Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 24 (14.6.1895)
- Date
- 1895-06-14
- Page
- Seite 379 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24. Z c f u r u n. Seite 37!). Den letzten Punkt der Tagesordnung füllten die „freien Besprechungen" ans. Nus denfelden Hetzen wir die wohlberechtigten Klagen über die Recht- und Schutzlosigkeit der jüdischen legrer an Privatschulen hervor. Man sollte es kaum glauben, wie es möglich untre, älteren im Schuldienste ergrauten Lehrern, ans Furcht, denfeltzen eine Pension zahlen zu müssen, ohne weiteres, wenn ihre Kräfte ermatten, den Stuhl vor die Tbürc zu fetzen! Die Negierung kann es nicht dulden, daß die im Dienste alt geivordenen Lehrer schlechter tzehandelt werden, als jeder Arbeiter, der doch wenigstens, wenn artzeitsunfähig, durch das Invaliditäts- und Altersversichcrungsgesctz einen Notgroschen hat. Diesem Uetzel kann ohne große Schwierigkeiten begegnet werden, wenn die Negierung - ein kleiner Druck genügt veranlassen nstirde, daN sämtliche Privatschulen in öffentliche Schulen umgewandelt würden; dann werden die unaufhörlichen Klagen der Lehrer verstummen. 2. Nus Hannover: Nur 3. und 4. d. Ni. hielt der Verein jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover seine diesjährige Versammlung in Hannover atz. Der Vorsitzende eröffnet morgens 10 Uhr die Versammlung, begrüßt die Anivcsenden in herzlicher Weise und schließt mit einem Hoch auf den Kaiser. Nach der Begrüßung seitens der anwesenden Herren ^andratztzinern, des Seminardirektors Herrn Dr. Knoller und des Vertreters des D. F. 6).. B. Herrn Nechtsanwalt Dr. Bensen Hannover erfolgt Berichterstattung die wegen des umfangreichen Materials bezüglich der Gründung eines D. F. V. B. eine geraume Weile in Nnspruch nimmt. Nach cntgegengenommer Berichterstattung erfolgt Vorstandsivahl. Der bisherige erste und zweite Vorsitzende werden durch Neclamation nnedergewählt. Zu Schriftführern werden S v a n i e r - Stolzenau und M e y e r - Hannover ernannt. Der Vorsitzende erteilt hieraus .UolL W aller- Aioringen das Wort zu seinem Vortrage. „Bibel oder Bitzelauszug t>ütch Beendigung des mit Beifall nufgenommeuen Referates entfvinnt sich eine lebhafte Debatte besonders über die ausgestellten Thesen, (um deren Zusendung wir bitten! Red.) welche schließlich einer Kommission zur Durchberatung überwiesen werden. — Es folgte nun der wichtigste Punkt der Tagesordnung „Besprechung wegen Gründling eines D. I. .2. B- Der Vorsitzende verliest die diesbezüglichen schriftlichen Verhandlungen mit dem D. I. (st. B. und empfiehlt Nnnalnne der Vorschläge des D. I. G. B., nachdem der Vertreter desselben beruhigende Erklärungen ■ bezüglich der streitigen Punkte abgegeben. Es werden zwei Vertreter für den Delegierten-Tag gewühlt. Hierauf ergreift Herr Konsul Simon-Hannover das Wort, um in längerer Rede die Lehrer für feine Ideen: „Förderung der Landwirtschaft und des Handwerks" zu begeistern. Nachmittags 4 Uhr versammelten sich die Mitglieder in der israelitischen ReligionSschule. woselbst Herr Hauptlehrer Renß-Aurich eine Lel,rprobc über das Thema „Pflichten gegen Landes unter und Vaterland" hielt. Die Methode uitd Nusführnng derselben wurden einer abfälligen Kritik unterzogen nitd manche Verstöße gegen die Vorschriften der Pädagogik bemängelt. Im allgemeinen war die recht gut disponierte Lehrprobe von echter Vaterlandsliebe tind begeisternder Wärnte durchdrungen. — Nut 2. Konserenztage, morgens 8 Uhr beginnend, ivnrden die von der Kommission durchgearbciteten Leitsätze von der Versammlung gutgeheißen, und