Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 23 (7.6.1895)
- Date
- 1895-06-07
- Page
- Seite 369 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2T 5 e f u r u n. Seite heiligsten Tag der Woche sich der Arbeit nicht enthalten. Die sind unehrlich und inkonsequent, denn das orthodore Indentnnt ist entweder das eine oder das andere; -es muß ans dein talmudischen Grund mit) Boden, auf dem rabbinischen Standpunkt stehen ober es hängt in der Luft. Wenn es das nicht ist, dann ist es aber die Inkonsequenz, welche Dr. Einhorn so derb gekennzeichnet hat als ein Skelett, Ms sieh in leuchtende (Gewänder hüllt, um das Volk zu täuschen." Man erwartet, daß die Naddiner M. S. Levp und Dr. Nieto die Antwort nicht schuldig bleiben werden; und sollten sie antworten, so werde ich nicht verfehlen, auch die Antwort Ihnen mitzuteilen. Kiev irrrö dort. - Unter den llervormqende» Bürgern Berlins, die bei der Ansiiloliuiq der dritten Wmidfläclie des (Gemäldes von Müblenbrnch „Tie Wiederaufrichtung des deutschen Neichcs und die Erhebung Berlins zur Neictzslmuplsmdt" ii» Treppenhanse des Berliner Aal- Hauses bildlich verewigt werden sollen, werden sich auch einige Hilden befinden, und zwar: Stadtrat Magnus, Ludwig Loewe und Tr. Strasjinann, Laster und Tr. Traube. Tie in Betracht koniinenden getauften Juden oder deren Abkömmlinge, wie Banrat Hitzig lein Nachkomme von Taniel Itzig), Schauspieler Dessoir, der Meistergeigcr Joachim und der ElroßindnstricUe Franz Mendelssohn, seien mir beiläufig genannt. - In der preußischen Bevölkerung sind die Juden mit 1,2 v. £>., unter den G p mn a sia la bitn r ien t en aber mit 8 v H. vertreten. In Provinzen mit starker jüdischer Bevölkerung ist die Zahl der jüdischen Abiturienten natürlich größer. So sind sie beteiligt in Berlin mit 24 statt mit 5,5 v. H., in Hessen-Nassau (Frankfurt > mit 10 statt mir 2,7 v. H., und in Schlesien mit in statt mit 1 v. H. Gegnerische Blätter rechnen nun aufgrund, der halbamtlichen Statistik ans, daß künftighin Preußen unter 1000 Juristen 104 und unter 10oo Ptedizi- »ern 175 Inden sein werden, während sie nach ihrer Bevölkerungsziffer unter 1000 nur mit je 12 Juristen und Medizinern vertreten sein sollten. -- Herr Geheimrat 2 chwabach hat der jüdischen Resormgemeinde in Berlin, deren Äkitglicd er ist, gelegentlich ihres vor kurzem gefeierten fünfzigjährigen Jubiläums 10« >00 Mark überwiesen. Eine fürchterliche Entdeckung hat die antisemitische „Tägl. Nnndschan" gemacht. Bei dem Empfang der Westfalen durch den Fürsten Bismarck erhielt die Iran des Vorsitzenden des Bochumer nationallibcralen Wahlvercins, welche im Namen der Frauen Bochums gesprochen halte, vom Fürsten Bismarck einen Kuß. Tie „Tägliche Nnndschan" hat nun ausfindig gemacht, daß die Tamc eine getaufte Jüdin ist, und ist darüber natürlich außer sich vor Entrüstung. Das schönste ist, daß daraufhin der gesamte Vorstand des nationalliberalen Wahlvereins in Bochum sein Amt niedergelegt hat. — Nene Neligion. In einer größeren Stadt läßt sich ein Fremder zu den verschiedenen Kirchen fahren. Alö er die Spnagoge besichtigt hat,^ fragt er den Kutscher: „Giebt cs auch Antisemiten hier'A' - „„Io/"' antwortet dieser, „„genug; awer se bawe noch fei Kärch'!"" T«e bisherige zweiklassige jüdische Elementarschule in Tcntsch- Krone ist durch Beschluß der dortigen Schuldeputation in eine einklassige nmgewandelt worden, weil die Anstalt nur von 59 Kindern besucht wird. Ter dadurch übel-flüssig gewordene Lehrer wird vor der Hand an der dortigen evangelischen Schule beschäftigt, bis er anderweitig Anstellung erhält. — Gegen die im Februar vollzogenen Nepräsentantenwahlen in Ostrowo ist bei dem Negierungspräsidenten zu Posen Protest eingelegt worden, weil die Lehrer der jüdischen Volksschule bei derselben mitgewählt haben. Tieselben waren in der Wahlliste nicht eingetragen, machten aber ihr Recht geltend und bewirkten einige Tage vor dem Wahlakt Eintragung ihrer Namen. In dem jüngst