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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-06-14 · 24 (14.6.1895) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
24 (14.6.1895)
Date
1895-06-14
Page
Seite 378 (sequence 6)
Language
German
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Seite 378. Jefchrrrrrn. Nr. 24. allein auf das redlichste vermaltet, sondern auch kostbare Zeit und unendliche Mühe verwendet, um ihre Sachen zu fördern, allein ihnen fehlte erstens die richtige Legitimation und in ihren Händen konzentrierte sich durch die großen oder kleinen Beträge eine gewisse Ni acht, die sie oft und besonders bei der Leitung der Privatgemeinden mißbrauchten. Wir werden das letztere noch zu beweisen haben. Im Lause der Jahre hat dieses System an Wirkung verloren. Man ist nicht mehr naiv genug, um jeden Ausruf ohne weiteres zu berücksichtigen, sondern auch die oberen Zehntausend sangen an die Bedürftigkeit und Würdigkeit der Petenten zu untersuchen. Durch die Subventionen, welche die Hauptgemeinde den Ncbengemeinden bewilligt, können letztere nicht mehr an den einzelnen herantreten. Es bildet sich in Berlin allmählich das Prinzip der Konzentration aus dem Gebiete der Wohlthätigkeits-Jnstitute aus. Selbst Herr Hermann Abraham z. B., der ja selbst viele Jahre aus eigene.Verantwortung und unter nimmerruhender Thätigkeit Konzerte und Bälle für verschiedene Zwecke arrangiert, — er, der am meisten Erfolge in dieser Beziehung zu verzeichnen hatte, ist nun zu der Ueberzeugung gekommen, daß die von ihni gegründeten Institute nur durch richtige Verwaltung gedeihen können. Der Anfang ist gemacht. In der Gormannftraße erhebt sich ein Haus, das mehrere Wohlthätigkeits- Jnstitute ausnehmen soll und in diesem Sinne wird sowohl der Genannte wie auch die bestehenden Logen wieder arbeiten. Die einzelnen, und wenn sie sich auch Vorsteher, Vorsitzender oder Präses irgend einer Gesellschaft nennen, haben keinen Ausruf mehr zu erlassen und sollen keine Verfügungen über (Gelder haben, die ihnen im guten Glauben aus richtige Verwendung gegeben sind. Die einzelnen. Vereine sollen sich auch der Gesamtheit unterordnen, sonst wird „die Vernunft Unsinn, Wohlthat Plage!" — In dieser Beziehung schreitet Israel rüstig und unbeirrt fort, nicht trotzdem, sondern weil wir beobachtet werden und weil selbst unsere besten Handlungen unter der Lupe der Verdrehungen von seiten unserer lieben Hamane zu Verbrechen gestempelt werden. Die urteutsche „Staatsbürgerzeitung" nimmt mi; Genugthuung aus unserm vorigen Artikel, den sie natürlich aus dem Zusammenhänge reißt, von dem Bekenntnis Notiz, daß sich die Juden Berlins feit 20 Jahren besonders durch Zuzug vermehrt haben. Selbstreöend, biedere Bürgerin, nwher denn sonst? Tie Einwohnerzahl Berlins hat sich seit derselben Zeit um eine volle Million vermehrt. Sind diese vom Himmel gefallen oder aus Sümpfen emporgewachsen? Gewiß wird die landsmännische Geselligkeit in unseren Vereinen anders gepflegt als in den antisemitischen Volksversammlungen. Bei einer einzigen Sitzung irgend eines jüdischen Wohlthütigkeits-Bereins wird mehr für irgend einen guten Zweck gesammelt, als in antisemitischen Volksversammlungen in einem Monat in Bier ver—trunken wird. Viele von uns können nicht zwei Glas Bier vertragen, aber mit leichtem Herzen gelegentlich für eine arme Familie GIOMk. zeichnen. Wir aeeeptieren den Unterschied zwischen dieser teutschen Vereinsthätigkeit durch Leerung von Fässern Bier und jüdischer Herzenslhätigkeit durch Leerung des Geldbeutels