Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 24 (14.6.1895)
- Date
- 1895-06-14
- Page
- Seite 375 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24. Aefchrrrirn. Seite 375. Eine in einer Schrift, der Andere im Abgeordnetenbause von ibren Quellenstudien gesprochen. freilich giedt es Hetzer, die behaupten, jene Herren hätten blos venmgt-n geprahlt, Herr von Wackerbarth könnte die Titel der von ihm angeführten Bücher, Herr von Langen könnte Die eigenen Zitate nicht lesen, geschweige U)re_ Druckfehler korrigieren. Vielleicht versuchen die Herren Antisemiten, Durd) das Mittel des großen Bannes die Wahrheit festznstellen. Wenn Herr Ahlwardt droht, daß er von den Frevlern, die durch Erlernen der hebräischen Sprache den Stand der wissenschaftlichen Uitschuld verloren haben, tveder Al ah! noch Obdach noch schnöden Mammon ferner nehmen, wolle. Dann werden die Renommisten sich winden und krümmen und angstvoll bekennen: „Ihr dürft nicht fluchen — ich weiß kein Hebräisch!" Die Männer vom liberalen Konnte aber werden an die Seite der vorn schlimmen Verdachte Befreiten treten und mit dem überzeugenden Tone der Wahrheit sagen: „So unwissend in hebraicis wie die, sind wir schon lange!" Ins der Krrliiier Grimildk. I. Die Sitz un g d e r R ev räs e ntan 1 en versamm l u n g am 9. Mai war sehr spärlich besucht, nur ein ruitdes Dutzend der Herren waren zugegeit, während der Vorstand fast vollzählig am Platze war. Und doch waren, wie unsere Leser ans dem nachfolgenden Berichte entnehmen werden, die vorliegenden Beratnngsgegenstände interessant und wichtig genug, um selbst in der gegenwärtigen Jahreszeit die Herren Gemeindevertreter zu veranlassen, etwas reichlicher an Zahl ztir Stelle zu sein. Eröffnet ivurde die Sitzung mit einer Reihe von Mitteilungen. Wie erinnerlich, wurden in der letzten Sitzung 300 Mark bewilligt zur Entsendung von Waisenkindern in Ferienkolonien. Der Vorstand hat sich jetzt damit einverstanden erklärt. Der Hauptkassenrendant, Herr Jakoby, nimmt für einige Zeit Urlaub. Die Herren Dr. Lachman und Direktor Herrmann vom Vorstande werden _ während dieser Zeit sein Amt übernehmen. Aus eine durch die Repräsentantenversammlung ver>anlaßte Eingabe des Vorstandes an das Polizeipräsidium, dahingehend, zu gestatten, daß die im Herbst stattsindendeu Repräsentantenwahlen nach dem int neuen Statut vorgesehenen Modus der geheimen Wahl statt sin den, ist der Bescheid erfolgt, daß eine s olche Wahl nur dann in der angegebenen Weise erfolgen könne, wenn der Herr Oberpräsident bis zu jenem Zeitpunkte dem neuen Statut feine Genehmigung erteilt habe. Frau Militzfch hat der Erziehungsanstalt in Pankow ein Legat von 4500 Mark ansgesetzt. Erschwerende Bedingungen sind an diese Schenkung nicht geknüpft, der Vorstand hat seine Genehmigung bereits erteilt, und erklärte sich auch die Versammlung mit der Annahme der Schenkung einverstanden. Hierauf erstattet Herr Maurermeister Fränkel namens der Baukommission Bericht über den Neubau des Hospitals. Die Kommission beantragt, für den Rohbau die Summe von 110 880 Mark zu bewilligen, für den weiteren Ausbau des Gebäudes eine Summe bis zur Höhe von 140620 Mark dem Vorstände zur Verfügung zu stellen. Letztere Form deshalb, weil über verschiedene Einzelheiten bislang noch keine definitive Einigung herbeigesührt sei. Wie der Referent mitteilt, sind auf Grund der ausgeschriebenen