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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-10 · 19 (10.5.1895) · p. Seite 301

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
Seite 301 (sequence 13)
Language
German
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zuerst aui A-rdüui Abend und jetzt an Feiertagen gettattet. Zu dessen vollständiger t4estattung sehit nicht mehr viel. Was die (Gemeinde ortbodor macht, ist Dao traditionelle Gebetbuch und bezeichnend für unsere jüdischen Verhältnisse — die Kopfbedeckung der Männer. Die Entivicklung dieser Gemeinde ist tmüfd) für die amerikanischen Verhältnisse. kürzlich fand eine Hochzeitsfeier in alt-jüdischer Weise statt, indem das Hauptgewicht auf die Freude gelegt wurde, die man den am meisten der Liebesgaben Bedürstigen zu verschaffen wußte. In moderner Zeit suchen die meisten der Wohlhabenden dadurch zu glänzen, daß sie bei den in ihren Artmüien vorkommenden Vermählnngssesten an Prunk und (glanz alles srüher Dagewesene überstrahlen, der Armen rrnd Rotleidenden, oder der Töchter der Arnren, denen durch eine bescheidene Mitgift Versorgung sür'S Leben gesichert werden könnte, wird nur in seltenen Fällen gedacht, ja bei recht sashionablen Hochzeiten hält man es für unschicklich, bei dem Festmahle einen Toast auszubringen. Essen, Trinken und Tanzen und das Funkeln der Diamanten sind die Glanzpunkte, llin die sich alles dreht. Da war es doch anders bei der Veriuählungsfeier des Herrn Jacob H. Schiff, da spielten wieder einmal das Herz und die Menschenliebe die Hauptrolle und durch die dargebrachten Gaben wurden Hunderrte zur Mitteilnalnne am freudigen Ergeignisse herbeigezogen. Ten mindern der jüdischen Freischule wurde ein Festmahl gegeben und für den Fonds des Kindergartens eine namhaste Summe ausgesetzt. Für das neu zu errichtende Heim für Lungenleidende wurde die Summe von Doll. 25,000 ausgesetzt, für die Gesellschaft des jüdischen Kinder-Asyls Doll. 500. Die Mädchen im Waisenhaus wurden du jedes mit einein Geschenk bedacht uiid eine namhaste Summe dem Ausstattungsfonds angewiesen. Ten Zöglingen des jüdischen technischen Instituts wiirde ebenfalls eine Freude bereitet, sowie deii Schülern der Louis Untere- Stadt Schule, und Doll. 100 wurden der Beth-El Schwester- Gesellschast überwiesen'. So wnrdeii jüdische Hochzeiten in früheren Jahren gefeiert und so werden sie heilte noch da gefeiert, wo der Firnis der Mode nicht den alten Wohlthätigkeitssinn ganz überdeckt hat. * tz Die jüdische Gemeinde in Port Elisabeth-Stadt hat ditrch den Tod des Herrn Barnett, der iiach langer, schwerer Krankheit am 0. März im Alter von 55 Jahren verschied, einen herbei: Verlust erlitten. Der Verstorbene der ui Russ.-Polen geboren war, kam 1861 nach der Kolonie und brachte es durch feine bewundernswerte Bedürfnislosigkeit nud dilrch uilermüdliche Thätigkeit zu Reichtum und Einfluß. Das Lokalblatt widnlet ihm folgenden Nachruf: „Er hinterläßt den rKitf eines ehrenhaften und wohlthätigcn Mannes. Als Jude gehörte er zu den höchstgeachteten in der Gemeinde; er war der eigentliche (Gründer der hiesigen jüdischen Gemeinde, und ihm ist die Errichtung der herrlichen Synagoge zu verdanken, die er auch späterhin in wahrhaft großartiger Weise unterstützte. Als Bürger erfreute sich Herr Barnett infolge seiner Aufrichtigkeit und seiner Lauterkeit der größten Hochachtung. So Lange e-, seine Gesundheit gestattete, beschäftigte er sich eifrig mit Geineindeangelegenheiten und war Jahre lang Vorsteher. Die Wertschätzung, welche er genoß, kau: bei seiner Bestattung so recht zu Tage. Die Häupter der einflußreichsten Handelsfirmen, Vertreter der Behörden und die Geistlichen aller ReligionSgeuossenschasten gaben dem Leichenznge das Geleite. Die