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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · p. Seite 352

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
Seite 352 (sequence 16)
Language
German
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erhöhen zu können, daß er im Verein mit den sonst versügdaren Mitteln ansreicht. — Man schreibt uns: In einem Wiener Blatte wird über das große Interesse, das unsre Glaubensgenossen den antisemitischen, und die Lauheit, die sie den Abwehrblättern entgegenbringen, geklagt. In .Uafe'e, die von Juden viel besucht werden, dürfen die schmutzigsten antisemitischen Blätter nicht fehlen, währnd sich keiner dieser Gäste bemüßigt fühlt, die Anschaffung eines pronoeiert judenfreundlichen Blattes zu fordern. Mancher Kafstier würde beispielsweise das „Deutsche Volksblatt", das an Niedrigkeit der Gesinnung, Verleumdung^ sucht und anderen edlen Eigenschaften der „Staatsbürgerzeitung" fast gleichkommt, gern abbestellen, erklärt aber dies aus Rücksicht aus seine jüdischen Gäste nicht wagen zu dürfen. — Hier in Berlin liegen die Verhältnisse nicht um ein Iota bester. Auch hier dürfen in keinem Matt1/* das viel von Juden besucht wird, antisemitische Blätter schwachen und starken Malibers nicht fehlen, während die einschlägigen Abwehrorgane dort nur vereinzelt anzutreffen sind. Ja in einem Falle sind wir den Wienern sogar über. Ein Erlebnis, das man ergötzlich nennen könnte, wenn'S nicht gar so traurig wär, möge diese Behauptung kommentieren. In einer Monditorei im Norden der Stadt verschwand die einzige dort ansliegende jüdische Zeitschrift plötzlich von der Bildfläche — auf Verlangen der jüdischen Stammgäste. Aus meine Intervention antworteten diese - ipsissima vxrba —: „Das Blatt macht uns hier — Rischuß." Die „Staatsbürger Zeitung" aber wird, neben der „Volksrundschau" und neuerdings auch dem „Volksrecht" in der nämlichen Monditorei in zwei Exemplaren bezogen — gleichfalls auf Verlangen der jüdischen Stammgäste. c. * v Konferenz. Nachdem der „Verein der Rabbiner und jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen" diese beiden Provinzen behufs öfterer Zusammenkünfte in mehrere Bezirke geteilt hatte, fand am 12. d. Mts. in Brühl die konstituierende Monserenz des Mölner Bezirkes statt. Als Bezirksvorsteher und Schriftführer wurden die Herrn Löb und Kupfer gewählt. Die Statuten für den Bezirk werden von dem geschäftsführenden Ausschuß des Vereins unter Hinzuziehung des Bezirksvorstehers beraten. Der Kommission zur Abfassung der Statuten wird aus Antrag des Herrn Schwarzschild zur Aufnahme in die Statuten vorgeschlagen: „Bei jeder Konferenz soll womöglich eine Lehrprobe gehalten werden." Auch sollen öfters Vorträge gehalten werden, um das noch so brach liegende an methodischen Hilfswerken so arme Gebiet des jüdischen Religionsunterrichts erschließen zu helfen. Die nächste Bezirkskonferenz findet am 23. ev. am 13. Juni in Beuel statt. Näheres darüber wird f. Z. den Bezirsmitgliedern bekannt gegeben werden. Vom Anfang bis zum Schluffe bot die Konferenz ein überaus erfreuliches Bild des inneren Lebens in unserem so xasch emporgeblühten Verein. Die lebhafte Beteiligung an den geführten Debatten brachte wiederum das rege Interesse an den Vereinsbestrebungen zum Ausdruck und war ganz dazu angethan, das Zusammenhalten und Zusammenwirken zu befestigen. Ein äußerer Beweis der begeisterten Teilnahme an den Vereinszielen lag in der verhältnismäßig großen Zahl der Konserenzbesucher, da ivir nur wenige Mitglieder verminten, die entweder dienstlich oder durch Krankheit fern gehalten waren. Der als Gast anwesende Herr Lehrer und 8tixl. phil. Heilberg aus Beuel fühlte sich veranlaßt, dem