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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-24 · 21 (24.5.1895) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
21 (24.5.1895)
Date
1895-05-24
Page
Seite 332 (sequence 12)
Language
German
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Seite 382. I e s cH ir r u n. Nr. 21. Provinzialschulkolleginm troffen., Aus bas an den Kultusminiftor Ende vorigen Jahres gerichtete fchriftliche (besuch erging vom Proviuzial-Schulkollegium vor wenigen Wochen der Bescheid, das; auf mehreren Anstalten der' beantragte Unterricht erteilt werden solle und zwar dergestalt, daß diejenigen Schulen, in welchen die Zahl der jüdischen Schüler eine geringe sei, mit anderen zum Zweck des Religions-Unterrichts vereinigt werden sollen. Im ganzen sollten von staatswegen drei Murfe eingerichtet werden, und jeder Kursus sollte drei Abteilungen haben, so daß die Schüler der unteren Klasse eine Abteilung, die der mittleren Klasse eine zweite und die der oberen Klasse eine dritte Abteilung bilden sollten. Der Gemeindevorstand wurde ausgefordert, mindestens drei für den Religionsunterricht geeignete Lehrer in Vorschlag zu bringen, und wurde schließlich in dem Reskript des Provinzial- Schulkollegiums bemerkt, daß die Kosten von der Gemeinde zu tragen seien. In letzterer Beziehung sei hervorgehoben, daß bei der Rücksprache mit den Herrn Vertretern des Kultusministeriums den Delegierten des Gemeindevorstandes mitgeteilt wurde, daß in der Regel der Staat die Hälfte der Kosten trüge, daß aber für das lausende Jahr ein Zuschuß des Staates nicht mehr angängig sei. Die Vertreter des Gemeindevorstandes haben sich hieraus bereit erklärt, für das lausende Jahr die gesamten Kosten zu übernehmen." — Dem Berichte über die letzte Repräseutantensitzung in der vorigen 'Rümmer tragen wir noch die Mitteilung nach, daß ein dringender Antrag des Herrn Löwenberg, den Vorstand zu ersuchen, sich mit dem königlichen Polizeipräsidium in Verbindung zu setzen, damit die im Herbst stattsindenden Repräsentantenwahlen, wie das neue Statut es vorschreibt, bereits in geheimer Wahl stattsinden können, angenommen worden ist. Db der Vorstand diesem Ersuchen der Repräsentanten und ob das Polizeipräsidium dem Wunsche des Vorstandes entsprechen werde, — das freilich ist eine andere Frage. — Alle Fleischer in Wien, die keine Garantie für rituelle Schlachtung bieten, sind jüngst von den Bezirksamtsleitern ausgesordert worden, die Tafeln, welche den Verkauf von „Koschersleisch" anzeigen, sofort zu entfernen, widrigenfalls gegen-sie strafweise vorgegangen werden müßte. — Die Vertreter der Wiener Gemeinde sind unseres Wissens nicht orthodoxer, als die der unsrigen, auch ihnen ist jede Wurst „koscher" und alles „Koschere" - Wurst; wenn fte gleichwohl in dieser Angelegenheit einen entscheidenden Schritt gethau und die Hilfe der Polizei angerusen haben, so geschah dies sicherlich einmal im Interesse der rituell lebenden Gemeinde-Mitglieder, sodann aber auch, um zu verhüten, daß mit .einer jüdischen Institution von einzelnen Juden und Richtjnden Unfug getrieben werde. Wäre nicht das, was den Wienern billig, den Berlinern recht? — Am 9. d. M. fand die dieSjäbrige Generalversammlung der Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate in der Aula der jüd. Knabeuschule statt. