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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
Seite 340 (sequence 4)
Language
German
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Seite 340, DescHrrrirrr. Nr. 22. Ans der Kklliim Kkiiiki»-t. Berlin, den 26. Vlai. I. In der Reprüfentantensitzung am 26. Mai gab der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, der Versammlung Kenntnis von einer Schenkung des Herrn Julius Bleichröder. Dieselbe beträgt 10,000 M., aus deren Zinsen unterstützungsbedürftige Zöglinge der Präparandenklasse Subventionen erhalten solle. Die Schenkung wird natürlich vorbehaltlich der landesherrlichen Genehmigung dankend aeeeptiert. Für die seinerzeit ausgeschriebene Stelle eines 6. Rabbiners in hiesiger Gemeinde sind, wie der Vorstand mitteilt, 32 Bewerbungen eingelauftn. Um nun unter dieser großen Anzahl zum Zwecke der demnächst abzuhaltenden Probepredigten die Würdigsten und Berufensten auszuwählen, wird vorgeschlagen, eine gemischte Deputation, bestehend aus 2 Mitgliedern des Vorstandes und 4 Repräsentanten einzusetzen. Durch Zettelwahl werden in dieselbe" hineingemählt die Herrn Justizrat Dr. Tiktin, Leonhard Sachs, Simon und Müsse. Die Kommission dürste jedoch an die ihr gestellte Ausgabe iu der allernächsten Zeit noch nicht hinantreten, da die Reise- und Badesaison vor der Thüre steht, und beide Seile, Beruser wie zu Berusende nur allzu erholungsbedürftig sind. Herr Leichtenrritt erstattete alsdann den Rechnungsabschluß über die diesjährige Mazzothverteilung. Ausgeworsen waren zu diesem Zweck 8,000 Mk., die Armenkommission hat jedoch diese Summe nicht ausgebraucht, vielmehr sind noch 1,011 Mk. übrig geblieben. Dabei wurden 185) bedürftige mehr unterstützt als im Vorjahre. Im ganzen sind 323 Zentner verteilt. Die Versammlung erteilt daraus die Decharge. Alsdann werden für die Pflasterungen ans dem Friedhofe zu Weißensee 3,300 Akk. bewilligt, desgleichen zur Renovierung des Hauses Kaiserstraße 29 15),000 Mk. lieber den nachfolgenden Punkt der Tagesordnung entspinnt sich eine langwierige Debatte. Dbjekt: 500 Mark. Aber nicht ivegen dieser winzig geringen Summe beliebte man diese Auseinandersetzung in einer Versammlung, die säst in jeder Sitzung, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken, viele Tausende zu bewilligen pstegt. Der Vorstand hatte nämlich den Antrag gestellt, dem Reichenheimfchen Waisenhause wie im Vorjahre 500 Mark zu überweisen, um dafür einige Zöglinge aus einige Wochen in Ferienkolonien unterzubringen. Die Kommission war jedoch anderer Meinung. Als Referent derselben vertrat Herr Louis Sachs den Standpunkt, daß die Zöglinge des genannten Waisenhauses, die ungleich den meisten ihrer Leidensgefährten eines gesunden Aufenthaltes, gute Nahrung und sonstiger Annehmlichkeiten sich erfreuten, nicht nötig hätten iu Ferienkolonien entsandt zu werden. Die Koinmission sei gern bereit, die 500 Ri. zu bewilligen, diele Summe sollte aber der Waisenkommission zur Verfügung gestellt werden, damit aus diese Art aus diejenigen Waisen, welche in Privatpflege sich befänden, der Wohlthat eines Landaufenthaltes teilhaftig würden. Darob erhob sich nun ein grimmes Streiten. Der Vorstand sowie verschiedene der Herrn Repräsentanten traten für den Antrag des Vorstandes ein. Alle aber erklärten, daß sie durchaus nichts dagegen einzuwenden hätten, wenn auch für sonstige Waisenkinder zu oben erwähntem Zwecke die erforderlichen