und Füllung der bedürftigen Hände. Die fflircrbtifmiip. Die in der ersten Hälfte der vorigen Woche abgehaltene». Versanunlungen der israelitischen Lehrer Deutschlands ivaren, wie ans den uns zugegangenen offiziellen und privaten Mitteilungen ersichtlich, im allgemeinen besser besucht und die Debatten und freien Besprechungen reger und lebhafter als sonst. Kein Wunder. Beschäftigten sich doch alle Versanunlungen und Versammelten mit einer eminent wichtigen Frage, mit der Frage der Vereinigung aller deutsch-israelitischen Lehrer, — mit einer Frage, an deren Lösung sich so viele Hossnun-' gen und — Wünsche knüpfen, und die in der That von unabsehbarer Tragweite ist! Und wir wollen nur gleich konstatieren, daß die Vereine sich ohne Ausnahme für die Gründung eines D.J. L.B. ausgesprochen und Vertreter für die bevorstehende Delegierten-Versammlung ernannt haben. Ueber die Verhandlungen in den einzelnen Vereinen erhalten wir folgende Berichte: 1. Aus Hörde: Am 2. und 3. dies. Monats tagte hier der Verein für Rheinland-Westfalen. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Steinweg-Rheda erössnete die Jahresversammlung mit Willkommensgruß und schloß mit einem Hoch aus den Kaiser. Nach dem Kassenbericht ist der Vermögensstand des Vereins jetzt 81 258,77 Mk. Der aus dem Vorstände ausscheidende Herr Hauptlehrer a. D. Blumenseld-Essen wurde hieraus zum Ehrenvorsitzenden ernannt. — Zum 2. Punkt der Tagesordnung: Aufruf des D. I. G. B. zur Bildung eines D. I. L. B. übergehend, nahm Herr Levy-Neuß das Wort und befürwortete den Anschluß, welcher auch nach kurzer Debatte genehmigt wurde. Den größten Teil der Zeit nahm der nun folgende Punkt der Tagesordnung ein: Äenderung der Statuten, welcher schließlich ein. negatives Resultat erzielte, da nach längeren Wortgefechten eine Äenderung abgelelmt wurde. Dieser Punkt hat nämlich seine Vorgeschichte. Vor einigen Monaten trat ein Teil der westlichen Lehrerschaft zusammen, um seine eigenen Ziele zu verfolgen. Diese Sezession verlangte nun Konzessionen bezüglich der seil 40 Jahren bestehenden Kassen- Mitgliedschaft. Nach gründlichen Auseinandersetzungen ist also eine Äenderung nicht beliebt worden. — An Stelle des ansscheidenden Vorsitzenden Hauptlehrers n. D. Blumenseld-Esten wurde Herr Hauptlehrer Gras in Essen mit großer Majorität in den Vorstand gewählt. Seniinarlehrer Treu in Münster sprach sodann über die Konzentration der zum Religionsunterrichte gehörenden Fächer. Er führt die zsauvtursachen an, warum der Religionsunterricht in unseren Schulen jetzt so vielen Schwierigkeiten begegnet und zur Lösung der brennenden Frage die Konzentration in Vorschlag _ gebracht ist. Dieses führt zu den weiteren Fragen: Was soll man unter dem Begriste verstehen? Welche llnterrichtszweige machen das (sjebiet aus oder sind Hilssdiszivlinen und fallen in die konzentrischen Kreisel Wie sind die Stoffe zu verlegen, -und methodisch zu behandelnd Die Konzentration soll eine zweckentsprechende Ausnutzung der dem Gegenstände spärlich zugenressenen Zeit vermitteln durch Verschnrelzen mehrerer Gegenstände in einander. Sie errnöglicht eine Vereinfachung, damit ein Ersparen an Kraft und Zeit, ergiebt Einheitlichkeit in den verschiedeneir Zweigen, wodurch Rer Unterricht belebt, das Interesse gehoben wird. In der Vereinfachung ergiebt sich durch die Beziehungen des Verwandten ein vorzügliches Mittel, das Gedächtnis zur treuen Schatzkammer auszubauen und die Teilname des Herzens und Willens zu befruchten.

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