Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 24 (14.6.1895)
- Date
- 1895-06-14
- Page
- Seite 386 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Odesa 1× ep/1000834
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Seile 386. | e f « r « tt, Nr. 24. — Auf dem Begräbnisplatz der jüdischen Gemeinde -zn Arnswalde, dem Wahlkreise Ahlwardts, sind jüngst 30 eiserne Grabdenkmäler aus der Erde gerissen, nmgeworsen und teilweise zerstört worden. Von den Gräbern sind die Blumen und Ziergewächse mit rohem Vandalismus abgerissen worden. Die Tbäter sind noch nicht ermittelt. — Der als Kandidat der. antisemitischen Volkspartei für die Reichstagsersatzwahl im Kreise Kolberg-Köslin ausgestellte Kaufmann Karl Paasch dementiert die Behauptung verschiedener Blätter, daß er wegen Geisteskrankheit entmündigt worden sei. Die fortgesetzten Erhebungen über seinen Geisteszustand hätten ergeben, daß er sich im Vollbesitze seiner geistigen Kräfte befinde. — Schon möglich. Von denjenigen, welche ihn. wühlen, wird man das Gleiche wohl nicht sagen können! — In H am n o v e r wird die Einrichtung besonderer Kurse für die reiferen Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten, auch für solche, welche die Religionsschule nicht betucht haben,, geplant. In zwei wöchentlichen Stunden soll ihnen jüdische Geschichte und spstenmtischer Religionsunterricht erteilt werden, während diejenigen, welche ihre hebräischen Kenntnisse vervollkommnen wollen, außerdem in einer oder zwei Stunden Gelegenheit haben würden, das Erlernte zu wiederholen, zu befestigen und zu erweitern. — Eine beachtens- und nachahmenswerte Einrichtung! — Am 20. Mai waren 50 Jahre vergangen, daß die Frankfurter Versorgungsanstalt für Israeliten durch Senatsbeschluß als juristische Person anerkannt wurde. Am 10. Juni 1845 wurde die Anstalt in einem von der Israelitischen Krankenkasse' gemieteten Hause mit einem Pfründner eröffnet. Am 1. Dezember 1852 wurde ein eigenes Haus (Wallgraben 8) erworben und bezogen, der 1890 einem den hygienischen Anforderungen der Neuzeit entsprechenden 'Neubau wich. Seitdem ist die Zahl der Pfründner bis aus 28 gestiegen. Dementsprechend haben sich die Ausgaben erhöht. — In Eisenach tagte die Jahresversammlung des Vereins für wissenschaftliche Pädagogik unter Teilnahme zahlreicher Mitglieder aus den verschiedensten (stegenden Deutschlands. Erster Gegenstand der Debatte war: „Die Beziehungen der Religion zum Nationalgesühl bei den alten Israeliten". Die Hauptgedanken, daß bei den Israeliten die Religion die stärkste Wurzel des Nationalgesühls war und daß dieser auch eine große ethische Bedeutung insofern zuzusprechen sei, als sie den Volkscharakter günstig beeinflußt und so die Entstehung des Christentums ermöglicht habe, fanden im wesentlichen die Zustimmung der Versammlung. — Run, also! Wenn aber wir das sagen, so erblickt man hierin „jüdischen Hochmut" und wie die Dinge sonst noch heißen. — Am 4. dies. Monats hat in Beuthen eine Versammlung des überschlesischen Rabbiner-VerbandeS stattgefunden. Zu Vorsitzenden des Verbandes wurden1 für die Zeitdauer von 3 Jahren Rabbiner Dr. Kohn-Kattowitz und Rabbiner Dr. Münz-Gleiwitz gewählt. — Am nämlichen Tage ist in Krefeld die Konstituierung des' Rheinischen Rabbiner-Verbandes, an der sämtliche in den Gemeinden der Rheinprovinz amtierende Rabbiner teilnahmen, erfolgt. — Die Inden im österreichischen Heere haben bessere Aussichten, befördert zu werden, als ihre Kameraden im . . . . preußischen Heere. Unlängst wurde Major Hermann Kraft zunl Oberstleutnant und zum Regimentskommandeur in Klagensurt ernannt. t. — AuS Rumänien find neuerdings wieder 40 jüdische Fanülien nach Eppern ausgewandert, nachdem die bereits dort ansässigen Angehörigen sehr günstige Berichte über ihr Fortkommen nach Rumänien haben gelangen lassen. z. — Die Zahl der Juden R u m ä n i e n S beträgt, nach l em nunmehr vorliegenden offiziellen Bericht, 243,225 Seelen unter 4973,418 Einwohnern, also nicht, wie von feindlicher Seite behauptet wird, „mehr als 400,000", von denen 70000 in de.n kleinen Städten und Landgemeinden der Moldau wohnen. Die stärksten Genieinden sind: Jaffy (33,258), Bukarest (31,251), Botoschani (17,123), (stalatz (13,370). Die Juden bilden 5 pEO der Bevölkerung Rumäniens. — Etwas Statistik. Im Gouvernement Grodno wohnen 295,471 Juden unter 865,451 Griechisch-Orthoooren, 400,218 Katholiken, 12,218 Protestanten, 3509 Muhamedanern. Die Kriminalstatistik dagegen ergiebt, daß ans 392 griechisch-orthodore und 251 sonst christliche Verbrecher nur 95 jüdische kamen, während es nach der Seelenzahl die Juden 138 jüdische Verbrecher hätten sein dürfen. Der Sterblichkeit unter den Juden in Odessa ist viel geringer, als unter den Nichtjuden. Während von erwachsenen 'Nichtjuden 1 von 35 starb, kam erst ans 47 Juden ein Sterbe fall, bei den Kindern stellte sich das Verhältnis: 1 von 253 Nichtjuden, dagegen erst 1 von 430 Inden. — Die Juden scheinen demnach besser gefeit gegen physischen und moralischen Tod, als ihre nichtjüdischen Mitbürger. — Ter russische Stabsarzt Dr. Nieolaus Oeran starb im vorigen Monat in Taschkent (Buchara). Er war ein sehr guter Freund der jüdischen Armen, denen er umsonst Rat und Heilmittel gab. Bei seiner Bestattung war die jüdische Gemeinde offiziell vertreten, und ein ungewöhnlicher Vorfall ereignete sich: der Ehasan sang am Grabe einen geeigneten Psalm in hebräischer Sprache. w. — Ein a m erikani sch-jüdisches Blatt schlägt vor, daß hinfort jeder jüdische Student, der die Nabbinerseminare „Jewisli Theologic.al Seminarv“ in New-Pork oder das „Hebrew Union College*4 in Cincinnati besucht, gehalten sei, vor Beendigung seines Studiums und Ausfertigung des entsprechenden Zeugnisses ein Jahr als Wander-Lehrer und Wander-Prediger in den kleinen jüdischen Gemeinden zn fungieren. Der Vorteil wäre aus beiden Seiten; die jungen Leute erlangten die so nötige praktische Uebung, die kleinen Genieinden würden ihren Zusammenhang mit dem Judentum befestigen, und es ist daher erfreulich, daß man ernsthaft an die Verwirklichn'..g dieses Planes geht. LVseheir- Mai 1895. Sivan 5655. Dreitag . . . 14 22 (Sabb.-Auf. 8,41) Sonnabend . . 15 28; “CrY-r (S. StiiSfl. 9. Sonntag . . 16 24 Montag . . . 17 25 Dienstag . . . 18 26 Mittwoch . . 19 27 Donnerstag . . 20 28 Z-reitag . . . 21 29