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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-10 · 19 (10.5.1895) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
Seite 302 (sequence 14)
Language
German
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Mechaniker 11, Schmiede 20, Schreiner 27, Kesselschmiede 11, Bildhauer nnd Tischler 18. Der Kassenbericht für das Schuljahr 1898 weist Ausgaben non 78.000 Francs ans, welchen folgende Einnahmen gegenüber stehen: Subvention der Alliance 80,000; des londoner Koinites Montagu 12,000; der Anglo-Jewish Association 4.OO0: des Baron A. von Rothschild 28,000; Zinsen der Stiftung Eremienr 1,000; Schulgeld 800; verschiedene Geschenke 1000; Pension der bezahlenden Schüler (größtenteils von Baron E. v. Rothschild bezahlt) 9000: Einnahmen ans den Werkstätten 0000 Francs. Kier und dort. — Am 12. d. M. Jeiert Herr Kontor Markus Schwarzberq in Br e s lau, (Rensäp:-Str. 86) das Toppelsest der silbernen Hochzeit und des 25jährigen Amts-Jubiläums. Biele seiner Freunde und Kolleqen sind eitrigst bestrebt, diesen Tag durch Veranstaltung besonderer Festlichkeiten würdevoll zu begehen. ' 1. — Tie antisemitische „Hallesche Reform" hat mit dem t. Mai ihr Erscheinen eingestellt. Tie Redaktion giebt als Gründe an: 1) Wurde das llntcrtiehmen vom deutsch-sozialen Verein selbst resp. Mitgliedern desselben untergrabet,: 2) verzichtete die Landbevölkerung im Sommer ans das Lesen von Zeitungen; 3) begebe sich das bessere Publikum jetzt in die Bäder; 4) fehle es an Lpfersrendigkeit der antiseinitischen Bürger Halles. - Roch am 24. April hatte das Blatt verkündet, die Auslage sei innerhalb Jahresfrist von 2000 auf 3000 gestiegen, und die betreffende 'Rümmer wurde deshalb als Jubilänins-Rnnnner bezeichnet. . . . — Ta die zum Synagogenban in Myslowitz bereits bewilligte Anleihe von 80,000 Mark nach den .Kostenanschlägen zur Ausführung des Baues nicht ansreicht, io ist vom Repräsentanten Kollegium die Genehmigung zur Anfnahnie einer weiteren Anleihe von 30,000 Mark erteilt worden. Sobald vom Bezirsansschnß die Bewilligung hierzu eintrifft, soll unverzüglich mit dem Bau begonnen werden. — A bg a n gs p r ü s un g en. In Hannover fand am t. und 2. April die Entlassnngsprüsnng an der Lehrer-Bildnngsansralt statt. Es hatten sich fünf Prüflinge gemeldet, die alle bestanden, drei wurden von der mündlichen Prüfung dispensiert. —, Am 4. April fand am Lehrerseminar in Dassel die mündliche Entlassnngsprüfnng statt, die von fünf Abiturienten der Anstalt bestanden wurde. -- Ans den Bericht der Königl. Regierung zu Hannover hat der Kultusminister nnterin 11. Januar erwidert, daß er den Antrag eines Hannoverschen Schulvorstands ans Einschnlnng der Inden für begründet erachte, da hierdurch der christliche Eharakter der Schule nicht berührt wird, im übrigen den Beteiligten, falls sie eine solche Maßregel mit den Gesetzen nicht vereinbar halten, der Weg des VerwaltungsstreitverfahrenS offen bleibe. — Herr Tr. Margulies in Florenz, über dessen Berufung an das Rabbinerseminar in Breslau wir berichtet haben, hat diese ans ihn gefallene Wahl ab gelehnt. — Bei der letzten Volkszählung in Rumänien ergaben sich in Bezug auf die Konfession folgende Ziffern: 4,049,418 Bewohner geyören dem griechisch-orthodoxen (Klauben, 154,093 anderen christlichen Glaubensgenossenschaften, 243,225 der mosaischen Konfession, 43,110 dem Islam an. — Rach dem „Woschod" ist am 21. Februar in Enpatoria in Tauris die karaitische Rabbinerschule eröffnet worden. Es giebt keine ähnliche Anstalt für die 4 oder 5 Millionen Israeliten in Rußland! — Rach einer tlebereinkunft zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Schulrat in Melbourne (Australien) soll dieRonfessionelle jüdische Schule eingehen, dagegen in allen Staats- und Stadtschulen jüdischer Religionsunterricht erteilt werden. Tie Kosten werden durch freiwillige