Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 24 (14.6.1895)
- Date
- 1895-06-14
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4794838-9608360-9608675--0519-9608683- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
,3^ 1 Seite 880. 9 e r u v u n. Nr. 24. Gemeindebund weder Sitz noch Stimme im Vorstand .gewährt werden." Gegen den zweiten Absatz stimmen nur 5 Mitglieder. Als Delegierte wurde der Vereinsvorsitzende Wertheimer-Heldenbergen sowie Herr Direktor Dr. Barnaß- Psungstadt gewählt. — s. — 4. Aus Breslau erhalten wir von befreundeter Seite einen launigen Bericht über die dort abgehaltene Konferenz des schlesisch-posen'fchen Vereins, welch erstereu wir aber infolge seines Freskostils nicht bringen können und lieber aus das Eintreffen des offiziellen Protokolls warten wollen. Das Eine wollen wir verraten, daß dort, nach den: Berichte, dem anwesenden Vorsitzenden (sprich: Präsidenten) des „Reichsverbandes" unangenehme Wahrheiten gesagt wurden. Die Mitglieder hatten vermutlich unsere Artikel über den T. R. j. R. nicht allein, sie hatten auch verständnisinnig zwischen den Zeilen dieser Artikel gelesen und darnach gehandelt. Die Berichte über die anderen Versammlungen folgen in einer der nächsten Nummern. Die „Resorm"-Fil>k1. Von Bernhard Traubenberg. Unter lärmendem Tamtam und ohrenverwirrenden Paukenschlägen wird ein Machwerk in die Welt gesetzt, das von humanen Menschen, zu denen auch ich mich zähle, sicher mit dem Schleier der Kietze bedeckt worden wäre, damit kein Lüftchen der rauhen, zugigen Oeffentlichkeit, kein säuselnder Hauch den Todesschlas der Mißgeburt störe. Wenn ich aber diesmal die Mahnung dcs Psalmisten „Liebe deckt alles Fehlerhafte zu" nur nicht zur Richtschnur dienen lasse, so liegt das an der hochmütigen und übereitlen Herausforderung, mit der Herr Katz in der letzten Nummer des „Jeschurun" sein überwältigend großes Werk anpreist und anpreisen läßt. Die maßlos superlative Sprache könnte doch manchen Lehrer zu seinem und seiner Schüler Schaden veranlassen, die „Resorm"sibel einzusühren. Die große „R.sorm", die angeblich einen völligen Umschwung in der Leselehrkunst Hervorrufen soll, redet sich der Verfasser selber ein oder hat er sich von gut gelaunten Menschen, die ihm damit einen Streich spielen wollten, einreden lassen. Ich habe keinen neuen (Gedanken erwischen können, der sich in der Ausarbeitung der Fibel Bahn gebrochen hätte. Wenn es nicht von einer engelgleichen pädagogischen ttnschuld zeugte, so könnte ich es nur eine verbrecherische Ueberhebung, einen Dünkel ohne Gleichen nennen, wenn ein Herr Guttmann es wagt, das unter aller Kritik stehende Geschreibsel trotz der Existenz so klassischer Fibelwerke, wie die von Horwitz und Rahmer, „als die beste hebräische Fibel" zu besingen und wahre Wolken betäubenden Weihrauchs zum Lobe derselben aufsteigen zu lassen. Wenn ich mich euphemistisch des Wortes „Arbeit", „Bearbeitung" bediene, so rufe ich eigentlich eine zu würdige Vorstellung von dem Büchel hervor. Es ist nichts weniger als Arbeit, die zum Machen desselben erforderlich war. Tie Arbeit umfaßt 26 Seiten, denn ivas dann folgt-, und Stücke aus dem Sziddur, die jede andere Fibel auch enthält. Sehen wir aber näher zu, was auf den 26 Oktavseiten geboten wird. Die ersten 7 Seiten werden mit dem Wiederabdruck eines Artikels gefüllt, der zuerst in der Allgem. Zeitung dev Judentums, dann in der Jüdischen Presse — erinnere ich mich recht, — erschienen ist. Es verbleiben für die eigene Arbeit noch 19 Seiten Lesestoff. Wer aber glaubt, 19 Seiten Text zu finden, der irrt sich gewaltig. Er findet statt des Textes eine Fülle weißen Papiers, das einen in seiner Leerheit wie ein mächtiges Fragezeichen anglotzt. Das Buch giebt uns aus jeder Seite — sage und schreibe — eine Zeile durchschnittlich an wirklichem Lesestoff, wobei nicht einmal lauter verschiedene Wortbilder austreten, sondern meistenteils verschiedenem'Formen eines und desselben Stammes, z. B. S. 12 vt>, ’t, t sich ungebührlich breit machen. Die „Reform"arbeit birgt also kaum 29 Zeilen aus 19 Seiten und man muß leider sagen, daß 'dieser Zwanzigzeiler noch viel ungereimtes Zeug enthält. Diese 20 Zeilen sind es also, die „einen völlig neuen Weg aus dem Gebiete des hebräischen Unterrichts bahnen" sollen, wie der Verfasser sich etwas selbstbewußt attestieren läßt. Noch weniger erbaulich als das Mengenverhältnis, ist der Inhalt dieser zwanzigzeiligen „Reform"sibel. Aus S. 8 der ersten Textseite werden sämtliche lange, kurze und zusammengesetzte Vokale aus einmal den siebenjährigen Schülern in den Kops gepfropft. S. 9 bringt 1 Zeile Lesestoff, S. 10 enthält 112 davon, doch dafür entschädigt uns die Uebersetzung der sehr wichtigen Wörter, von denen einige später folgen. Nun wird dem Autor amtlich bescheinigt, daß die Fiebel keine unsinnigen Wortformen enthält, und ich muß, soll ich mich gegen die lohe Obrigkeit nicht versündigen, das auch ruhig glauben. Also unsinnig ist keine Wortsorm, ob aber Wörter wie : m („und ein Haken") nicht geschmacklos sind und im höchsten' .Grade den gesunden Sprachsinn vergiften, ist eine andere Frage. Doch da der Herr Verfasser, wie er uns versichert, keine sinnlosen Wörter, die nicht im Sziddur und Machsor Vorkommen, bringt, so kommt das liebliche Work gebilde 1 Vi, das unwillkürlich die Vorstellung des Hundegebells hervorruft, vermutlich in jedem Gebete einige Tutzendmal vor, daß er das Kind schon aus der 8. Tertseite damit vertraut macht. Ich möchte das Genie von Jungen sehen, das nach den 20 Textzeilen der Reformfibel geläufig lesen kann. Danach möge man beurteilen, was für Reformlesekünstler man nach dieser „Reform"sibel heranzüchteu kann. Dafür erfahren wir aber sehr früh, daß '7 eine Stadt in Kanaan ist, “’x uw ist er, Thal heißt 11. a. wichtige Dinge mehr. R'och einer weltumstürzlerischen Umwälzung, ist zu gedenken. Durch einen Bogen werden nämlich über den Wörtern die Silben zusammengefaßt. Ter Lehrer wird sich aber für diese Reftrm höslichst bedanken, durch die er selber überhaupt überflüssig und zu einer reinen Maschine herabgedrückt wird. Die Siibenteilnng ergiebt sich von selber und wo nicht, soll die erläuternde Thätigkeit des Lehrers m Kraft treten, demnach Härte sich der Verfasser diese „Reform" als verschwenderischen Luxus sehr wohl sparen tonnen. Tann bleibt allerdings kein Wort mehr an der gewaltigen N