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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · p. Seite 351

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
Seite 351 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 22. 3 e f cß ii r u n. Seite 351 banses bezüglich des nicht anfgenommenen Paragraphen 2 des (Gesetzentwurfes über die freie Religionsübnng (ltebcrtiitt zum Judentum/ bei. Der Nnterrichtsminister und der Instizminifter äußerten sich znstimmend.;\n E ze r n o wi tz fand vor kurzem eine Versammlung des dortigen Lesevereines „Zukunft" statt, in welcher ein vom Ausschlüsse gestellter Antrag zur Verhandlung kam, es sei der £ 2 der Vereinsstatntendahin abzuändern, daß an Stelle der bisherigen Bestimmung, betreffend die Aufrechterhaltung des nationalen Bewußtseins der Inden, eine solche wegen Förderung der Volksbildung treten soll. In einer mehrere Stunden währenden Diskussion wiesen zahlreiche Redner daraus hin, daß die nationale Idee, wie sie namentlich von der jüdischem Jugend gepflegt werde, keine Berechtigung habe, am allerwenigsten in Oesterreich. Der Jude dürfe in seinem wohlverstandenen Interesse sich von seinen Mitbürgern nicht separieren, sondern müsse mit ihnen Hand in Hand gehen; alle Bedingungen, die zum Bestände einer Nation gehören, das ist Sprache, Land ec., fehlen den Inden, und deswegen könne von ihnen als einer Nation nicht gesprochen werden. Das Band, das die Juden mit einander verbinde, sei die Konfession und nicht die Nation. Schließlich wurde der Antrag des Ausschusses ans Aendernng der Statuten in dem oben bezeichneten Sinne mit 63 gegen 18 Stimmen angenommen. Iuderrdebatte in der französischen Kammer. Die Antisemiten in der französischen Kammer haben einmal das Bedürfnis gefühlt, sich gründlich zu blamieren. "Neulich interpellierte der Deputierte Denis über die Jndenfragc und klagte darüber, daß zu viele Inden sich an der Spitze gewisser Verwaltungszweige befänden. Nedner verlangte Erklärungen über die Absetzung des Generalschatzmeister Jsaie Levaillant und behauptete, Algerien sei dtirch jüdische Wucherer zu Grunde gerichtet. Schließlich verbreitete er sich über die französische Finanzwelt. Der Royalist D'Hugnes sprach im gleichen Sinne. Rouanet (Sozialist) der die antisemitische Agitation geißelte, forderte die Regierung auf, die Aussaugung der Kapitalien durch englische Gesellschaften zu verhindern. Der Justizminister Trarieur erwiderte, daß die Regierung hiergegen machtlos sei. Hieraus wurde entsprechend' einem Anträge Naguet's die Vertagung auf Montag beschlossen. lieber diese zweite „Judendebatte" aut Montag berichtet das Wolss'sche Telegraphen Bureau: In der Kammer der Deputierten wurde heute die Debatte über die Judensrage wieder aufgenommen. Naquet sprach über die Frage vom philosophischen Gesichtspunkte aus, gab einen historischen Ueberblick über das Judentum und erklärte, wenn die jüdischen Bankhäuser geplündert würden, wstrde dasselbe Schicksal bald auch den übrigen Banken bevorftchen. A.n Schlüsse seiner Rede hob Naquet den Patriotismus der Inden und ihre Dankbarkeit für Frankreich, das ihnen die Freiheit gegeben habe, hervor und bezeichnete den Antisemitismus als eine antisoziale Doktrin. Der M i n i st er des I n n e r n LeygueS erklärte, diese Debatte führe zu keinem Ergebnis; die Regierung könne nur erklären, daß sie dem Gesetze mit Unparteilichkeit Achtung verschaffen werde; die Republik sei kein