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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-06-07 · 23 (7.6.1895) · p. Seite 366

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
23 (7.6.1895)
Date
1895-06-07
Page
Seite 366 (sequence 10)
Language
German
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^'' ' 1V-'' i Seite 330 3 C f d) U V U tt. Nr. 23. «Und das ist heute notwendig! Cl), das bat in unfern Seiten viel zu fugen." Sie wußten nicht, daß die Salons und diese (Gesellschaften in sehr ziveideutigen „Etablissements" ihren Platz batten; und diese Gräfinnen und Fürstinnen batten mehr als einen verdächtigen Ruf. Darum war das richtig, was Genio von feinen Triumphen erzählte, die er aber wo anders, als auf den Salonvarguets davougetragen hatte . . Uederdies war er ein total garstiger Bursche. Ausgereckt, grün, blaß und wie vor Fieber zitternd, befaß er noch eine tüchtige Tosts Zynismus und Einbildung. AufKlara „verstand er sich sofort", und zu feinen bei verschiedenen Mamsells errungenen Siegen wollte er noch einen hinzufügen. Er begann also ihr den Hof zu machen, freundlich zu thun und ihr Impertinenzen zu sagen, die in feinen Kreisen als Komplimente galten. Sie nahm dies anfänglich gleichgiltig hin, und als ne sah, daß seine Frechheit zunahm, bewies sie ihm offen ihren Widerwillen und Abscheu. Genio aber scherte sich wenig darum. Einmal war er bei einer Sektion zugegen. Nauie hatte durch irgend einen glücklichen Zufall ihre Aufgabe ausgearbeitet und die darob erfreute Klara küßte sie auf den Kopf. „Ach, wie glücklich bist Tu, Nauie," fugte der Schlingel zum Kinde. — „Ich möchte Ihr Schüler fein." — Ein anderes Mal ging Klara mit den Kindern spazieren. Plötzlich erscheint Genio und sich anschließend begann er wie gewöhnlich, sie mit feinen Liebenswürdigkeiten und Witzeil zu verfolgen. Ein betrunkenes Weib kam des Weges und das Paar erblickend, geriet sie in eine"weiche Stimmung und begann in gebückter Haltung zu wünschen: „Gebe Euch Gott ein langes Leben, schöne Kinder und Enkel." Genio stieß sie weg, rief aber dabei liebäugelnd: „Hören Sie — ein altes Sprichwort sagt: Bolkesstimme, Gottesstimme!" Derartige Witze und Artigkeiten ermüdeten und verletzten .Klara bis aufs Blut. Sie war eben in jenem Alter, in ivelchcyn der Mensch physisch reif und für die mächtige Stimme der erwachenden Sinne empfänglich wird. Aber Genio war in seinen Gefühlen und Ausdrücken brutal und flößte ihr einen Abscheu ein. Es kam so weit, daß sie eines Morgens glühend lind heftig aufgeregt, sich über feine Zudringlichkeit bei der Frau Amalie beschweren und um ihren Schutz bitten mußte. Diese schaute sie mit einem sonderbaren Blicke an, und das Söhnleiu sofort aufsucheiid, ließ sie sich mit ihm in ein lärigeres Gespräch ein. Tags daraui wies der „Herr" dem jungen „Herrn" im rechten Flügel, fast neben Klaras Kabinet, ein Zimmer au. Einige Tage später erschien Klara in aller Frühe, blaß und in größter Erregung im Zimmer der „Herrschaft" und bat in kurzen Worten um ihre Entlassung. Sie gab keine Motive an, hörte nicht auf das Zureden des Herrn Krasicki, und infolge des- „Kontraktbruches" nur die Hälfte ihrer Gage erhaltend, nahm sie von diesem Hausein welchem das Schicksal ihr wieder einige schwärze Blättkr enthüllte, Abschied. Und wieder war sie wie ein einsamer, den entfesselten Meereswogen preisgegebener Kahn. — — XVI. Herr Krasicki ließ sich von seiner Artigkeit soweit hinreißen, daß er die En-Gouvernante in seinem Wagen nach dem nächsten Städtchen schickte. Es war dies seinerseits ein wahres Dpfer, deiln während der Eriitezeit hatten Pferde uiid Knechte eineil doppelten Wert. Jül Wagen überließ sich Klara trüben Gedanken. Die unbekannte Zukunft machte sie bestürzt und die mitgemachte Bergangenheit schmerzte sie. Und als sie das soeben verlassene polnische Haus mit seinen polnischen und katholischen Bewohnern mit ihrem Elternhause verglich, frug sie sich uilwitlkürlich: „Worin unterscheidet sich Frau Amalie von einer gewöhnlichen Jüdin, von meiner Mutter oder Taute? Dder ihr Mann, der solch einen kernpolnischen Namen trägt? Ist in ihrer Lebensweise das ideale und ethische Element geilügend berücksichtigt? Nun, aber wer weiß? Das ist ein vereinzelter Fall, den ich noch nicht generalisieren darf . ." Uebrigens hatte sie zu einer genauen Analyse während der verflossenen zwei Monate keine Zeit. Ihre ganze Aufmerksamkeit wurde voll der erlisten Frage in Anspruch genorumen: „Was beginnen?" Sie kam ins Städtchen ohne jeden Plan. Einigemal kehrte zwar der Gedanke einer Annäherung all ihre Eltern hartnäckig wieder, aber sie verscheuchte ihn stolz. „Ich werde inich vor ihnen nicht demütigen, ich befiilde mich noch nicht in solch einer verzweifelten Lage; übrigens haben sie vielleicht mich vergessen, da sie gar keine Schritte unternehmen." Der Fuhrmann fuhr bei Nifka vor. Bei Nifka Vorfahren bedeutete im Städtchen so viel, wie in Berlin im Zentral-Hotel absteigen. Ihr Hotel befand sich am Nuigplatze; vorne war ein großer GefchäftSladeu, dann eine gewöhnliche Schenke und weiter zwei enge und dlinkle Zimmer für die Magnaten und Intelligenz der Umgegend, welche während der Feiertage und Jahrmärkte da immer ihren Sammel- und Lagerplatz hatten. Klara nahm in einem Zimmerchen an dem Tisch Platz und nachsiuneud und schweigend überlegte sie, ob es nicht gut wäre, wenn sie sich voll da nach Lenlberg begebe, um dort eine passende Beschäftigung für sich ausfindig zu machen. Da kam Nifka in eigener Person aus der Schenke mit einer all deren Jüdin ins anstoßende Zimmer. Beide küßten und llmarmten sich lind Klara erfuhr aus der Begrüßung-, daß sie Schwestern feien, die sich seit langer Zeit nicht gesehen hatten. Und zuiil zweiteil Male im Leben war Klara wider Willen Zeugin einer linter zwei Schwestern in gewöhnlichenl Jargon stattfindenden Unterredung. (Fortsetzung folgt.) Aus Biele bezaubernde nieder Sang niir, vorn Alker gebleicht, Nächtlicher Stunde die Aiume, Ueber mein Bertcheu geneigt. Vas Liri> des (clinis Aussischeu des S. Frug von Wilhe! lind auch viel herrliche Märchen Waren der (»Uten bekannt. Blastgrauer Aebelgestalt gleich Hielt mir die Seele gebannt, P e r l ui a u n. Fininer und leis sie umschwebend, Fegliches Zagengebild. Heilte noch denk' ich der, Schlösser, Berge, in Tnukel gehüllt.

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