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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-06-07 · 23 (7.6.1895) · p. Seite 370

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
23 (7.6.1895)
Date
1895-06-07
Page
Seite 370 (sequence 14)
Language
German
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aus zu beleuchten. 1. Die Buchstaben find nach ihrer äußeren Aehulichkeit gruppiert. Dieses System ermöglicht schnelleres Erfassen durch Vergleichung, und diese wiederum beugt dem Verwechseln vor. 2. Jede Uebuug ist m best¬ und llebcrsetzungsübuug geteilt, d. h. bei letzterer sind die Wörter der ersten übersetzt. 2. Alle Wörter der Lescübuugen haben Zeichen für Silbentrennung und Betonung; diese Hilfsmittel fehlen indes bei den llebersetzungsübungen. Und mit gutein Grund; denn dadurch wird zum Nachdenken angeregt, dem Mechanismus gesteuert. 4. Das gleiche Prinzip findet bei dem 2. Teil der Fibel, dem Gebetübersetzen Anwendung, die bereits übersetzten (und zwar getreu und dem kindlichen Auffassungsvermögen verständlich 'übersetzten) Wörter bleiben bei ihrer Wiederkehr unübersetzt. Jede Verlegenheit — schärst den Geist, und so werden sich die Wörter fester dem Gedächtnis einprägen. 5. Der Lesestoff ist trefflich geordnet, so daß diese Fibel in der That des lindes erstes Lesebuch bildet, zu dem eS gern greisen wird; und das ist ein unschützbarer Vorzug. Aus den täglichen Gebeten werden dem Kindesalter angemessene und die demselben verfügbare Zeit berücksichtigende kurze, in sich abgeschlossene Gebete gereicht. Alles in allem, die vorliegende Fibel muß nach meiner vollen Ueberzeugung als die beste der hebräischen Fibeln bezeichnet werden; sie wird in kurzer Zeit in unseren Schulen Eingang finden und ihren Platz behaupten. I. Guttmann, Ohlau. — Der gegenwärtig in Einennati weilende jüdische Gelehrte, Herr M. L. Rodkinson, hat soeben im Selbstverläge eine verkürzte Ausgabe des t a l m u d i s ch e n Traktat s „Rösch Haschana" nebst dem Kommentar Rasch i's veröffentlicht. Der Text ist mit einer englischen 1lebersetz ung von dem Prediger Herrn I. Leonard Levy in Philadelphia begleitet. Was das Studium des Talmud von jeher so schwierig gemacht, ist, abgesehen von der knappen und gedrängten Sprache der talinudischen Litteratur, und dem häufigen Gebrauch eigentümlicher Kunstausdrücke, besonders der llmstand, daß da die schon an sich sehr verwickelten Diskussionen für den ungeübten Leser oft schwer fällt zu entscheiden, wo eine Frage endet und wo die Antwort beginnt. Diesem Uebelstande sucht Herr Rodkinson in seiner Talmudausgabe dadurch abzuhelfen, daß er, ohne dem wesentlichen Inhalte irgendwie Abbruch zu thun, alles Nebensächliche und Abschweifende ausscheidet, wodurch der Text übersichtlicher und dem Verständnis zugänglicher gemacht wird. Außerdem hat er sowohl den Text als den hebräischen Konunentar Raschi's mit der nötigen Interpunktion (Komma, Punkt, Fragezeichen und Ausrufungszeichen) versehen. Begreiflicher Weise wird dadurch das Studium des Talmud besonders für Anfänger bedeutend erleichtert. Herr Rodkinson beabsichtigt, in dieser Weise sämtliche Traktate des Talmud herauszugeben, was in der That ein höchst verdienstliches Werk wäre. Ein solches Unternehmen erfordert aber außer geistiger Arbeit selbstverständlich auch bedeutende Geldmittel. Freunde unserer alten Litteratur sollten daher durch Subskription den gelehrten Mann zur Ausführung feines löblichen Vorhabens willig unterstützen. — Was die Uebersetzung des erivähüten Traktates betrifft, so genügt schon ein flüchtiger Einblick in