens gegründet wurde, hat glücklicherweise liberalere Ansichteil als die gegenivärtige Regierung in Rumänien, denn in demselben Xrankenhause finb noch zwei andere Juden, die Herren Dr. Schachmann und Dr. Marcel, beschäftigt und wegen ihrer uneigennützigen Freundlichkeit sind sie bei Ehristen und Inden in gleicher Weise beliebt. Was Dr. Eritzmann angeht, so hat er einen glänzenden Studiengang in Paris durchgeinacht, wo er an der „Eneyclopaedie Sciertifique“ mitarbeitete und von der medizinischen Fakultät den Doktortitel erhielt. Bon der französischen Regierung wurde er mit einer Mission nach der Rordgrenze betraut und erhielt, nachdem er seine Ausgabe glänzend gelöst hatte, eine goldene Medaille. In Bukarest leistete Dr. Eritzmann der leidenden Menschheit ohne Unterschied der Rationaliät ödender Religion hervorragende Dienste. * a Die jüdischen Abgeordneten in Italien. Man schreibt uns aus Rom. Bei den italienischen Parlamentswahlen, welche am 26. Mai stattsanden, wurden folgende jüdische Kandidaten zu Abgeordneten gewählt: Luigi Luzzatti in Lbano, Riecardo Luzzatto in San Daniele (Friaul), Romanin-Iacur in Piove di Saeeo, Pavin in Soresina, Wollemborg in Eittadella, Barzilai in Rom, Sidnep Sonnino (der italienische, Finanzminister) in San Easciano, Weill- Weiß in Rho, Morpurgo in Cividale und Attilio Luzzatto in Monlevarchi. — In Stichwahl standen: Treves in Venedig, Levi in Reggio Emilia und Ippolito Luzzatti in Vignale; Levi ist in der Stichwahl unterlegen, die beiden anderen wurden gewühlt. — Durchgesallen sind: Modigliani in Grosseto, Sacerdoti in Parma, Earpi in Monlevarchi, Levi in.Treviso, Levi in Turin, Sorani in Scansano, Pisa in Erema, Praga in Rovigo, Donati in Vittorio und Besso in Dolo. — Herr Luigi Luzzatti, der hervorragende Rationalökonoul und frühere Schatzminister, wurde einstimmig zum Ehrenpräsidenten des siebenten Volksbanken - Kongresses ernannt, der jüngst in RRnes (Frankreich) stattsand. Gemeinde, Synagoge nnd Schule. - Berliner Nachrichten. Von seiten eines Herrn, welcher als Berichterstatter in den Reprüsentantenntzungen der jüdischen Gemeinde thätig ist, geht uns folgende Beschwerde zu: Ein jeder, der einmal aus der- Zuhörergallerie des Sitzungssaales der jüdischen Gemeinde den Verhandlungen beigewohnt hat, wird sich mit Recht über die dort herrschende mangelnde Akustik beklagen. Dieser Mißstand ist am beklagenswertesten für die "Vertreter der Presse, denen doch daran gelegen sein muß,-jedes unten gesprochene Wort im Interesse der Wahrheit deutlich zu verstehen. Das ist jedoch leider nur in sehr unvollkommenem Maße möglich, sehr häufig konnte ich einen Redner gar nicht verliehen, und erlt ans den Erwiderungen der nach ihm sprechenden Herren vermochte ich erst zu entnehme», was der Redner eigentlich gemeint hatte. Daß unter solchen Zuständen die Richtigkeit und Zuverlässigkeit der Berichte uotweudig leiden muß, liegt klar auf der Hand, und im Interesse derjenigen, denen unsere Genwindeangelegenheiten anvertraut sind, sollte es am meisten liegen, hier Abhilfe zu schassen. Sollte es denn gar nicht möglich fein, den Berichterltattern einen Platz im Beratnngssaale selber einzuräumen? Das wäre meiner Meinung nach der beste, ja der einzige Ausweg aus dieser Misere, und möchte ich dem Vorstande dringend ans Herz legen, diesem bescheidenen Wunsche sein Ohr nicht zu verschließen. W.

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