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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-17 · 20 (17.5.1895) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
20 (17.5.1895)
Date
1895-05-17
Page
Seite 316 (sequence 12)
Language
German
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sächsische Heuchler- und Betbrudcr-GcscUschafl läiiqst lsiunu^qeschusisseu haben. Tie .>^>H. Christian, Trau- und Fiirchtegotts us. w. könnten daun den eigenen Leichnam in ihre preiswürdigen Gewebe Hullen. Das wäre die einzige richtige Behandlung für diese Lcineweber- Gcfellsckian". Allein um ihrer göttlichen Grobheit willen ist diese 'Notiz lesenswert. — Der Dichter der Ausrufungszeichen Hans von Mosch, der Antisemit, schreibt auch Verse. 3o wütet er in fürchterlichen Strophen in einem Gedicht gegen die inzwischen umgestürzte Umsturzvorlage darin es heißt: Lieh, sic erstarren, und Asche bedeckt Grau und schwer Tein verfallenes Haupt - Aber nein! sprich! sprich!! sprich!!! sprich!!!! Großartig! (mit einem Ausrusungszeichen.) * w Königinnen von Holland in einem jüdischen Waisenhause. Aus Amsterdam wird uns gemeldet: Dieser Tage beehrten die junge Königin und die Königin-Regentin von Holland das Asyl für jüdische Waisenmädchen mit einem Besuche. Die hohen Herrschaften wurden von dem Präsidenten, Herr B. L. Gompertz, empfangen, der sie mit einigen Worten begrüßte, woraus die Kinder ein eigens für diese Gelegenheit verfaßtes Begrüßnngslied sangen. Die Königin-Regentin sagte, in Erwiderung ans die Ansprache des Präsidenten, daß sie mit Freuden in das Asyl gekommen sei, und daß sie und ihre Tochter gern alles sehen möchten, was in dein gut eingerichteten Institute irgend von Wichtigkeit fei. Beide Königinnen waren ganz entzückt von dem schönen Vortrage der Nationalhymne „WilhelmuS" und drückten ihren Dank durch die Worte „wie reizend, wie interessant!" aus. Die Damen besichtigten daraus eingehend das Gebäude, und die Königin-Regentin besonders zeigte ein Interesse für die ihr vorgelegten Proben von Näh- und Stickarbeit der Waisenkinder. Die Proben gefielen ihr so sehr, daß sie zu verstehen gab, sie werde demnächst im Asyl solche Stickereien für ihren eigenen und für den Bedarf des Hofes anfertigen lasten. Tie Königin-Regentin drückte den Leitern der Anstalt wiederholt ihre Bewunderung für die ausgezeichneten Einrichtungen des Waisenhauses und ihre Sympathie mit denn guten Werke aus. Als die Königinnen sich entfernten, sangen die Kinder einen Psalm in hebräischer Sprache. * a Ueber den ersten jüd. Abg. in «erbten wird uns ans Belgrad berichtet:- Einen auffallenden Gegensatz zu der Beharrlichkeit, mit welcher Rumänien seine ungerechten Maßregel gegen die Juden aufrecht erhält, bildet die hochersreuliche 'Nachricht, die ich Ihnen schon mitgeteilt habe. Durch königliche Verordnung wurde ein Jude, Herr Edija Bully, zum Mitgliede der großen Skupschtina (Parlament) ernannt. Bully ist ein hochangesehener, durch seine Menschenliebe und Freigebigkeit weit bekannter Bankier und einer von den Führern der radikalen Partei. Seinem Einflüsse verdanken unsere Glaubensgenossen zum großen Teile, daß Serbien die die Judenemanzipation betreffende Klausel des Berliner Vertrages, die von Rumänien so schamlos und schmachvoll mißachtet wird, in wahrhaft pflichttreuer Weise auslegte. Es muß jedoch der Wahrheit gemäß festgestellt werden, daß Serbien schon vor dem Berliner Kongresse die Rechte der Juden dadurch anerkannte, daß es ihnen hohe Staatsstellungen eröffnete. Zur Zeit des russisch-türkischen Krieges war ein Jude, Herr Heinrich Samuel, Sekretär des Ministers für