Submissionen 7 Offerten eingegangen, von denen die niedrigste 116 880 Mark, die höchste 162 000 Mark, soweit der Rohbau in Frage kommt, beträgt. Die Kommission hat im Einverständnis mit dem Vorstand das niedrigste Angebot acceptiert und mit dem betreffenden Unternehmer bereits einen Kontrakt stipnliert. Herr Fränkel hatte daran Mancherlei auszusetzen, ohne im einzelnen das Was und Warum anzugeben. In ziemlich erregter Weise bemängelte der Referent, daß die Bauanschläge, Pläne, Zeichnungen u. s. w. zu spät in die Hände der Baukommission gelangt seien, und daß öaher bei der Kürze der Zeit die Prüfung des vorhandenen Materials keine allzu gründliche gewesen sein könne. Auch scheinen bei dieser Gelegenheit wiederum allerlei kleine Kompetenzstreitigkeiten mit unterlaufen zu sein, denn Herr Fränkel forderte mit großer Entschiedenheit, daß die Baukommission auch während der Zeit des Baues das Recht der Koutrolle und Mitbestimmung haben solle, und wie aus den Erwiderungen von: Vorstandstische hervorzugehen scheint, ist der Vorstand durchaus nicht geneigt der Baukommission dieses Recht einzuräumen. Auch sonst scheint diese Vorlage keine leichte Geburt gewesen zu sein, denn der Referent betonte, daß er diese Vorlage allerdings zur Annahme empfehle, aber nur, weil ihm vom Vorstande auf das bestimmteste versichert worden sei, daß noch mancherlei Aenderungen vorgenommen werden sollten. Die Herren Justizrat Meyer, Sanitätsrat Dr. Wiesenthal und Jacoby von: Vorstande schienen gleichfalls in recht kampfeslustiger Stimmuizg zu sein, und ihre Entgegnungen klangen infolge dessen mitunter sehr gereizt. Die Diskussion dauerte ziemlich la.nge, führte aber schließlich zur einstinnnigen Annahine der geforderten Summen. Gleichfalls bewilligt wurden alsdann nach dem Anträge desselben Referenten 12 000 Mark für einen Umbau an: Erziehungshause in Pankow. Es sollen auf diese Weise verschiedene Klassenzimmer, sowie die Wohnung des Direktors neu- bzw. umgebaut werden. Dem Religionsverein Bene Berith wurden alsdann 1000 Mark als Subvention bewilligt. Wie der Referent, Herr Leonhard Sachs, mitteilt, haben die angeftellten Informationen ergeben, daß der bisherige Direktor der Religionsschule, Herr Dr. Kroner, am 1. Juli sein Amt niederlegen werde. Da es vor der Hand noch ungewiß ist, wer sein Nachfolger und ob es eine tüchtige, bewährte Kraft sein werde, so bewilligte die Versammlung, da Vorsicht die Mutter aller Weisheit ist, die oben erwähnten 1000 Mark nur für ein halbes Jahr, während die betreffende Schule sonst immer den Betrag von 2000 Mark für ein volles Jahr erhielt. Im Nordwesten von Berlin soll von Gemeindewegen eine neue Religionsschule eingerichtet werden. Ja, es geschehen noch Zeichen und Wunder! Wer hätte das vor Jahresfrist noch für möglich gehalten? Oder werfen etwa auch in diesem Falle große Ereignisse ihre Schatten voraus? Sollte vielleicht der Gedanke an die Nepräfentantenwahlen im Herbst und die immer mehr sich geltend machende Stimme der öffentlichen Meinung mitbestiinmend gewesen sein bei solch' ungewohntem Thatendrangc? Gleichviel, das Ereignis steht fest. Wie der Referent, Herr Leonhard Sachs, mitteilt, hatte die Schulkommission den Antrag gestellt, zwei Religionsschulen neu zu begründen, eine im Osten von Berlin und eine im 'Nordwesten. Der Vorstand hat jedoch durch den ersten Teil des Antrages einen dicken Strich gemacht,