Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 22 (31.5.1895)
- Date
- 1895-05-31
- Page
- Seite 353 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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Nr. 22. 9 <? 1 c§ u r u rt. Seite 258. wünschte einen verheirateten, die andere, wo;« die Familien gehörten, welche heiratsfähige Töchter haben, einen unverheirateten Lehrer nnd somit kann auch die Damenwelt bei der Besetzung eine Hauptrolle spielen. — Was nun die Besoldungsverhältnisse anbelangt, so zahlen die Gemeinden für die Leistungen der Vorsänger gar nicht., nnd auch zu der Besoldung als Lehrer tragen sie nur den kleineren Teil bei. Möchten doch die Vorsieherätnter recht bald Mittel und Wege finden, dem Unwesen bei der Besetzung von Lehrerstellen ein Ende zu machen. * Französische Bibelübersetzung. Der Großrabbiner Frankreichs, Zadoe-Hah», hat den ihm unterstellten Nabbinern den Plan einer Uebersetzung der hebräischen Bibel mitgeteilt nitd sie aufgefordert, an derselben mitzuwirken. „Es ist in religiöser und sittlicher Hinsicht von der höchsten Wichtigkeit, daß wir unseren Gläubigen eine französische Bibel in die Hand geben, weiche durch ihren niedrigen Preis auch den Aermsteu zugänglich, dabei in klarer, einfacher, schöner Sprache abgesaßt sei. Eine solche Bibel kann nnr das gemeinsame Werk der französischen Rabbiner sein", schreibt er. Das Unternehmen ist insofern wichtig, als es der fortschreitenden Frauzösierunp der Inden in Frankreich entspricht. Renn Zehntel der französischen Juden sind aus Deutschland und anderen östlichen Ländern eingeivandert, wo sie sich an die deutsche Sprache gewöhnt hatten. Diese behielten sie bei, oft treuer als die christlichen Deutschen, die sich eher mit den Franzosen vermischen. Außer hebräischen Bibeln und Gebetbüchern, gebrauchen die französischen Juden nnr deutsche, selten französische, das natürlich zur Erhaltung der deutschen Sprache beiträgt. Das Rundschreiben des Großrabbiners eriitnert, daß der Rabbiner Eahu, Gründer des ,,Archive« isradites“, eine vollständige Bibelübersetzung herausgegeben hat. Aber diese ist mit einer Unmasse Bemerkungen und Erklärungen versehen, umfaßt deshalb zwölf Bände und kostet über hundert Franken. F>icr und dort. - An de» dotieren Schulen Preußens flieht es 52 jüdische C Der körn. Tie meine», 21 i» Ts-ranf fiut a. itf. (au de» jiidis c!) e i; öiailtcltok»» Mld IS i» Berti» (reift ausschließlich a» städtische» oimiutaiicn). Pexionalien. Oidieiiiirat Tr. Ni n fiel f er, Vorsitzender des T. 5- ('!• B, fe’crte am 2«. d. Ab seine» <5. Geburtstag. - Am 1.',. d. Al. feierte .de er Oberkantor Traut) i» Wiesbaden das 25 jälinge Amtsjnbilänm. --.Herr Lehrer Wahre» der g ist von Schwege»- beim uadr Güsten verfem; 'ein Vorgänger, Herr Tuet st ei» amtiert jetzt i» Schönflicß. — Herr Lehrer A. Weiler in Rördlingen beging aut 2s. d. Nils, sein 2« jähriges Dienstjubiläum. Durch seine amtliche Tüchtigkeit sowohl' als Lehrer wie als-Kantor bat Herr Weiler es verstanden, die Liebe und Hochachtung seiner Hultusgemeiude sich zu erwerben, wie anderseits derselbe sich auch durch sein ernstsreundliches und friedliebendes Wesen die Zuneigung und Achtung aller Mitbürger ohne Unterschied der.Konfession zu erringen verstand. Nicht unerwähnt wollen wir es heute lassen, daß Herr Weiler zu Ehren des /(). Geburtstages des Prinzregenten von Bayern den 2!. Psalm komponierte, welcher huldvollst entgegengenommen wurde. ... Tie israelitische Niinderheilstätte i» B ak «t a »1) o i m. die jetzt das vierte .Lahr ihres Bestehens beginnt, hat ihre Sai»on mit der erste» Grnppc von 0' Ninabe» eröffnet. Wie wir höre», soll »och '» diefem Jahre mit dem Ba» eines eigenen Hospitals begonnen werde». -- In der Niammcr der Abgeordneten in Württemberg wurde der Beitrag der Staatskasse zur israelitischen Zentralkirchenkasse mit 22400 Btt. ohne Debatte genehmigt. Wilhelm Bitter von Gntmann in Wien ist am 17. d. Bl. gestorben. Ter Verstorbene vereinigte großen Reichtum mit einem großen Herzen, das warm schlug für das Leid aller und für das Wohl seiner Glaubensgenossen. Er entstammt einer armen jüdischen Familie in Leipuik und gehörte ursprünglich dem Lehrerstande an. Dem .Hausmannstande sich znwendcnd, ward er in seinen Unternehmnngeii von