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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-06-07 · 23 (7.6.1895) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
23 (7.6.1895)
Date
1895-06-07
Page
Seite 361 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23. 5 ( I (6 u r u ti. Seite 30 1. Die Kritik muß also hier schweifen, oder fic muß notwendiger Weise sich einen Ableiter suchen und diesen Ablciter bilden — die P ri v n t g em c i n b e n. Das mar ein weiteres Motiv zur Bildung dieser Institutionen. (Ein fünftes Kapitel folgt.) vir ilrrbiiltiiiffr der Kultiislieiiinte» in (f|fafs= {ptliringfii. Bon i>c- Wetter, Winzenheim (Oö- Elsaß». 1. D ie RabbinatSverhältnisse in Elsaß-Lothringen. Bis zum Jahre 1870 erhielten unsere Rabbiner ihre Vorbildung ans dem Seminar zu Paris, welches bekanntlich vom Staate und dem Zentralkonsistorinm unterhalten wird. Bald nach der Annerion des Landes mehrten sich die vakanten Stellen und es wurde versucht, ausländische Bewerber zu gemimten. Doch ivaren diese .Kandidaten der Bevölkerung wenig willkommen und so ivurde von ferneren Berufungen Abstand genommen. Die Lucken wurden indes immer zahlreicher, io daß bald die Hälfte nuferer Rabbinate unbesetzt blieb. . Für das Rabbinerpersonal in Elsaß-Lothringen sind int Landesetat folgende Stellen vorgesehen: In Lothringen 1 Ober-Rabbiner und 2 Rabbiner, „ Unter-Elsaß 1 „ „ „18 „ Ober-Elsaß 1 „ „ „ 20 Die Konsistorien des Landes sahen sich nun genötigt, falls die Sielten nicht eingehen sollten, einheimische Rabbiner heranznbilden. So wurde itn Jahre 1880 eilte Rabbinerpräparandensehnle z» Eolmnr ins Leben gerufen. Die Gründung stieß auf wenig Schwierigkeiten. Vom Ministerium und dent Landesanvschnsse wurden sofort zu Gunsten des isr. Theologie-Aspiranten 8000, später 10000 Mark in das Budget von Elsaß-Lothringen eingestellt. Zahlreiche Gaben wurden beigesteuert und sämtliche KnltuSgemeinden des Landes lieferten Beiträge. Die Schüler treten in Eolinar im Alter voit 12 13 Jahren ein. Sie besuchen die Gpmnasialklassen des LpeenntS und die hebräischen Kurse des Direktors Herrn Dr. Wolfs, unter dessen Leitung die Rabbinerpräparandenschule steht. Nach Ableguitg des Abiturienteneramens besuchen die .Kandidaten die Universitäten in Berlin oder Breslau und die dortigen Rabbinerlehranstalten. Die Straßburger isr. Lehranstalt für jüdische Wissenschaft hat keine Lebensfähigkeit bewiesen. Rach bestandenem Rabbinereramen und Erfüllung der Militärpflicht wird dem Kandidaten die Verwaltung eines Rabbinats übertragen. In dieser Weise vorgebildete Kandidaten amtieren bereits 0 im Lande. Sie werden wie die übrige Geistlichkeit vont kaiserl. Statthalter ernannt mtb von der Landesregierung besoldet. Wohnung und Heizung hat ihnen die Gemeinde ihres Wohnsitzes zu liefern. _ Manche Gemeinden, welche Rabbinatssitze vorstellen, sind infolge des Fortzuges vieler Mitglieder znsammengeschmolzen und wäre es zu wünschen, daß dttrch eine andere Einteilung der Wohnsitz der Rabbiner in größere Städte verlegt werde, während gegenwärtig der Rabbiner nicht selten ans einem unbedeutenden Dorfe seinen Wohnsitz hat. Der Einsltiß der Rabbiner hat in deit letzteit Jahren wieder zngenütninen. Bald werden auch die vakanten Stellen wieder besetzt sein. 2. Israelitische L e h r e r v e r h ä l t n i s s c i n Elsaß- L o t h r i ti g e n. Die israelitischen Schnlamtskandidateit erhallen zur Zeit ihre Ausbildung am kath. Lehrerseminar 11. in Eolmar. In den fünf Kursen genannter Anstalt befinden sich durchschnittlich 7—8 Kandidaten, so daß alljährlich 