Mittel ausgeworsen würden. Ein hierauf bezüglicher Antrag wurde gestellt, im großen und ganzen identisch mit dem Antrag der Kommission. Nachdem die inaterielle Diskussion erschöpft, entstand dann noch eine GeschüstSordnnngsdebatte über den ModnS bezw. die Reihenfolge der Abstimmungen, und als, diese endlich erfolgte, da bekamen beide Teile ihr kitecht nämlich 500 Mark das Reichenheimfche Waisenhaus und 5)00 Mark die Waifenkommifston. — Die leidige Angelegenheit der Subventionen an Religionsvereine kam alsdann noch einmal an die Reihe, mußte aber wiederum vertagt werden. Die Frage, wo ist der Direktor, welche die Versammlung bereits in der vorigen Sitzung beschäftigt, fand auch dieses Mal keine befriedigende Lösung, da diejenigen, die es wissen müssen, bis dato eine Antwort noch nicht erteilt haben. Auch diejenige Spnagogengemeinde im Norden Berlins, die ihren Notstand dadurch dokumentieren zu müssen glaubte, daß sie ihren Kultusbeamten aus Wartegeld setzte, aus welches er anscheinend noch heute wartet, hüllt sich auf eine diesbezügliche Anfrage in Schweigen. So möge sie denn auch einmal an eigenem Leibe erfahren, was es beißt, zu warten. Ein dringlicher Antrag der Kommission für gottesdienstliche Veranstaltungen an den hohen Feiertagen geht dahin, den Gottesdienst in den Kellerschen Festsälen in der Koppenstraße nach dem Ritus der Synagoge in der Kaiserstraße stnttsinden zu lassen. In diesem Sinne hatte aus der Zentralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde bei den Repräsentanten petitioniert mit) daraus hingewiesen, daß der größte Teil der in jener Gegend wohnhaften Glaubensgenossen einer mehr konservativen Richtung angehöre. Hinwiederum hatte der liberale Verein eine Petition an den Vorstand gerichtet mit dein Ersuchen, den Gottesdienst nach dem Ritus der Lindenstraßensynagoge stattnnden zu lassen, da für den orthodoxen Teil der dortigen Einwohnerschaft schon durch die Kaiserstraßensynagoge und noch ein anderes Bethaus hinreichend gesorgt sei. Die Versammlung entschied sich für den in der Kaiserstraße gebräuchlichen Ritus. Alsdann wurden gleichfalls aus Grund eines dringlichen Antrages 2,000 Mk. bewilligt für Anfertigung von Skizzen zum Bau einer Synagoge im Westen Berlins. Zum Schluffe erledigte die Versammlung noch eine Reihe von Statutenänderungen (welches Red.) durchweg nach den Vorschlägen der Kommission. 41. W. j | Der libe r a l e Verein für die Angelegenheiten der; jüdischen Gemeinde veranstaltete am Montag Abend eine Versantmlung für den Bezirk Zentrum in Dräsels Festsälen, in;, welcher Hr. Rechtsanwalt Dr. Simon über die Einrichtungen der hiesigen (Gemeinde referierte. Das Referat war im wesentlichen eine Variante der optimistische» Grundlehre, nach welcher alles Bestehende gut sei, und eine Apotheose der Verwaltung unserer. (Gemeinde, die das Bestehende so trefflich bestellt habe. . Ein Widerspruch wurde nicht lautzk weil der Vorsitzende in; der kurzen Eröffnungs-Ansprache in deutlicher, jedes Mißver- , Gesinnungsgenossen eingeladen seien, d. h. daß etwa anwesende Gegner sich nicht zu erkennen geben, sich lediglich betrachten dürften, als wären sie gar nicht da. N'achdem etliche Mitglieder in der sog. Diskussion gesprochen batten, 5ohne etwas zu sagen, erhielt der Redner des Abends das Schlußwort, welches in der Aufforderung ausklang, die Anwesenden möchten dein Verein beitreten ans Eirund des Ver

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