Verein beizutreten. Möchten diejenigen Lehrer Rheinlands und Westfalens, die sich noch abseits halten, in der stetig anwachsenden Mitgliederzahl unseres "Vereins die Aufforderung erblicken, unserem Vereine beinzutreten und uns ihren Beistand leihen in unserer ernsten, mühevollen, jetzt schon mit sichtbarem Erfolg gekrönten Arbeit für die geistige und materielle Hebung des jüdischen Lehrerstandes. Der Schriftführer. * z Für die Konferenz der jüd. Religionslehrer Ostpreußens am 4. Juni ist folgende reiche Tagesordnung in Aussicht genommen: 1. Bericht über die Schulinspektion des Verbandes (von Rabbiner Dr. Bamberg er-Königsberg). 2. Vortrag: Die Verwendung der midraschischen Erzählungen im biblischen Geschichtsunterricht (von Rabbiner Dr. Pick- Königsberg). 3. Vortrag: Der Unterricht in der biblischen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Anforderungen, die an ein biblisches Geschichtsbuch zu stellen sind (von Pred. Gallandl-Lötzen). 4. Referat: Wie verhält sich der jüdische Lehrer den Angriffen der antisemitischen Agitation gegenüber? (von Sekr. Klein-Königüberg). st. Referat über die mit der Konferenz verbundene Lehrmittelausstellung (von Waisenhans-Insp. P er itz-Königsberg). 6. Bericht über die Hilfskaffe des Verbandes (von Sekr. Klein-Königsberg). 7. Antrag des D.-l.-Gr.-B. aus Anschluß der osipr. Lehrerschaft an den projektierten D.-l.-L.-B. und eventl. Gründung eines freien Vereins ostpr. Religionslehrer (von Inspek. Peritz- Königsberg). 8. Vortrag: Welche Vorbildung verlangt das Amt des jüdischen Kultusbeamten (von .Kantor Bähr-Tilfit). 9. Vortrag: lieber die Weiterbildung des Kultusbeamten als Prediger (von Rabbiner Dr. Rülf-Me...el.) 10. Anträge aus der Verfannnlung. 11. Lehrprobe über den 19. Psalm für die Oberstufe (von Rabbiner Dr. Ehrlich-Tilsit). Rach der Konferenz: Besuch der Gewerbeausstellung und gemütliches Beisammensein. — Die Versammlung findet im Artushos (Gr. Domplatz 3) statt. *t lieber die Besetzung der öffentlichen israel. Schulstellen im Reg.-Bez. Cassel. Mail schreibt uns: Die israel. Vorsteherämter, deren es 4 in unserem Bezirk giebt, haben ein "Mitaufsichtsrecht über die jüdischen Schulen und steht ihnen auch bei Besetzung von erledigten Schulstellen das Vorschlagsrecht zu, während den Gemeinden ein sogenanntes Wunschrecht eingeräumt wird. In den meisten Fällen jedoch läßt man den Gemeinden bei Besetzung der Stellen zu viel Willkür, was weder im Interesse der Schule noch der Lehrer liegt, da es den Gemeinden hauptsächlich darum zu Opm ist, einen tüchtigen Vorsänger zu erhalten, und gar oft einen jüngern Mann einem ältern erfahrenen Lehrer vorziehen. Wie nun die Gemeinden, wenn sie nach Belieben schalten und walten können, verfahren, dazu nachstehende Beispiele. Da ist in einer kleinen Gemeinde eine Stelle in Erledigung gekommen, um welche sich verhältnismäßig ziemlich viel Bewerber eingefunden haben. Die Gemeinde beruft einen jungen Mann zu einem Probegottesdienst, der Kollege gefällt. Da jedoch zwei Frauen (jedenfalls solche, die sich keiner allzugroßen Beliebtheit erfreuen) sich äußern: „Diesermuß unser Lehrer werden", wird aus allgemeines Verlangen noch ein Kollege zu einem Probegottesdienst berufen, welcher sich seines gediegenen deutschen Vortrages wegen die Sympathie der Gemeinde erwirbt. Man sollte glauben, das Spiel hätte jetzt ein Ende, aber weit gefehlt. Roch ein dritter wird berufen und zwar aus dem einfachen Grunde, weil man vernommen, derselbe sei Schochet und momentan eine derartige Persönlichkeit in der Gemeinde fehlt. — Bei Besetzung einer andern Stelle bildeten sich in einer Gemeinde zwei Parteien, die eine Partei

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