Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 19 (10.5.1895)
- Date
- 1895-05-10
- Page
- Seite 299 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kürzlich hatte das Parlament ungefähr über 20 Eingaben zu entscheiden, alle von Inden ausgehend, welche. Grade oder Titel an der Universität erworben haben und Rumänien durch ihr Wissen und durch ihr Leben Ehre machen. Eine einzige ist in Erwägung gezogen worden, nämlich die des Herrn Bermann Tlutza, Apothekers in Zafsy. Unter den Zurückgewiesenen befindet auch Herr Herrmann Rubin Chefredakteur der „Intwpendanee roumaine", eines der ersten Bukarester Blätter. Gemeinde, Synagoge und Schule. * Berliner Nachrichten. Der liberale Wahlverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde debütierte am Montagabend im kleinen Saale der Brauerei „Königstadt". Ueber das Debüt wird von anderer Seite an anderer Stelle referiert. Einen ausführlicheren Bericht über die Berfammlung können auch nur nicht bieten, da auch der Schreiber dieser Zeilen mit einer Anzahl anderer Zuhörer den Saal verlassen hatte, als entgegen der in öffentlichen Versammlungen bisher respektierten Gepflogenheit einem Redner das Wort entzogen wurde, — entzogen wurde nicht etwa deshalb, weil er durch irgend ein Wort oder irgend eine Geste die parlamentarische Form verletzt hätte, sondern lediglich, weil er als ein Gegner des Vereins bekannt war. In dem fälschlick) als orthodor verschrienen Z e n t r a l v e re i n ist ein solcher Mißbrauch mit dem vis major niemals getrieben worden, so dasi die Frage, welcher der beiden Vereine wirklich liberal bandelt, ohne sich liberal zu nennen, leicht zu beantworten ist. — Der zehnte Jahrgang des „Statistischen Jahrbuches des D.-I. G. B." ist soeben erschienen. Der Umfang des Buciies ist auf die stattliche Höhe von 142 Seiten angewachsen. Ueber die Erweiterung des Inhalts läßt sich das Vorwort wie folgt aus: „Eine Vervollständigung 'hat das im Vorjahre durch Herrn Rabbiner Dr. Rordheimer in Schwetz begonnene Verzeichnis der höheren Lehranstalten, an welchen jüdischer Religions Unterricht obligatorisch oder fakultativ eingesührt ist, dadurch erfahren können, daß wir diese wichtige Angelegenheit diesmal mir zum Gegenstände unserer Rundfrage gemacht haben. Die von einem ungenannt bleiben wollenden Einsender gebotene Liste derjenigen Synagogen, in welchen sich eine Drgel befindet, dürfte für weitere .greife von Interesse sein. Das Register der (gemeinden hat durch Hinzusügung der postalischen Bezeichnting gewonnen. Trotz verschiedener von schätzenswerter Seite geäußerten Wünsche konnten wir uns nicht zur Wiedereinführung des Registers der Gemeindebeamten entschließen, da die durch den häutigen Qrtswechsel der letzteren verminderte Zuverlässigkeit der Angabe^ die großen Aufwendungen an Zeit und Kosten nicht rechtfertigt." Rach dem oben angeführten Verzeichnis ist eine Drgel oder ein Harmonium in 04 (gemeinden eingeführt. Diese Liste ist unsres Wissens nicht vollständig. So vermissen nur in derselben bei flüchtiger Durchsicht die Gemeinden Schwerin a. W., Köslin, Sagan. Zn 14 dieser (gemeinden ist eine Drgel oder ein .Harmonium ausgestellt, wird aber nicht benutzt. — Am Sonnabendabend sprach Herr Lehrer Draubenberg in der „ W is se n sch ast l. V er eini gung isra