der letzte Punkt der Tagesordnung „frei Besprechungen" hielt die Teilnehmer noch eine geraume Weile beisammen. Mit dem Wunsche „ans fröhliches Wiedersehen im nächsten Fahre!" wurde die Versammlung nach den üblichen Danksagungen vom Vorsitzenden geschlossen. Sp. 3. lieber die in Frankfurt a. Aß stattgehabte Versammlung des Lehrervereins für das Großherzogtum Hessen geht uns von einem VereinSntitgliede folgender Bericht zu: Die heftigen Nugriffe, die der Kollege Kahn-Mainz im „Israelit" seit Monaten gegen die Art und Weise gerichtet hatte, mit der der D. I. G. B. die Gründung eines D. I. L. B. in die Wege zu leiten versuchte, tvarcu das Vorspiel der äußerst stürmischen Sitzung, die am 3. d. Mts. unser Verein in Frankfurt a. Aß abhielt. Zu derselben hatte der Gemeindelnind neben dein ortsansässigen Mitgliede des Nusschusses, Herrn Rechtsanwalt Plotke, als Delegierten, Herrn Direktor Dr. Adler aus Berlin eigens entsandt, und dieser Herr wird seine Anwesenheit unter den hessischen Lehrern sicher nicht zu angenehmsten Momenten seines Lebens zählen. Als der Vereinsvorsitzende dem Delegierten das Wort zur Begrüßung der Versammlung im Namen des D. I* G. B. geben «wollte, stellte der Kollege Kahn den Antrag, dem Dr. Adler, der nicht Mitglied unseres Vereins sei, überhaupt das Wort nicht zu geben. Als dieser Antrag von der Versammlung mit großer Majorität abgelehnt wurde, protestierte K. unter Hin. weis auf das Vereinsgesetz, daß der Delegierte an den Beratungen teilnehme. Es dauerte lange Zeit, ehe der Delegierte sich seines Auftrages entledigen konnte; seine Worte, die die Erinnerung an unseren unvergeßlichen Zoses Klingenstein lebhaft wachricsen, fanden lauten Beifall. In der Beratung über den D. I. L. B. beantragte Kollege Kahn unter heftigen Angriffen gegen den Gemeindebund, dem er Handelsgeschäfte mit den Interessen ler Lehrer und einseitige Parteinahme für das Reformjudentum vorwarf, daß Delegierte des Hessischen Lehrervereins sich mit anderen Delegierten zusammenthun und ohne Rücksicht aus den D. I. G. B. selbständig die Gründung eines Lehrcrverbandes in die Hand nehmen sollten. Für die Gründung eines D. I. L. B. unter Teilnahme und Mitwirkung des Gemeindebundes trat neben Kollegen Marr, der in warmen Worten auf die Verdienste des D. I. G. B. um die Lehrer und ihre Vereine hinwies, vor alle,» Herr Dr. Adler ein. Seine ruhige Sprache, die Wucht der Thatsachen, die er den einseitigen Behauptungen des Kollegen Kahn und seiner Genossen vom „Israelit" gegenüberstellte, bewirkten, daß im Laufe der Verhandlungen die Meinung der Versammlung für den D. I. G. B. sich günstiger gestaltete. Besonders eindrucksvoll ivaren die Mitteilungen des Delegierten über die Beteiligung der Lebrer an den Versicherungen bei der „Victoria" und über die Leistungen des D. I. G. B. für die versicherten Lehrer. Aus die Angriffe gegen die einseitige religiöse Richtung innerhalb des Gemeindebundes, in denen sich neben Kollegen Kahn der Herr Rabb. Dr. Bondi aus Mainz her vorthat, betonte der Delegierte wiederholt, daß nach den Statuten des D. F. G. B. alle knltuellen und rituellen Angelegenheiten von der Behandlung ausgeschlossen sind. Mit scharfen Worten wies auch der zweite Delegierte des Gemeindebundes die Insinuationen zurück, die in dieser Beziehung gegen den D. I. G. B. gerichtet wurde. Rach vierstündiger Debatte wurde schließlich der Beschluß gefaßt: Der Verein für das Großherzogtum Hessen entsendet 2 Delegierte nach Berlin, die an der Gründung eines D. F. L. B. sich zu beteiligen haben, die aber daraus sehen sollen, daß dem