dieselbe, um jeden sachverständigen zu überzeugen, daß Herr Leonard Levy seine Ausgabe mit Geschick und Takt gelöst hat. Es ist dies die erste Uebersetzung dieses Traktates in englischer Sprache. In deutscher Sprache sind Uebersetzuugen dieses und einiger anderer Traktate bereits vor- ' banden; aber dieses Uebersetzungen leiden meistens an dem Uebelstande, daß sie wörtlich und dadurch schwerfällig, holperig und wenig ansprechend sind. Herrn Levy dagegen ist es gelungen, eine stießende Uebersetzung zu liefern, in der Treue mit Deutlichkeit und Gefälligkeit verbunden sind. Das Verständnis schwieriger Stellen ist teils durch gelegentliche kurze Einschaltungen, teils durch erklärende Fußnoten erleichtert. Eine ähnliche Uebersetzung aller Traktate würde die sieben Siegel, unter welchen der Talnmd bisher für die nichtjüdische Welt verschlossen lag, erbrechen und zur besseren Würdigung jenes Riesenwerkes des rabbinischen Altertums beitragen. Pros. Dr. M. Mielziner-E—1i. Aphorismen und Mrttp. 1. Weder das Leben noch der Geist stehen stille. Das Werk der Väter setzen die Söhne und die Enkel fort; niemand vollendet es, und nirgends ist die Grenze. 2. Suche keinen neuen Pfad, denn du wirst dich getäuscht finden: wer den Weg der Väter fortsetzt und ihn weiter führt, dem gelingt es. lst Lobe die vergangenen Zeiten, aber verachte nicht die Gegenwart unb verliere die Hoffnung nicht für die Zukunft; sie sind alle von Gott. 4. Wer die Menschen verachtet, schmäht Gott, denn es heißt: „Gott schuf sie in seinem Ebenbilde." Fürchtest du die Menschen mehr als Gott, wehe dir — denn es heißt: „Fürchtet nicht die Schmach der Menscheil und vor ihren Züchtigungen zaget nicht!" 5. Wer dem Geiste zurust: Stehe still! der nimmt ihm auch, was die Väter ihm vererbten, denn er wird es nicht mehr verstehen. Wer dem Geiste zurust: Bis hierher und nicht weiter! der maßt sich die Macht Gottes an und mißbraucht sie zugleich, denn Gott hat uns zwar Grenzen gesetzt, aber in seiner Gnade sie verdeckt mit lebendigen Hecken, daß wir sie nicht gewahren. 6. „Reicht jeder Mensch ist so glücklich, an zwei Tischen zugleich zu genießen." (Berach. st.) Im gewöhnlichen Sinne heißt dies: Rur selten glückt es, zwei Zwecke zu gleicher Zeit zu erreichen; in höherem Sinne: Nur wenigen Menschen ist es gegeben, daö weltliche und geistige Leben, das bürgerliche und religiöse, die Sorge für das irdische und das Streben für das jenseitige in richtigem Maße zu vereinigen. 7. „Nicht was du sagst, sondern was deine Nebenmenschen sagen" (Sanhedr. U), 1.) Das heißt: In allen Dingen, die das Urteil über uns selbst betreffen, müssen wir weniger unsrer eigenen Meinung, als der andrer Menschen trauen. Kriesunstogckalic». In der Antwort betreffs Stnbbifd) Ü. muß, weil es sonst sinnst öre»b ist, berichtigt werden: „So sind auch in den aramäisch abgefaßte» läaddischtei len rein hebräische, weil im Munde des Volkes lebende Worte, wie: Iitgadal jitkadasch, jitbarach bis wejithallal, ebenso wcchajim alenn" heißen. Dr. Leindörfer. (!. Frage- Ist ein .Nnltusbeamter verpflichtet, im Falle seiner Grkranknng einen Stellvertreter zu besorgen und zu besolden ' b- Antwort. Wenn diese Verpflichtung nicht im Anstellnngsvertrage vermerkt: Nein! 7. Frage. Ist der Vorstand einer (Gemeinde berechtigt, den Mitgliedern das Vorbeten an Wochentagen zu untersagen V —»■ A n tw ort Unbedingt. Aber der Vorstand Ihrer Gemeinde, deren Mitglieder fast sämtlich des Vorbetens nicht unkundig sind, dürfte ans Tpportnnitätsgrnnben ei» solches Verbot nicht erlassen.

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