Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 19 (10.5.1895)
- Date
- 1895-05-10
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 296. 5 c f dj m u n. Nr. 19. Dich um ... ich bin es . . Dein Vater . . Erchen . . oh . . ." Aus der Menge trat nach einer Weile ein Polizeimann hervor und packte Iosepck beim Arme. „Was bedeutet das?" schnob er ihn mit einer mächtigen Geste an. „Diesen dort gleich arretieren!" liest sich aus der ersten Reihe der Herr Präses mit starker Stimme hören, seine Taustochter zugleich fester haltend. Aber in diesem Moment schlug Joses, vor Schmerz rasend und blind, in seiner Ansregung nach dem Polizeimann und stürmte wie ein Wirbelwind vorwärts. — „Schnste . . mein ilinb haben sie mir entrissen . . gebet sie mir zurück . . Klara!'' ries er mit heiserer Stimme bald polnisch, bald im Jargon. Dieser unartikulierte, wilde Schrei der Verzweiflung und insbesondere der Jargon und die verwahrloste Kleidung belustigten die anwesenden jungen Städter und Bauern. Die Volksmenge ist immer erbarmungslos. Einige von Ihnen, aus der momentanen Erstarrung zu sich kommend, ergriffen den sich windenden Joseph und unter Anführung des Polizeimannes wurde er aufs Polizeiamt gebracht. Diese ganze Szene hatte keine fünf Minuten gewährt. (Fortsetzung folgt). Wesjias vii»il> JUroi. Dichtung und Wahrheit aus der Geschichte der Auden. Von Aabb. Ignatz ttzroßniann, Aew-Aork. Im I. d. W. 2923 erhob sich ein Mann namens David Alroi ans Emdiia, der in feinen Jugendjahren zu den Füßen folgender drei Lehrer gesessen, nämlich: R. Ehisdai, der Erilarche, R. Eli, Vorsitzender der Gelehrtenschule, und Gaon Jacob in Bagdad und sich groste Gelehrsamkeit erworben auf den biblischen, halachifchen und talmndischen Gebieten sowohl als in profanem Wissen, Sprachenkunde; ja sogar Schwarzkunst und Zauberei standen ihm nicht ferne. Er trug sich lange herum mit der Idee eines Freiheilshelden, sammelte sich endlich einen Anhang von mehreren Tausend mutiger und kampfbereiter Männer und kündigte im Namen der ganzen Jndenheit ohne alle Berechtigting - dem Könige von Persien den Gehorsam und die Untcrthanenpflicht. Sein erstes Angenmerk war ans die Eroberung Jerusalems gerichtet. Durch wuitdervolle 'Vorspiegelungen, Zeichen und Verheißungen aller Art, die er angeblich als Gottesgesandter zu ihrem Heile vollsühreit werde, verstand es es, die Masten täglich fester an sieh zu fesseln und deren Glauben an seine messianische Sendung täglich mehr zu stärken. Sie nannten ihn auch Moschiach. Der König von Persien, als er von dem Ausstande Kunde erhielt, der sich auch wirklich mit jedem Tage an ihn und die Landeshauptstadt heranwälzte, sandte in seiner Angst einen seiner angesehensten Hosdiener an David und berief ihn, vor ihm zu erscheinen, mit der Versicherung, daß er nichts Arges gegen ihn hege, fondertt nur wünsche, alle seine Zeichen und Wunderthalen mit eigenen Angen zu sehen, und falls er diese wahr und untrüglich finde, so wolle auch er ihn als den Gesalbten Gottes anerkennen und Anordnungen treffen, daß ihm auch andere Könige Huldigungen darbringen sollen, wie sie des Gesalbten Gottes würdig ist. David kam und stellte sich furchtlos tmb mutig hin vor die Stufen des Tbrones, auf welchem der König in feinem Glanze fast in Purpur gehüllt und die Krone auf dem Haupte — und um ihn herum standen die höchsten Würdenträger und Granden des .Landes. Bist Du der König' der Juden? redete ihn der König an. Ich bin eS, antwortete David, Gott hat mich gesandt, sein Volk Israel zu erlösen. Ergreifet ihn, befahl tzcw König; leget ihm Fesseln an und zerret ihn in eines der dunkelsten Gefängnisse! Es verflossen drei Tage und es ereignete sich, daß der König gerade Rat hielt mit seinen Krondienern und Fürsten, und zwar betreffs der Juden und bereit ferneren Stellung im Lande, da kam David und schloß sich ihnen an. Wer, ries der König voll Angst und Schrecken, hat Dir die Fesseln abgenommen, die Kerkerthüre geöffnet und Dich hierher gebracht? Deine Strafe möge niemand treffen, sprach David, denn ich allein habe dieses alles gethan. Ich habe keine Furcht vor Dir, König! schloß David. Ergreifet ihn, ries der König ans allen Leibeskräften! Wen sollen wir ergreifend riesen alle die Beistehenden. Wir sehen den Menschen nicht, der so zu Dir spricht, nur seine Stimme hören wir. Der König stand verwundert da, und David sprach: Nun, König, gehe ich meinen Weg. Der König und seine Großen folgten ihm bis an das User des Flusses. David breitete ein Tuch aus auf die Sberfläche des Wassers uitd ging hinüber. Jetzt erp thaten sich ihre Augen auf und sie sahen ihn an dem Tuche die Wasser durchschreiten. Schnell folgten sie ihnl in Gondeln rmd Nachen nach, konnten ihn aber nicht erreichen. Da riesen sie: Noch nie hat ein Zauberer je solches vollbracht. David legte mit Hilfe des Gottesnarnens an diesem Tagereisen zurück. Er langte zu den Seinen an und erzählte ihnen bae? Ereignis. Sie staunten und verwunderten sich über seilte Weisheit und unvergleichliche Wunderkraft. Amir Almumaniit sandte sodanit eilt Schreiben an den Khalisen in Bagdad, in welchem er ihm austrug, den Exilarchen und die Vorsitzenden der Schulen daselbst durch sein Ansehen zu beredeil, David von seinem Wege abzulenken und sein verderbliches Verfahren einzustellen. Im Falle sie sich weigern sollten, ihren Einfluß aus David auszuüben, oder sollte dieser ans ihr Wort nicht hören, so sollten alle Inden im persischen Reiche an einem Tage mit dem Schwerte hingeschlachtet werden. Es war dies eine Trauerzeit im ganzen Lande, überall, wo Jaden wohnten, ward gefastet und Gott angerufen, dieses drohende Unglück von Israel avzuwenden. Von allen jüdischen Gemeindeil wtirden Briese geschickt an den Exilarchen und die Vorsitzenden der Schicken in Bagdad des einen Inhaltes: „Erbarmen zu haben mit ihren Brüdern, die in so große Lebensgefahr geraten sind wegeil eines Menschen, der durch seinen Wahnsinn das ganze Volk Israel unter die Schärfe des Schwertes bringt. Lasset es doch nicht zu, daß durch diesen gottvergessenen Wüstling so viel unschuldiges Blut vergossen lind der Name Israel hinweggetilgt werde von der Erde." Erilarch und Schnlvorsitzende schrieben an David und ermahnten ihn mit den nachdrücklichsten nild slehentlichsten Worten, die eine menschliche Feder niederzuschreiben vermag, die Messias-Idee nild den Freiheitswahn auszngeben, da die Zeit für Israels Erlösung noch nicht gekommen sei.