eingegangenen Bescheide wird der Wahlakt vom 7. Februar als nngiltig erachtet; in demselben wird ausdrücklich betont, daß die Lehrer zur Teilnahine an der Wahl berechtigt sind, aber die Form dadurch verletzt ivordcn ist, daß deren Namen nicht innerhalb der vorgeschricbenen Frist in die Liste eingetragen ivorden sind. Ter Tentone Teutobold hat in der vor. Nr. prophezeiet, was sich auch erfüllet hat: Ter Gemeinderat in Wien ist aufgelöst und die provisorische Verwaltung der Kaiserstadt einem Staatskoininissar überlragen ivordcn. Tb die Antisemiten ans der Nachwahl geschwächt oder gestärkt hcrvorgchen werden, das läßt sich nicht Voraussagen. Man hostt das erstere, fürchtet aber das letztere. fittfrntur. * Brairri, (beschichte der Juden und ihrer Litteratnr 2 Teile. Bering von Wilhelm Iacobsohn in Breslau. Der eben erschienene 2. Baud von Brauu's jüdischer (beschichte rechtsertigt vollkommen das günstige Urteil, das die fachntännische Kritik schon über den ersten Band gefällt hat. TaS Erscheinen eines jüdischen Geschichtsbuches ist immer noch ein Ereignis, obwohl unser Bedars bisher wenigstens kaum kümmerlich gedeckt war. Es ist darilin nicht zu verwundern, daß das von dem gründlichen Geschichtskenner Braun bearbeitete Werk mit Freude und Erwartung begrüßt wird. Es wird eine schwer empfundene Lücke schließen. Was uns fehlte, mar ein Werk, das als Schulbuch für höhere Lehranstalten brauchbar, doch durch den Reiz eines geglätteten Stils und durch weise Beschränkung in der Ans wähl des stosslicheit Materials in Mußestunden auch zur häuslichen Lektüre lockt und heranssordert. Dem Bersasser ist es in anerkennenswerter Weise gelungen, die schroffen Klippen gedrängter Stossanhünfnng wie weitläufiger, das Ziel ans den Äugen verlierender Reflerion geschickt zu um segeln. Wir sehen in dieser Bearbeitung unserer Geschichte für Schnlzwecke zum ersten Mal die biographische Methode mit Weglassung alles Nebenwerkes, das die Uebersicht so sehr stört, konsequent und sicher durchgeführt. Dem Bersasser muß noch mehr für das gedankt werden, was er weife als zuviel bei Seite gelassen hat, als für das positiv Dargebotene. Das ist der Stein, über den viele sonst gute Schriften dieser Art stolpern. Der Antor weiß uns aber auch die gezeichneten Geschichtsbilder in großer Anschaulichkeit, mit warmen Herzenstönen und gewandter Darstellung vor die Augen zu führen. Diese Vorzüge, zu denen sich oft eine eigene und eigenartige Auffassung gesellt, machen das Werk sowohl zu einem Lehrbuch für höhere Lehranstalten wie zu einem Lesebuch in HauS und Familie in hohem Grade geeignet. Möge es nach Berdienst gewürdigt werden und die Kenntnis unserer großen Vergangenheit fördern und verbreiten Helsen! To-. * Eine neue Fibel. Im Berlage der Wirth'scheu Hosbuchdruckerei, sowie im Kommissionsverlage der Schoen'fchen Buchhandlung in Npbnik ist eine hebräische Lesefibel erschienen, die der ausgedehntesten Beachtung wert ist. Das Werk bahnt aus dem Gebiete des hebräischen Unterrichts einen völlig neuen 'Weg; sie ist eine Neformfibel in des Wortes bester Bedeutung. Dafür bürgt schon der Name des Verfassers, der ihr geschätzter Mitarbeiter ist, und der sich durch eine Neihe pädagogischer Aussätze einen guten Ruf erworben. Der Dirigent des Waisenhauses in Rybnik, Herr Leopold Katz, hat iit einem Artikel: „Reform der hebräischen Fibeln" an den im Gebrauch befindlichen Lesewerken gerechte Kritik geübt, zugleich aber auch den Plan skizziert, nach dem eine zeitgemäße Fibel geschaffen iverden müsse. Seine vorliegende Fibel ist ein konsequentes und durchaus logisches Produkt jener in dem beregten Artikel klargelegten Theorien. Theorie und Praris so schön vereint, sind anerkannt von der freien Bereinigung jüdischer Lehrer Dberschlesiens, geprüft und empfohlen von einem als Lehrer bekannten Rabbiner, sowie einem königlichen Kreisschnlinspektor, so kann ich mich daraus beschränken, die Vorzüge dieser Katz-Fibel vom pädagogischen Gesichtspunkte