stetem Glück geleitet, sodaß er, wie manch anderer Großindustrielle in Oesterreich „geadelt" wurde. Er starb als Ehest einer in ganz Europa angesehenen Großsirma, betrauert von weiten Hrcisen, nicht in letzter Reihe von der israelitischen Gemeinde in Wien, deren erster Vorsteher er mehrere Jahre war. In der Trauerrede wurde er mit Recht als einen „Fürst und Großen in Israel" gepriesen. — Ter „Wunderrabbi" Hager in der ungarischen (gemeinde B o r s a und dessen Schwager Ehodorodow in dem benachbarten Petrowa hatten sich daselbst ans Grund der Angabe niedergelassen, daß sie als „Taskal" (Lehrer) thätig fein wollen, da sie sonst laut einer bestehenden Verordnung des Ministeriums des Innern keine Bewilligung zur Ansässigmachung erhalten hätten. Da die beiden (genannten aber ihre Thätigkeit als Wundcrrabbis fortsetzen nnd die Leute oft scharenweise zu ihnen pilgern, haben sich die Vorstellungen der beiden Gemeinden au den Obergespan des Rkararmaroser Niomitats Lonvap gewendet, und um die Ausweisung derselben gebeten. — Tie Alliance israelite universelle hat in unmittelbarer Rühe von Tunis ei» Grundstück erworben, um eine Ackerbauschule nach dem Vorbilde der in Jaffa bestehenden zu errichten. Tie Nioste» belaufen sich auf ca. 400 000 Francs, aber diese große Answendung verspricht auch großen Nutzen für die 60 000 .Jude» von Tunis, welche ein solches Institut sicher sehr stark in Anspruch nehmen werden. - Einer Deputation der in Rußland lebenden Ouäker gegenüber soll der Zar sich geäußert haben: „Tie religiöse Toleranz ist eine der kostbarsten Errungenschaften, welche der menschliche Geist errungen hat. In meinem Reiche bildet die Gewissensfreiheit' seit jeher das Leitmotiv der Rcgiernngspolitik gegenüber Andersgläubigen." — Plan gestatte uns, hier ein großes Fragezeichen zu markieren. - Auf der Balkan h albi u s e l schießen jetzt die Rabbiner- Seminare wie die Pilze empor. Bulgarien erhält sein Rabbiner- Seminar in Sofia, die Türkei besitzt ein solches schon in Adrianopel nnd nun soll sie noch ein solches in Salonichi erhalten. Ans der genannten Halbinsel leben, selbst wenn man Nionstantinopel dazu rechnet, kaum 300ooo Israeliten, nnd für diese sind drei Rabbiner- Seminare ein überflüssiger Luxus. Ta es nun in Salonichi mehrere Bothe-Midrafchim (.Lehrhänfer) nnd Icschiboth giebt, so werden wahrscheinlich mehrere derselben aufgehoben werden, um dem ncnzngründendcn Seminar Platz zu machen. Wie es heißt, begünstige die türkische Regierung die Gründung von Rabbiner Seminaren, damit auch die türkischen Rabbiner mit dem Zeitgeiste vertrant gemacht werden sollen. Ter katholische Priester' Pater Ignatius in N o 11 i u g h a m besuchte kürzlich die htbräischen Nilassen der dortigen Religionsschule. Bevor er dieselbe verließ, hielt er eine Ansprache an die Schüler, in welcher er dieselben ermahnte, sich mit berechtigtem Stolze Juden und Iüdinne. zu nennen, denn sie feien Niinder besonderer Liebe Gottes. Ten Juden habe der Allmächtige die große Ausgabe zngeteilt: Wahrheit nnd Aufklärung unter allen anderen Rationen der Erde zu verbreiten. Er selbst behandle deshalb die Inden mit großer Achtung, nnd als er ein Ninabe mar, unterließ er es nie, wenn er an einem alten Inden vorüberging, den Hut zu ziehen. Er enipfahl den Hindern, auch Palästina's, der Stätte ihrer großen geschichtlichen Vergangenheit, nicht zu vergessen nnd sprach die Hoffnung ans, daß sie alle, einmal groß geivorden, brave Inden nnd Jüdinnen sein würden. Im Torfe Warta scheu (Niankafns) leben seit Alters jüdische Bauern, welche den parsisch-tatarischcn Dialekt sprechen nnd vor anderthalbbnndert Jahren ans Persien übergesiedelt sind. Ihre am Ende des Torfes gelegene Ansicdlnng ist allmählich auf 350 Häuser angewachsen, sie haben aber keine eigenen Felder, sondern mieten das Land von den Einwohners Wartaschens nnd bauen ausschließlich Tabak. Im Jahre 1880 betrug ihre Ernte gegen 10000 Pud Tabak:, in den Jahren 18'.»« nnd 1801 bauten sie bis 30 000 Pnd Tabak, dessen Preis zwischen 2 nnd 3 Rbl. 50 Hop. schwankte. llticfiiitb ltWllnüni. 4. Antwort. Ter erste Teil dieser Frage ist in meinem Aufsatz „über das Waifenkaddisthgebet" beantwortet: die Heiligung des Ewigen in der (fl c m e i n d e, — das ist der Zweck des Haddisch: er muß