Regime der Begünstigungen. Der Minister beantragte die einfache Tagesordnung, woraus die Diskussion geschlossen und die von dem Minister beantragte einfache Tagesordnung angenommen wurde. Gemeinde, Synagoge und Schule. * Berliner Nachrichten. Dem Vernehmen nach, sollen znm 1. Oktober zwei neue Rel ig i o ns schul e n von Gemeindewegen eingerichtet werden. Die Leitung der selben soll dem Rabbiner einer Privat-Gemeinde und einem Lehrer an der hiesigen jüdischen Lehrerbildungsanstalt, übertragen werden. — Wir erhalten folgende Richtigstellung: „In der Nummer 20 dieses Blattes habe ich des Gebetes für den Landesherrn, das in mehreren Berliner Gemeinde- Synagogen gesprochen wird, Erwähnung gethan. Wie mir mitgekeilt worden, hat man vielfach geglaubt, es bezöge sich die kritische Bemerkung aus das Gebet, das weiland Dr. Michael Sachs übersetzt beziehungsweise verfaßt hat. Das ist unzutreffend. Das "Michael Sachs'sche Gebet für den Landesherrn ist, wie schon der Name des Autors verbürgt, in würdiger und schöner Sprache und in formaler Beziehung mit tadelloser Korrektheit abgesaßt. Dieses Sachs'sche Gebet für den Landesherrn wird auch in den Provinzen meines Wissens überall «gesprochen. In einzelnen Synagogen der Berliner Gemeinde aber hat man ein Gebet für den Landesherrn eingeführt, das folgendermaßen beginnt: „Herr der Welt, Vater aller Menschen! Du hast die Obrigkeit eingesetzt aus Erden, daß sie ein Schirm des Rechts und ein Schutz der Ordnung sei! Erhalte und segne unfern König Wilhelm II., den Kaiser des deutschen "Reichs, daß unter seinem Szepter Wahrheit und Gerechtigkeit immer mehr erblühen." Selbst wenn der „Kaiser des deutschen Reichs" es nicht verriete, man würde aus der Sprache erkennen, daß ein Ausländer dieses Gebet verfaßt hat. M. A. Klausner." — In der nächsten Sitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner", die Dienstag den 11. Juni im Vereinslokal Spandnuerstr. 11/13 Abends 8V-> Uhr stattfindet, wird Herr Landesrabbiner Dr. Feilchenfeld aus Schwerin, einen Vortrag über: „Die Methode des religiösen Unterrichtes, besonders des biblischen Geschichtsunterrichts" halten. Alle diejenigen, die den Bestrebungen der Vereinigung sympathisch gegenüberstehen, sind herzlichst willkommen. st. — Der Verein Gemilus Ehaßodim hat zum Besten der Vereinskasse ein Sommerfest verbunden mit Ball entriert. Das Fest findet am 18. Juni in Puhlmanns Vaudeville-Theater. Schönhauser - Allee 148 unter Mitwirkung hervorragender Spezialitäten und Künstler des obigen Etablissements statt. — Die Baruch Anerbach'schen Waisen-Erziehnngsanstalten, welche, 1833 mit nur vier Zöglingen eröffnet, von unscheinbarem Beginn zu einer der segensreichsten Stiftungen Berlins gediehen find, sollen demnächst ans, ihrem auch für den gegenwärtigen Bestand von 76 Zöglingen nicht mehr genügenden Heim in der Oranienburger Straße verlegt und wesentlich erweitert werden. Der Wohlthüter-Ausschnß hat der Erwerbung eines das bisherige nahezu viermal an Größe übertresfenden Grundstücks zngestimmt, und es wird, sobald die Genehmigung seitens der Aufsichtsbehörde erfolgt sein wird, mit einem "Neubau begonnen werden, der etwa 110 Waisen Raum bieten und allen hygienischen und pädagogischen Anforderungen entsprechen soll. Der Vorstand hofft den zu diesem Zwecke schon vor Jahren begründeten Baufonds durch Teilnahme der Fnnnde und Gönner der Anstalten so weit

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