Zeichnungen der Juden ansgebracht nnd ist schon ein vielversprechender Anfang gemacht. — (In Adelaide feierte Rev. A. T. Boas sein 25jähriges Jubiläum als Kultusbeamter in dieser Stadt. * Ein Urteil über den Talmud ans dem Jahre 1812. Seitdem in Deutschland der Antisemitismus als neueste Kulturpflanze gezüchtet wird, vergeht fast kein Tag, ohne daß von gewissenlosen Hetzern die unerhörtesten Schmähungen und Beschuldigungen gegen die Juden in die Welt geschleudert werden. Insbesondere ist es die falsche und gehässige Auslegung des Talmud, die von deu Antisemiten benutzt wird, ihrem Treiben einen Schein wissenschaftlicher Berechtigung zu geben. — Mir geht zufällig das Eotta'fche Morgenblatt vom Jahre 1812 durch die Hand, worin gelegentlich eines Kriteriums über Jacob Weits „Fragmente aus dem Talmud und den Rabbinen" von einem sachkundigen christlichen Theologen wie folgt geschrieben wird: „Der Verfasser, ein israelitischer Jüngling, hat sich in seinem 10. Jahre aus die Bahn der Autorschaft gewagt und ein Werk ausgestellt, das seinem Mnt den besten Lobspruch erteilt. Mit wahrem Talent für die Uebersetzungskunft giebt er uns eine sehr schöne Blumenlese, auf einem Felde gesammelt, das in dem unverdienten Ruse steht, nur Dornen und Disteln hervorzubringen. Dem ersten Bande ist eine Abhandlung über Moses und die Talmudisten, und dem zweiten eine andere über die Personistkation in der hebräischen Poesie und das Zeremonialgesetz in der hebräischen Religion vorgedruckt. Beide Abhandlnngen legen Zeugnis ab von einer ausgebreiteten Belesenheit, von einer in den Jünglingsjahren seltenen Reise des Urteils, wie von einer auch im männlichen Alter beachtenswerten Sprachgewaedheit. Herders Ansichten sind von dem jungen Verfasser geistvoll ansgesaßt und mit sinnvoller Eigentümlichkeil dargesteilt worden. Diese Blätter haben, ihrem Zwecke entsprechend, das Gute und Schöne, wo sie auch sichtbar werden, znr öffentlichen Knude zu bringen, bereits mehrere Bruchstücke aus diesem Werke mitgeteilt; unsere Leser haben also znm Voraus den Beleg erhalten, daß dieser Versuch einen nicht unwichtigen Beitrag zur Kulturgeschichte enthält. Die Landesregierungen, welche endlich ansangen, den Zuruf des ehrwürdigen Dohm (Minister von Dohm „lieber die bürgerliche Verbesserung der Juden") zu beherzigen, können sich durch diese Fragmente überzeugen, daß die Sittenlehre der Israeliten nichts enthält, was der Beförderung des Reinmenschlichen entgegenwirken könnte. Referent, der nicht unbekannt mit den Duellen ist, aus welchen diese Fragmente gezogen sind, kann versichern, daß sich nach mehrere Bände von gleichem Werte daraus geben ließen, — und es war ihm von jeher eine schmerzliche Bemerkung, nicht blos, daß man diese Goldkörner in dem Schutte liegen lasse und sie nicht allssondere aus den Schlacken des scholastischen Wustes, der sie allerdings umgiebt, sondern daß man ohne Kenntnis des Bildungsganges des seltsamen welthistorischen Volkes, über dasselbe oft so schnöde als unmenschlich, nach deiil im Elende und in der Verachtllng herumwandelnden Ueberreste aburteilt und seine Sittenlehre auf den Jahrmärkten und in den Trödelbuden studieren zu können glaubt. Gewiß, ein Volk, das die Lehre von der Einheit Gottes so früh empfing, und nie von ihr ließ, das in den jammervollsten Zlistaild versetzt, unter qualvollen Martern und die Menschheit entehrenden 'Mißhandlungen seufzend, Lehren der Tugend, der Lebensweisheit, der Duldung und der allgemeinen Menschenliebe in seiner Mitte bildete, deren Sprüche eine ehrenvolle Stelle neben jenen von Confueius und Zoroaster verdienen; das in früherer, in späterer, wie in der jetzigen Zeit Müiluer zu den seinigen zählte, die jede "-Kation ehren; — ein solches Volk verdient das tiefste Mitleid, daß mau die Maste desselben so zu Grunde gehen lassen konnte, aus

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