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht, ans dem hervorging, daß die Gesamtzahl der unterstützten Lehrlinge 85 betrage, von denen 15 in dem Lehrlingsheim in Pankow untergebracht leien. Den Bemühungen der Herren Maurermeister Fränkel und Landschaftsmaler Bodenstein ist es gelungen einen Fonds von 80000 Mk. für diese Anstalt ansznbringen. Das Ergebnis der hieraus vorgenommenen Vorstandswahlen war, daß die Herren, Leopold Lesser zum Vorsitzeudeu, Alfred Löwen borg zum Schriftführer, R. Ball und I. Fränkel zu Inspektoren, Ri. Fiegel, Martin Simon und Jacob Pasch zu Revisoren gewählt wurden. — Wir erhalten folgende Zuschrift: „In dem Referate über die Repräsentauten-Sitzung vom 12. Mai ist der Wunsch eines Mitglieds der Versammlung: Der Vorstand mochte di e Jahr es bericht e d er jüdischen Woh lthä tigkeitsanitalten der Kurbäder den Repräsentanten zur Einsicht vorlegen" nicht richtig dargestellt worden. Ausgehend von der Ansicht, daß die Subventionen der einzelnen Kurhospitäler zu karg seien und in keinem richtigen Verhältnis ständen zu dem, was jene den Berliner Gemeinde- Mitgliedern leisten, oder wenn die Mittel vorhanden wären, leisten könnten, wollte der betreffende Herr wissen, wie viel Berliner Gemeinde-Mitglieder überhaupt die Benesizien der Kurhospitäler in Anspruch nehmen, um daraus ermessen zu können, ob die bewilligten UnterstütznngSAelder ausreichend und der Berliner jüdischen Gemeinde — würdig wären." — Das ist allerdings etwas ganz anderes, als wie es unser Referent wiedergegeben hat! In Rücksicht aus die schlechte Akustik aus der Gallerie. ist jedoch ein solches Mißverständnis aus seiten der Berichterstatter verzeihlich. — EinISraeliti s ch e SHei m a t-H a u s. Das Hans, welches die Verwaltung der israelischen Volksküche Gormanftraße Rr. 3 erbaut, ist bereits im Rohbau fertig gestellt, und es wird geplant, das gesamte Gebäude jüdischen Wohlfahrts-Einrichtungen dienstbar zu machen. ES ist zunächst die Einrichtung eines jüdischen Mädchenheims in Aussicht genommen, in welchem der Preis von 30 Mark für volle Pension festgesetzt ist. ES wird damit beabsichtigt, Mädchen, welche fremd nach Berlin kommen, um etwas zu erlernen, um sich alSdauu selbst zu ernähren, oder wieder nach der Heimat znrückzngehen, oder solchen, die hier in Stellung sind und mit geringen Mitteln anskommen müssen, ein gemütliches Heim zu schaffen. Soweit die Räume für diesen Zweck nicht in Anspruch genommen werden, wird damit auch ein Alten- Heim verbunden, woselbst ältere Personen gegen mäßige Vergütigung ein Unterkommen finden sollen. Aus vielseitige Anregung soll in dem Hause auch ein Israelitischer Kinderhort eingerichtet werden. Diese Institution ist in jener Gegend, wo die meisten unserer armen (Glaubensgenossen wohnen, um so notwendiger, als diese vielfach ihres Erwerbs wegen aus dem Hause gehen nnd die kleinen Kinder meist ans der Straße unbeaufsichtigt herumlausen. Eine kleine Spnagoge soll eingerichtet werden, in welcher morgens nnd abends Gottesdienst stattsinden wird, unter besonderer Berüekstchtuug von Jahrzeiten, und Abhaltung einer Seelenseier für die verstorbenen Angehörigen der vielen Wohlthäter dieses Werkes. Mit Rücksicht daraus, daß bereits im verflossenen Jahre, die Verwaltung sehr häufig zurückgelegte Kleidungsstücke für die Armen erhalten hat, werden im neuen Hanse Vorkehrungen getroffen werden, für Empfangnahme, Instandsetzung nnd Verteilung derselben. Die Volksküche selbst wird nach den neneften technischen Erfahrungen zweckmäßig eingerichtet, unter besonderer Berücksichtigung für Familien nnd die jüdischen Besucher. Zu jeder näheren Auskunft ist der Begründer nnd Leiter, Herr Herrman Abr aham, Alte Jaeobstraße 57/1)5 bereit. * Freie israelitische Vereinigung^ In Hamburg tagte am 5. d. M. eine neu gebildte „Freie israelitische Vereinigung", deren Programm in dkm folgenden Einladungsschreiben niedergelegt ist :

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