ergreifende Trauerrede hielt der Rabbiner S. Rapaport. Die Allianee-Schule in Jerusalem. Die von der „Alliance Israelitc Universelle" int Jahre 1882 nach dem Muster der andern Elementarschulen der Alliance gegründete Schule in Jerusalem hat sich allmählich zu einer Ok werbeschnle umgebildet, in der die verschiedensten und schwersteil Handwerke gelehrt werden. Es umfaßt jetzt _ die eigentliche Schule, welche von etwa hundert Kindern besucht wird, darunter mehrere Muselmänner, Söhne hoher Beamten, eine mechanische Werkstatt, eine Schmiedewerkstatt, eine Schreinerwerksiatt, eine Tischler- und Bildhauerwerkstatt und eine Kesselschmiede. Die Schuster- und Schneideriverkstütteil sind aufgehoben worden, da die jüdischeil Handwerker dieser Art int .Orient und besonders in Jerusalem zu zahlreich sind. Fast alle diese Werkstätten iverden von Meisteril geleitet, die in Europa ausgebildet sind. Die Schullokalitäten, welche einem von dem Baron Lionel von Rothschild präsidierten Londoner Komitd gehörten, waren bald iinzulünglich. Das Zentral-Komitä erwarb in: Jahre 1889 ein großes anstoßendes Grundstück, das den verschiedenen Dieiistzweigen eine bequeme und größere Einrichtung zu geben gestattete. Auf diesenl neuen Grundstück sind schöne Werkstätten erbaut worden, welche die Bemunderuilg aller Besiicher erregen. Die Schule hat dies beit frommen Stiftungen zweier englischer Glaubensgenossen, den Herren Davis und Ralph zu danken. Alle diese Verbesserungen waren sehr kostspielig. Rebeil der bedeutenden Ausgabe, die zur Erwerbung des Terrains nötig lvar, mußten die Werkstätten mit den nötigen Gerätschaften ausgestattet werden, man nuchte ihnen flüssiges Geld liefern und Meister heranbilden; inan muß einen Teil der Lehrlinge unterhalten und kleiden und ihnen beim Austritt ein weilig Gerät, Kleidungsstücke und etwas Geld verschaffen. Angesichts der Wohlthaten, die dieses Institut unter der jüdischen Bevölkerung Jerusalems und des ganzen Orient zl> stiften berufen ist, hat das Zentral-Koulite diese ungeheure Last aus sich genommen. Anfailgs bezeugten die jüdische Bevölkerung und das Rabbinatskolleginm Jerusalems nur weilig Sympathie für die Schule. Die Werbung der Schüler war schwer; die Hingabe und die seltene Aufopferung des Direktors, Herrn Rissim Behar, war nötig, um die Gefahren jeder Art für die Zukunft des Unternehmens zu besiegeil. Die Gegner erkannten bald, daß die Schule und die Werkstatt das sicherste Mittel waren, die jüdische Bevölkerung aus deul sie bedrückenden Elende zu ziehen. Heute ströinen die Ausnahmegesuche herbei, und für eine freie Stelle sind zwanzig Bewerber da. Die Schule ist das erste und einzige jüdische Institut des Orients dieser Art, daher ist sie nicht mir von Kindern aus Jerusalem besucht; sie zählt Schüler aus den meisten Städten des Orients und Egyptens; ebenso zählt sie zahlreiche aus Rußland gebürtige Lehrlinge. Bon den dreißig internen Lehrlingen gehört der größte Teil zu den letzteren. Das Zentral-Koulite selbst bringt Lehrlinge dorthin, die anderswo ihre Lehrzeit begonnen haben und die Jerusalemer Schule besuchen, um daselbst ihre technische Ausbildung zu volleilden. Obgleich im allgemeinen die Preise höher als bei den übrigen Handwerkern der Stadt sind, haben sich doch die Werkstätten eine gute Kundschaft wegen der Vollendung ihrer Erzeugnisse, dank der Tüchtigkeit und des technischen Wissens der Meister, erworben. In jedem Jahr verlassen fünfzehn oder zwanzig gute Handwerker die Schule, um in Jerusalem selbst zu arbeiten, soweit sie sich daselbst oder in ihrer Heimat etablieren. Im Jahre 4d93 zählte die eigentliche Schule ll4, in 4 Klaffen v-'rteilte Schüler. Tie Lehrlinge verteilten sich folgendermaßen:

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