1--2 Schüler entlassen werden, wodurch vollkomnten dent Lehrerbedürsnis int Lande genügt wird. Die Seminarabiturientcn werden von dem kaiserl. Bezirkspräsidenten angestellt und ebenso behandelt wie die Lehrer der übrigen Konfessionen. Die Gehälter beginnen mit dein Minimalgehalte von 800 Mk. und steigen nach 30 Jahren mindestens auf 14-00 Mk. (Phänomenal! Red.), außerdem erhalten die Lehrer freie Wohnung und Heizung, resp. eine entsprechende Entschädigung. Sie sind pensionsberechtigt und nehmen an allen Begünstigungen der öffentlichen Unterftütznngskaffen teil. Als Rebenverdienft wird dem israelitischen Lehrer der hebräische Unterricht teils von der Kultusgemeinde, teils von den einzelnen Schulkindern vergütet.' Doch herrscht bei dieser Besoldung noch große Willkür, welche zuweilen erheblich die erziehliche Thätigkeit des Lehrers zu beeinträchtigen angethan ist. Eine allgemeine Regelung des hebräischen Unterrichtes seitens der vereinigten Konsistorien, die ja bekanntlich mit amtlichen Befugnissen ansgestattet ist, wäre daher dringend notwendig. Biblische (beschichte, Religionslehre, Memorieren von Sprüchen, geistlichen Liedern und Psalmen gehören znin obligatorischen Schulunterrichte und werden wie die übrigen Fächer vom Kreisschnlinspektor revidiert. Elsaß - Lothringen zählt 05 israelitische Schulen mit 57 Lehrcrn und 8 Lehrerinnen, 2 Lehrer und 2 Lehrerinnen sind Simultanschnlen zngeteilt. Da auch in den Reichslanden viele Glaubensgenossen aus den Dörfern in die Stadt ziehen, so ist die israelitische Landbevölkerung in steter. Abnahme begOffen, was zur Folge hat, daß seit einigen Jahren die Lehrerftellen immer seltener werden, namentlich aber das Einkommen der Lehrer auch bedeutend geringer wird. Im allgemeinen lösen unsere Lehrer die schweren Ausgaben ihres Berufs zur vollkommenen Zufriedenheit der Aufsichtsbehörde, und die israelitifchen Schulen werden zu den besten dev Landes gezählt. So wurde erst vor einem Jahre aut Kaisers Geburtstag dent Lehrer Hirsch-Boxheim eine Prämie ans der Georgi - Georgenan - Stiftung znerkannt wegen vorzüglicher Leistungen in der Muttersprache und der vaterländischen Geschichte, was umsomehr anznerkennen ist, als Herr Hirsch noch in der sranzösischen Zeit seine Ausbildung erhalten hat. Doch bei all diesen erfreulichen Erscheinungen bleiben in den Lehrerverhältnissen noch vielfache Verbesserungen anznstreben. Vor allem wäre es eine dringende Pflicht der Konsistorien, der Ausbildung der israelitischen Schnlamtskandidaten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als dies bisher geschieht. Bei dem Wohlwollen, das von der Behörde den israelitischen Seminaristen entgegengebracht wird, könnte das Seminarleben der israelitischen Zöglinge mit geringer Mühe viel angenehmer und freundlicher gestaltet werden, als eü bedauerlicherweise heut der Fall ist. Daß die israelitische Landesbehörde der Lage der angehenden Lehrer so wenig Interesse schenken, ist tun so verwunderlicher, als ihnen bei der Anstellung der Lehrer das Vorschlagsrecht zustehp Unter anderem könnte doch ohne allzugroße Kosten dafür gesorgt werden, daß die Schulamtskandidaten ihr eigenes gemeinsames Heim bekontmen und nicht gezwungen iverden, vereinzelt ohne irgend eine Aufsicht in Gesellschaftskreisen zu verkehren, in denen sie nicht innner nachahmenswerte Muster vorfinden. Für den Religionsunterricht ist mit einer Stunde wöchentlich nicht genügend gesorgt. Auch bei der bewährtesten Leitung kann dabei wenig heranskommen. Schließlich dürfte im

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