elit. Schulmänner" über „Eine Lücke in der jüd. pädagogischen Litteratur" vor einer sehr zahlreichen Versammlung. Ta der Redner über dasselbe Thema in diesem Blatte schon geschrieben hat („Ein methodisches Hilsswerk"), so gehen wir auf den Inhalt des völlig neu bearbeiteten Vortrages nicht ein. Für eine der nächsten Versammlungen hat Herr Landesrabb. Dr. Fei Ich ense Id-Schwerin einen Vortrag über das von ihm herausgegebene, demnächst in zweiter Auslage erscheinende Religionsbnch zugesagt. —- Jude n a n h ö h e r e n L e h r a n st a l t e n. In B e r l i n verteilen sich die jüdischen Schüler und Schülerinnen auf die höheren Lehranstalten wie folgt: Das Askanische (gymnersium hat 570 Schüler, darunter 100 Juden, — das Augusta-Gymnasium 000 (18), Französische Gymnasium 410 (184), Friedrichs- (gymnasium 650 (250), Friedrich-WilhelmS-Gymnafium 750 (121), HumboldtS-(gymnasium 512 (42), Königstädtische (gymnersium 580 (207), Kloster-Gymnasium 400 (98), Lesfing-Gymnasium 500 (2»0), Leibniz-Gymnasium571 (100), Louisen-Gymnasium 970 (07), Louisenstädtisches Gymnasium 707 (177), Kgl. Wilhelms-Gymnasium 005 (005), das Andreas Real-Gymnafium 749 (218), Torotheensiädtische Real-Gemnasium 002 (111), Falk-Real-Gymnasinm 809 (218), FriedrichS-Real- Gymnasium 020 77), Königstädtifches-Real-Gymnasium 709 (199), Louisenftädtifches Real-Gymnafium 058 (154), Kgl. Real-Gymnasium 500 (10), die Louifenstädtifche Dberrealfchule 704 (17), die achte Realschule 007 (45), die elfte Realschule 244 (10). — Von den höheren "Mädchenschulen besuchten die Kgl. Elisabethschule 624 (12/), die Louifenschnle 852 (270), Margarethenschule 779 (052), die Viktoriaschule 805 (204) jüdische Schülerinnen. — In Bres lau betrug die Zahl der Schüler an den dortigen Gymnasien am 1. Februar d. I. insgesamt 2749. Dervon waren 1207 evcrngelisch, 709 katholisch, 7 Dissident, 706 jüdisch. In den beiden höheren Mädchenschulen der Stadt befanden sich um dieselbe Zeit 017 Schülerinnen, davon 208 evangelisch, 20 katholisch, 029 j ü d i s eh! — Die Breslau betreffenden Decken haben wir feindlichen Blättern entnommen, die aus diesem Anlaß über „Verjudung" der höheren Lehranstalten in den großen Städten klagen. Und doch sindet diese Erscheinung in den äußeren und inneren Verhältnissen ihre Erklärung. Die Rot der Zeit, die in den Provinzftadten noch stärker als in den großen Industriezentren sich bemerkbar macht, treibt die ländliche und kleinstädtische Bevölkerung in die Großstädte! Sodann kommt bei dem Gros der Inden aller Länder in erster Reihe die Familie, und — wenn überhaupt — dann in allerletzter Reihe die Kneipe. R'ichts für ungut, verehrte (gegner, aber das mußte einmal zur Abwehr gesagt werden! * Der Verband der Deutsch - Israelitischen Lehrer-Vereine. Ans dem Bureau des D.-I. G.-B. erhalten wir folgende Zeilen, die lediglich das bestätigen, ivas wir vor einigen Wochen auf grund eigener Informationen geschrieben haben: „Der Ausruf des Deulfch-Jsraelitifchen Gemeindebundes an die Lehrervereine, sich zu einem Verbände zusammenzuschließen, hat in fast sämtlichen Vereinen Deutschlands einen freudigen Widerhall gesunden, und die Gründung des Verbands kann schon jetzt, nachdem von 17 Lehrervereinen zwölf ihre Zustimmung geäußert und die Wahl von Delegierten vorgenommen haben und die übrigen