auswärtige Angelegenheiten, und in die nach diesen: Kriege cinbernsene Große Skupschtina wurde ein anderer Jude gewählt, Herr Abraham Oserowisch, der da- ' mals bereits als Beisitzer der Zivilkammer des hiesigen } Gerichts eine ebenso verantwortliche als wichtige Stellung inne hatte. Die Zahl der Juden in Serbien ist unbedeutend, wenn uran sie uüt der Zahl der in Rumänien lebenden Juden vergleicht, und wir fürchten, daß die Moldauischen * und Wallachischen Juden gerade ihrer größeren Anzahl und ihren größeren Fähigkeiten ihre Ausschließung von allen Bürgerrechten zu verdanken haben. * i- Aus Rußland. In Petersburg mußte ein jüd.Gottes- < S haus, das vor vielen Jahren von jüdischen Soldaten gegründet i r wurde, die in der Petersburger Garnison dienten, auf Betreiben des verstorbenen Gouverneurs, General Greffer, geschlossen werden. Die Mitglieder der Syuagogengemeinde, denen schon vor 18<>0 das Recht, in der Hauptstadt Ruß- . lands zu wohnen, verbrieft wurde, baten den Senat um die 1 Erlaubnis, ihr Gotteshaus wieder eröffnen zu dürfen. Sie haben ihren Zweck erreicht, denn dieser Tage wurde anjf. geordnet, daß die Synagoge für den Gottesdienst wieder eröffnet werden dürfe. —■ In betreff der Geldstrafe von HOO Rubel, die uon V jüdischen Familien bezahlt werden soll, wenn sich Mitglieder derselben dem Militärdienste entzogen haben, hat die Kiew er , Militär - Kommission folgende Entscheidung getroffen: die Geldstrafen sollen erlassen werden, wenn die Personen, die sich dem Dienste entzogen hatten, sich seitdem wieder selbst den Militärbehörden gestellt haben, und die Eintreibung der Buße soll bis zuin 14. (a. St.) November dieses Jahres r verschoben werden, damit Heeresslüchtigen Gelegenheit geboten | werde, sich selbst an oder vor diesem Tage zuin Dienste an- *1 zubieten. . j — Die Einführung des neuen Paß-Gesetzes hat einigen * f judenfeindlichen Gouverneuren eine nenie Handhabe geboten, f um die Juden zu chikanieren. Insbesondere hat sieh da der f General-Gouverneur von Mi cm, Gras Alerei Jgnatiew, ans- J gezeichnet. Er traf die Verfügung, daß Juden, welche in geschäftlichen Angelegenheiten nach Rußland koinmen, nebst -I dem vorgeschriebenen Reisepaß noch eine Bescheinigung der;.i zuständigen Ortsbehörde vorlegen müssen, in welcher der Zweck j der Reise und die Dauer des Aufenthaltes klar präzisiert ff werden sollen. Die Ortsbehörden jedoch verweigerten in I Ermangelung einer diesbezüglichen Weifuilg aus Petersburg || die Ausstellung solcher Bescheinigungen, so daß den Juden D infolge dessen jedweder Zutritt nach Kiew unmöglich gemacht || wurde. Mit dieser Sachlage wollte sich aber die Kiewer j| Handelsbörse nicht befreunden. Sie wurde nämlich von ßß dortigeil christlichen Kallsleuteil uild Hotelbesitzern mit Petitionen j um Aushebung des gegen die Juden aus Uinwegen erlassenen Eiutrittsverbotes bestürmt, in denen die Nachteile geschildert - ■ wurden, welche die Kiewer Geschäftswelt dadurch erleidet. | Die Handelsbörse machte deshalb beim Grasen Jgnatiew | energische Vorstellungen, und dieser sah sich auch genötigt, f seine Versügung rückgängig zu machen. jf Gemeinde, Synagoge und Schule. ff * Berliner Nachrichten. Alll Montag Abend hielt beiliberale W a h l v e r e i n eine Versammlung für den Bezirk W. in den Zelten ab, in welcher Herr Oberlehrer . Dr. Blaschte über den jüd. Religionsunterricht an den hiesigen öffentlichen Schulen referierte. An der Hand ftatistischer;, Taten versuchte der Vortragende zu beweiseil, daß es um diesen Unterrichtszweig in Berlin nicht gar so schlecht bestellt |

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