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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-10 · 19 (10.5.1895) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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Der schwerwiegendste Vorwurf, der gegen den Gemeindebnnd in der Presse erhoben wurde, richtet sich gegen feine vermeintliche Absicht, die Selbständigkeit der Lehrervereine zu beschränken. Diese Absicht wurde namentlich in der Bestimmung gesunden, dast dem D.-J. G.-B. das Recht zufteht, ein Mitglied mit beschließender Stimme in den Verbandsvorstand zu deputieren, st wie daß die Prüfung der Lasse des Verbandes durch den Gemeindebund erfolgt. Durch die Aufnahme der letzteren Bestimmung glaubte der Gemeindebnnd denn Verbände nur eine nicht geringe Arbeit abzunehmen — er verzichtet bereitwilligst ans die Lassenprüfung, sobald nur irgendwelche Bedenken dagegen erhoben werden. Die Lommittiernng eines Mitgliedes in den Verbandsvorstand erscheint dem Gemeindebund mit Rücksicht auf die Gewährung und Verwaltung des von ihm zu leistenden Zuschusses wohlbegründet; zudem dürfte der eine Deputierte des Gemeindebnndes bei 6 oder gar K Vorstandsmitgliedern wohl kaum der Selbständigkeit des Verbandes gefährlich werden. Im übrigen glaubte der T.-I. G.-B. grade durch die Gründung des Verbandes und durch die ttebertragung des Zuschusses, den er bisher nach freiem Ermessen an die Lehrervereine leistete, ans den Verbandsvorstand, — die Selbständigkeit der Vereine zu erhöhen und zu kräftigen. Ein fernerer Einwand richtet sich gegen die zu kurze Frist, die der Gemeindebund den Vereinen für die Entscheidung gestellt hat. Die Lürze erklärt sich ans dem Drängen einzelner Vereinsvorstände; der Gemeindebund wird dem von einigen Stellen geäußerten Wunsche Rechnung tragen und die Delegierten erst nach den diesjährigen Generalversammlungen der einzelnen Vereine einberusen, damit in den Zusammenkünsten die Wünsche und Meinungen der einzelnen Vereinsmitglieder noch ausgiebig zur Erörterung gelangeit köitnen. Zu mehrfachem Widerspruch hat der Punkt 4 der Leitsätze Anlaß gegeben, der u. a. bestimmt, daß 2 Mitglieder des Verbau dsvorstan des ihren Wohnsitz in Berlin haben sollen. Der Gemeindebund beabsichtigte mir diesem Vorschlag lediglich, den Geschäftsgang möglichst zu erleichtern, legt aber aus die Bestimmung keinen Wert, falls die Delegierten zu der lleberzeugung kommen, daß die laufenden Geschäfte ebenso leicht aus schriftlichem Wege zwischen den Voriiandsmitgliedern erledigt werden können, oder daß sich in einer anderen Stadt — von einer Seite wurde Leipzig vorgeschlagen— die zur Führung der (Geschäfte geeigneten und willigen Persönlichkeiten finden. Schließlich sei nochmals die nachdrückliche Versicherung abgegeben, daß die Fassung der einzelnen Sätze wie die (Gründung des Verbandes nur mit Zustimmung der Teleg erten der einzelneit Vereine erfolgen kann und wird." * r Die jüdische Gerneinde in Amsterdam hat chreu ältesten Beamten, Herrn N. M. Groen, derstatt;>(> Jahre lang Ehasan au der Großen und Neue» Synagoge war, durch den Tod verloren. In Anbetracht seines vorgeschrittenen Alters witrde er so oft als möglich von aktiven Dienstleistungen entbunden, aber er ließ es sich doch nicht nehiiteu, hin ruid wieder als Vorbeter zu fungieren. Als er 52 Dienstjahre zurückgelegt hatte, schenkte Herr Groen der Gemeinde einen prachtvollen und kostbaren Vorhang für die heilige Lade. Groen war auch 52 Jahre lang Lehrer au den Religionsschuleu der (Gemeinde. Der Verstorbene war ein Vetter des seligen Rabbiners Leiser. :! St. Aus Amerika. Das goldene Jubiläum der Tempel- Emauti-El-Gerueinde in New-Pork war eine in jeder Beziehung würdige Feier. Dhne auffälligen Prunk gab sie beredtes Zeugnis voit dem großartigen Fortschritt, welchen die Juden nicht nur in geistiger Richtung, sondern auch in materieller Hinsicht genommen haben. Fast ausnahmslos >varen die hervorragenden Persönkichkeiten, die fungierenden Verwaltungsbeaulten arme, mittellose, junge Leute, die nach dem Lande der Freiheit zogen, um da ihre Thatkrast ungehindert verwerten zu können. Einer der Gründer des Tempels, Herr James Seligvtan, heule ein mehrfacher Millionär, trug bei Gründung der Gemeinde einen ganzen Dollar zum Grundkapital bei, und die Vertreter der Laufmanusfirmen und die Großfabrikannlen, die da den Tempel füllten, waren fast durchweg mittellose Leute, die sich erst hier eine Eristenz zu verschasseit hatten. Vor fünfzig Jahreit erhielt der erste Prediger, den die junge Gemeinde anstellte, Dr. Leo Merzbacher, ein ans deutschen Universitäten gebildeter Manu, einen Gehalt von 300 Dollars, während Herr Dr. Gottheil ein Einkommen genießt, das vielleicht 15 000 Dollars übersteigt. Daß bei den Gründern der (Gemeinde eine freudige Dpferwilligkeit vorwaltete, ist gewiß nicht in Abrede zu stellen, noch auch, daß mit dem wachsenden Wohlstände der Mitglieder auch deren Wohlthätigkeitsstnn sich steigerte. — Die nächste Lonferenz amerikanischer e r o r m ■= R a l> b i n e r wird in R oche st e r abgehalten werden. Die folgenden Abhandlungen, welche zur Verlesung kommen, sind bereits angekündigt: „Die Bedeutung und Tendenz der Reformbewegung im amerikanischen Judentum", und Amerikanische Jndaiea" von Dr. David Philipson. Die Lonserenz- Lommit<'s bestehen aus den folgenden Herren: für Hymnen Bücher, die Rabbiner I. S. Moses, Joseph Stolz und A. Norden; für (Gebetbücher, die Rabbiner M. H. Harris, G. Gottheit, R. Großmann, H. Berkowitz, und M. Leucht; für Religioim-llnterricht, Sl. Lohler, I. Silvermann, A. H. (Geismar, 4L. R'osenau -und Tobias Schönfärber; für Religions-Tertbücher, L. Großman, E. Schreiber und Moses I. Gries; für Verbesserung des Reli nonsnnterrichts, David Philipson, M. Mielziner und E. Levi. — Der Fortschritt der gottesdienstlichen Reform in Amerika ist unleugbar. Ein neues Beispiel dafür ist der Vorgang an der Gemeinde Scheerith Israel in Eineiniiari, welche am Peßachseste znm ersten Male ein Harmonium verwendete. Diese Thatsache hat eine mehr als ineidentelle Bedeutung, denn die Scheerith Israel (Gemeinde wurde vor vierzig Jahren aus orthodoren Frondeuren gebildet, welche die damals noch sehr milden Reformen der anderen Tempel sierhorreseierteii. Inzwischen hat die orthodore Gemeinde sich immer mehr nach links bewegt; sie hat eine Synagoge mit Familiensitzen erbaut und die selcht in deutschen Reform gemeinden noch übliche Trennung der (Geschlechter ansgegeben; sie hat einen gemischten Ehor eingesübrt und das Harmonium

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